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Wien - Die "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" kritisiert weiterhin die ihrer Meinung nach mangelnde Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche. Zwei Jahre nachdem Kardinal Christoph Schönborn die Opferschutzanwaltschaft eingesetzt hat, seien rund 40 beschuldigte Priester im Amt, so Sepp Rothwangl am Montag in einer Pressekonferenz. Die Plattform schlägt der Kirche vor, Klagen auch zivilrechtlich prüfen zu lassen, da hier andere Verjährungsfristen gelten würden.
"Vertuschung als Bestandteil der Tat"
Nicht nur die Opferschutzanwaltschaft, der die ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic vorsitzt, wurde vor zwei Jahren gegründet. Auch die "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt" startete damals ihre Tätigkeit und kritisiert seitdem die "Klasnic-Kommission" als von der Kirche abhängig. Wenig habe sich seitdem geändert, bemängelt Rothwangl, der laut eigener Aussage selbst Missbrauchsopfer ist. So würden Priester geschützt: "Ich sehe in der Vertuschung der Fälle einen Bestandteil der Tat." Die Namen jener rund 40 missbrauchsverdächtigen Geistlichen, die derzeit immer noch im Amt seien, kenne man. Eine Veröffentlichung behalte sich die Plattform vor, so Rothwangl.
"Staatliche Verantwortung"
Politische Unterstützung erhält die Plattform durch den grünen Justizsprecher Albert Steinhauser, der weiterhin eine staatliche Anlaufstelle für Missbrauchsopfer fordert. Dass die Volksanwaltschaft die Fälle künftig weiterleiten soll, sei nicht ganz das, was man sich von einer solchen Kommission erwarte. Auch wenn es das "gute Recht" der Kirche gewesen sei, die Opferschutzanwaltschaft ins Leben zu rufen, so könne diese ein staatliches Gremium nicht ersetzen. Zudem habe sich die Klasnic-Kommission für Erwachsene Missbrauchsopfer für unzuständig erklärt, für Ablehnungen gebe es keine Begründung und auch in der Prävention sei seitdem nichts passiert, lauten Steinhausers weitere Kritikpunkte.
Für den Psychologen Holger Eich reicht ein Blick über die Grenze, um bessere Modelle für den Umgang mit Missbrauch zu entdecken. So habe der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, welche vollständigen Archivzugang bekommen habe und die Ergebnisse unzensiert veröffentlichte. Eich sieht zudem auch eine staatliche Verantwortung für Missbrauchsfälle, die sich in katholischen Internaten ereignet haben. Die Kritik an der Klasnic-Kommission teilt er, gesteht aber zu: "Sie hat eine Aufgabe, um die ich sie nicht beneide."
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