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Der Redakteursrat des ORF kritisiert die Bestellung von Thomas Prantner zum Leiter der Hauptabteilung Online und neue Medien und Stellvertreter von Technik-Direktor Michael Götzhaber.
Der Redakteursrat des ORF will bei der Medienbehörde KommAustria eine Beschwerde einlegen. Thomas Prantners Technik-Führungsjob und Kompetenzen verletzten ORF-Gesetz, heißt es in einer Mail an die Redakteurssprecher.
Der frühere ORF-Online-Direktor wurde wie berichtet zum Leiter der Hauptabteilung Online und neue Medien bestellt. Prantner verantwortet das Online- und Teletext-Angebot des ORF, die Videoplattform ORF-TVthek, Projekte im Bereich neue Medien und Technologien sowie die strategische Führung und Koordinierung der Online-Vermarktung des ORF. Darüber hinaus soll er den Technischen Direktor Michael Götzhaber, in dessen Direktion die Online-Agenden seit der jüngsten ORF-Wahl ressortieren, als "Stellvertreter in Abwesenheit" vertreten.
Der ORF-Redakteursrat informierte die Redakteurssprecher nach STANDARD-Infos Montagmittag, dass er dagegen die KomAustria einschalte. Dem ORF-Gesetz widerspricht nach dem Befund des Redakteursrats
Der Redakteursrat kritisiert in seiner Aussendung auch andere Entwicklungen, die zeigten, "dass die Geschäftsführung aus der Verhinderung der Pelinka-Bestellung nicht wirklich gelernt hat":
Der Redakteursrat grundsätzlich: "Das alles ist wieder sehr unerfreulich, abermals geeignet das Ansehen des ORF als unabhängiges Medienunternehmen zu beschädigen." Aber es "hat vielleicht auch etwas Gutes: Die öffentliche Debatte um dringend notwendige Änderungen des ORF-Gesetzes wieder zu intensivieren." Der Redakteursrat fordert etwa ein "völlig neues Aufsichtsgremium" für den ORF und ein verbessertes Redakteursstatut.
"Deckmantel vermeintlicher Mitwirkungsrechte"
Mit scharfer Kritik hat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auf die
Ankündigung des Redakteursrats reagiert, sich wegen der Bestellung von Thomas
Prantner zum ORF-Online-Hauptabteilungsleiter an die KommAustria zu wenden. Es
sei sehr bedauerlich, dass "von den KollegInnen Wendl, Bornemann und Ziegler
unter dem Deckmantel vermeintlicher Mitwirkungsrechte einmal mehr einzelne
MitarbeiterInnen und der ORF denunziert werden", erklärte der Generaldirektor in
einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Alle seitens der
Redakteursvertreter angesprochenen Ausschreibungsverfahren seien einwandfrei
abgelaufen und fielen darüber hinaus nicht in die Zuständigkeit des
Redakteursrats, betonte Wrabetz.
Auch Prantner selbst setzt sich gegen
die Vorwürfe zur Wehr. Diese seien "inhaltlich falsch und von der Tonalität her
unangemessen". Die Funktion des Hauptabteilungsleiters Online und neue Medien
sei öffentlich ausgeschrieben und die Bestellung völlig korrekt abgewickelt
worden. Zentralbetriebsrat und Betriebsrat Technische Direktion hätten die
Organisationsanweisung Online und neue Medien unterschrieben und
akzeptiert.
"Wo ist das Problem, Herr Wendl?"
Zudem hielt Prantner fest, dass im Rahmen der
Umstrukturierung keine neuen Posten geschaffen worden seien. Es sei lediglich
die bisherige Onlinedirektion in die Technische Direktion integriert und der
Bereich Online und neue Medien als Hauptabteilung neu organisiert worden. Nach
"fünfjähriger erfolgreicher Tätigkeit als Direktor für Online und neue Medien"
nehme er für sich in Anspruch, für die nahezu selbe Tätigkeit wie bisher
qualifiziert zu sein. Die Aufgabe als Stellvertreter des Direktors müsse nicht
ausgeschrieben werden, sondern es sei Entscheidung des Direktors, wer ihn in
seiner Abwesenheit vertrete: "Also wo ist das Problem, Herr Wendl?", fragt
Prantner.
Die multimediale Zukunft des ORF als modernes
Rundfunkunternehmen sei zu wichtig, "als dass Zeit und Energie mit unsachlichen
betriebsinternen Scharmützeln und rufschädigenden Polemiken des
Redakteursratsvorsitzenden vergeudet" würden, meinte Prantner. Dass Wendl das
eigene Unternehmen bei der Komm Austria anzeige und damit auch die Arbeit von
vielen Mitarbeitern im Onlinebereich vernadere, sei "in hohem Maße
unternehmensschädigend und negativ fürs Betriebsklima.
Wendl kontert: "Parteipolitische Wunscherfüllung"
Der Vorsitzende des Redakteursrats, Fritz Wendl, reagierte prompt. Seinen Generaldirektor erinnerte er: "Die ORF-Journalisten haben keine „vermeintlichen" Mitwirkungsrechte, sondern gesetzlich garantierte. Und der Generaldirektor braucht auch nicht überrascht tun: Der Redakteursausschuss hat, wie auch in dem dem Generaldirektor bekannten Protokoll der Sitzung vom 20. 3. steht, beschlossen: „Der Redakteursausschuss beauftragt den Redakteursrat einstimmig nun folgenden, im Redakteursausschuss vom 18. 11. gefassten, Beschluss KommAustria-fristgerecht umzusetzen: ‚Kommt es zu Verstößen gegen journalistische (Mitwirkungs-)Rechte - was zB der Fall wäre, würden JournalistInnen TD oder sonst Unzuständigen unterstellt - hat der Redakteursrat unverzüglich alle erdenklichen Gegenmaßnahmen vorzunehmen, wie etwa die Anrufung der KommAustria.""
Wendl zu Prantner: "Dass Herr Prantner eine Beschwerde mit dem Ziel das ORF-Gesetz einzuhalten als „vernadern" der „Arbeit von vielen Mitarbeitern im Onlinebereich" bezeichnet, ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass er seine ORF-Positionen weniger der Kenntnis der Arbeit von vielen ORF-MitarbeiterInnen als parteipolitischer Wunscherfüllung zu verdanken hat. Nicht zuletzt die Journalisten der einstigen Onlinedirektion haben mehrmals von Redakteursvertretung und Betriebsrat verlangt, alles Erdenkliche zu unternehmen, damit sie endlich der Fernsehdirektion zugeteilt werden (wo die TVthek natürlich auch sachlich hingehört). Und was die MitarbeiterInnen der überaus erfolgreichen Onlinetochterfirma des ORF (mit eigenem Redakteursstatut) vom Wirken Herrn Prantners halten, haben orf.on-Betriebsrat und -Redakteursvertretung mehrfach - auch öffentlich - erklärt."
„Unternehmensschädigend" sei "jedenfalls nicht das Benennen von Missständen, sondern deren Verursachung", erklärt Wendl gegenüber etat.at. Er erinnert, "dass KommAustria und Bundeskommunikationssenat ja auch schon in der Causa der ORF-Gesetzverletzung des Stiftungsrats Ziegler vollinhaltlich die Ansicht des Redakteursrats bestätigten." (red, APA, derStandard.at, 16.4.2012)
"Vermeintliche Mitwirkungsrechte"..."von der Tonalität her unangemessen"..."Denunziation"... "Vernaderung"..."unternehmensschädigend und negativ fürs Betriebsklima" usw. usf. Sorry, was hier als quasi-anarchistische Palastrevolution dargestellt wird, ist nichts anderes als der Backlash auf die jahre-, ja jahrzehntelange Verluderung der Sitten. Anstatt gemeinsame (!) Anstrengungen zu unternehmen, die Situation zum Besseren zu wenden und deutliche Politikferne zu demonstrieren, beweisen div. Damen und Herren, justament auf die eingelernten Karriereschemata, Machtinsignien und Ö-Spielregeln nicht verzichten zu wollen. Nicht mal, wenn das absolut nicht mehr in die Zeit und zur tristen Lage passt. Gut, dass das auf zunehmenden Widerstand stösst.
... Rundfunk für eine wichtige Errungenschaft, die nicht aufgegeben werden darf. Allerdings untergraben die Gremien des ORF massiv seine Existenz. Jüngstes Beispiel: Edelbert Morscher, ÖVP-Kurator aus Vorarlberg ist trotz massivster Malversationsvorwürfe noch immer in Funktion. Herr Schnauder vom Standard hat die Causa hervorragend recherchiert:
http://derstandard.at/133413257... t-sich-aus
Den kenn ich ja gar nicht. Der Herr Redakteur Schnauder schreibt ausführlich, klar und unmissverständlich interessante Dinge über einen Herrn Edelbert Meusburger. Aber vielleicht hab ich ja einen anderen Etat.at-Inhalt als andere? Hat noch wer Edelbert Morscher?
sind für mich eigentlich Bedürfnisanstalten - stimmt aber im Prinzip. Die Parteien haben das Bedürfnis, die Richtung der "Anstalt" mit den Leuten ihrer Wahl zu bestimmen. Da gibt es eine handschriftliche Liste, wie kann man das bestreiten?
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