Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
vergrößern 640x640Oslo - Unter gewaltigem Medieninteresse hat am Montag der Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik vor dem Amtsgericht in Oslo begonnen. Der rechtsradikale Islamhasser, der sich für den Tod von 77 Menschen verantworten muss, verfolgte die Verlesung der Anklageschrift und der Opferliste ohne besondere Regung. Die Eröffnung des Prozesses wurde live von Fernsehsendern wie BBC und CNN weltweit ausgestrahlt.
"Nicht schuldig"
Der Attentäter nutzte den Prozessauftakt zur Selbstinszenierung: "Ich gebe die Taten zu, bekenne mich aber nicht strafschuldig", sagte der 33-Jährige, der sich kurz vor Verhandlungsbeginn im Gerichtssaal vor laufenden Kameras auf die Brust und dann die geballte rechte Faust reckte. In einem seiner Manifeste hatte der Rechtsextremist diese Geste als Gruß des Ordens der Tempelritter und "Herausforderung für die marxistischen Tyrannen in Europa" bezeichnet. Er habe in Notwehr gehandelt. Das Gericht erkenne er nicht an, weil der norwegische Staat den Multikulturalismus unterstütze. Er muss mit 21 Jahren Haft oder Einweisung in die Psychiatrie rechnen.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Norweger vor, im Juli 2011 in Oslo mit einer Autobombe acht Menschen getötet zu haben. Anschließend brachte er auf der Insel Utöya gezielt 69 Teilnehmer eines Feriencamps für junge Sozialdemokraten um. Breivik ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt.
Ein Video des Auftritts vor Gericht.
Staatsanwältin Inga Bejer Engh verlas zu Beginn des Prozesses eindrücklich die Namen der 77 Todesopfer sowie die der 42 Verletzten der beiden Anschläge. Sie nannte das Alter und führte detailliert die Verletzungen auf, die jedes einzelne der Opfer erlitten hatte.
Der im schwarzen Anzug erschienene Breivik sagte, befragt nach seinem Beruf, er sei Schriftsteller und arbeite vom Gefängnis aus. Seine Ablehnung des Gerichts begründete er auch damit, dass die Vorsitzende Richterin Wenche Elizabeth Arntzen von der damaligen Justizministerin Hanne Harlem ernannt worden sei - einer Schwester der einstigen sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland.
Breiviks Video wurde gezeigt
In dem Osloer Gerichtssaal wohnten rund hundert Überlebende und Hinterbliebene der Opfer dem ersten Verhandlungstag bei. Die Verhandlung wurde zu Beginn live im norwegischen Fernsehen übertragen. Als Staatsanwältin Inga Bejer Engh die Liste mit den Namen der Opfer verlas, wurde der Ton abgedreht. Die Hinterbliebenen im Gerichtssaal bewahrten die Ruhe, gelegentlich war ein Schluchzen zu vernehmen. In der Prozesspause brach ein junges Mädchen zusammen und musste betreut werden.
Gerührt zeigte sich am Montag auch Breivik, als im Prozess ein Kurzfilm gezeigt wurde, den der Rechtsextremist am Tag der Anschläge im Internet veröffentlicht hatte. Während das zwölf Minuten lange Video im Verhandlungssaal auf einer Großleinwand lief, wischte sich Breivik Tränen aus den Augen, wie ein AFP-Reporter berichtete. In dem Film sind mit Musik unterlegte Fotos und Zeichnungen zu sehen, die vor allem muslimische Fundamentalisten zeigen.
Zehnwöchiges Verfahren
Die Anklage zeigte auch Bilder von Überwachungskameras, auf denen die Explosion des Sprengsatzes im Osloer Regierungsviertels zu sehen ist. Auf den bisher unveröffentlichten Aufnahmen ist zu sehen, wie Menschen auf den geparkten Transporter zugehen, in dem Breivik die Bombe platziert hatte.
Breivik darf fünf Tage lang über seine rechtsradikalen Motive sprechen. Die Norweger erwarten schockierende Aussagen. Für den Prozess in Oslo haben sich über 800 Medienvertreter von mehr als 220 Redaktionen akkreditiert. In dem auf zehn Wochen angesetzten Verfahren wird es vor allem darum gehen, ob Breivik zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war und damit wegen "Terrorakten" zu der in Norwegen geltenden Höchststrafe von 21 Jahren verurteilt werden kann. Das Urteil wird im Juli erwartet, also ungefähr ein Jahr nach der Tat vom 22. Juli 2011.
Das Gericht will rund 150 Zeugen hören. Am Dienstag steht eine Vernehmung Breiviks auf dem Programm. Sein Anwalt Geir Lippestad machte die Öffentlichkeit darauf gefasst, dass sein Mandant bei dieser Gelegenheit Bedauern darüber äußern wolle, "nicht noch weiter gegangen zu sein".
Kurz vor Prozessbeginn stufte ein neues psychiatrisches Gutachten den Angeklagten als voll zurechnungsfähig ein. Im ersten Gutachten war Breivik wegen "paranoider Schizophrenie" für unzurechnungsfähig erklärt worden. Folgen die zwei Berufs- und drei Laienrichter dieser Einschätzung, würde Breivik in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen. (APA, 16.04.2012)
33-Jähriger Massenmörder legt Beschwerde gegen Haftbedingungen ein
Verurteilter Massenmörder bekommt für Begräbnis keinen Freigang
Aufnahmen von Attentäter bisher nur in Prozess verwendet
Polizei verfolgt nach Drohung mehrere Spuren
Die verschiedenen Gutachten im Fall Breivik seien keine Blamage für die Gerichtspsychiatrie, sagt Psychiaterin Adelheid Kastner
70 Jahre nach Abtransport von hunderten Menschen in KZ
Mit offensichtlicher Befriedigung nahm Anders Breivik am Freitag das Urteil gegen ihn entgegen: Die Richter befanden ihn für zurechnungsfähig, wie der Attentäter es sich gewünscht hatte
Außenminister Störe übernimmt das Gesundheitsressort - Espen Barth Eide neuer Außenminister
Norwegisches Rechtssystem kennt keine lebenslange Haftstrafe, Breivik könnte aber durch Sicherungsverwahrung für immer hinter Gittern bleiben
Massenmörder verzichtet endgültig auf Berufung
Kaum mehr als ein Jahr nach der Tat ist Anders Breivik verurteilt - Seine Tat wird Norwegen aber noch länger beschäftigen
Autor: Schriften untermauern Zurechnungsfähigkeit des Norwegers
Politologe Heidar über die Folgen von Utøya und neue Überwachungsmöglichkeiten der Polizei
Norwegisches Parlament diskutiert Konsequenzen aus Untersuchungsbericht
Deutscher Experte Pfeiffer: Prozess hätte nicht öffentlich sein dürfen
Islamisten drohen in Brief mit "größerer Attacke als am 22. Juli"
Kriminalpsychiater Hans-Ludwig Kröber über die Frage der Schuldfähigkeit und irre Grinser
Anwälte der Opfer verlangen Löschung - Deutscher erhielt Aufnahme von der rechten Fortschrittspartei
Junge Zeugen sprachen im Prozess in Oslo darüber, wie sie Breiviks Taten erlebten
Norwegens Sicherheitskräfte hätten die Attentate von Anders Breivik verhindern oder zumindest früher beenden können: Was Kritiker den Behörden schon länger vorwerfen, bekräftigt nun auch die offizielle Untersuchungskommission in ihrem Abschlussbericht
Breivik wollte alle Menschen auf Utöya töten - Norwegischer Attentäter hatte weitere Terrorziele in engerer Wahl
Stoltenberg nimmt Stellung zu Vorwürfen - Parlament will über Bericht diskutieren
Wie erwartet, zeigt der geständige Attentäter Anders Breivik keine Reue - Seine Opfer seien keine unschuldigen Kinder gewesen, sondern politische Aktivisten - In seiner Weltanschauung spielt auch die FPÖ eine Rolle
Norwegischer Regierungschef: "Das Volk hat gewonnen" - Kranzniederlegung im Regierungsviertel - Bruce Springsteen bei Konzert am Abend
man sollte seinen gesamten besitz einer armen muslimischen familie schenken (auch wenn das keiner annehmen würde). aber als symbol, dass er es NICHT geschafft hat...ich glaube, dass würde ihm die nicht-vorhandene seele brechen. psychic torture gebührt so einem.
nein, ich würde breivik auch keine bühne lassen auf der er sich am ende noch so präsentieren kann wie er sich das davor schon ausgemalt hat.
allerdings finde ich sehrwohl das alle erfahren sollten was er dachte und warum er es dachte, es gehört auch ein blick darauf geworfen ob er halt auch dinge ins auge gefasst hat die nicht unwahr sind, ich pers. fände das wichtig weil wenn ein mensch so weit geht wird es nicht lange dauern bis das andere auch so machen und wenn das irgendwann eine gewisse masse wird dann gibt es nunmal tatsächlich "gründe" die soviel hass verursachen und die sollte man sich nunmal ehrlich ansehen anstatt alles zu verteufeln und unter den tisch zu kehren, demokratie muss es auch solchen leuten erlauben sich mitzuteilen.
Bei dem Prozess geht's weniger um Breivik, sondern darum, wie die norwegische Gesellschaft mit so einem Verbrechen umgeht. Und da bleibt mir beinahe der Mund offen vor Ehrfurcht. Gibt es Statistiken, wie's in Norwegen mit Gewaltverbrechen generell aussieht , im Vergleich zu anderen Ländern ??
das weiß ich nicht, aber es gibt dies hier: http://www.thishumanworld.com/jart/prj3... ode=active
...wie Felix Krull vor der Stellungskommission, je mehr er als "normal" dazustehn versucht umsomehr stellt sich seine Untauglichkeit heraus. Krull hat das geplant und grandios gespielt. Breivik versucht sich ebenfalls als Normalo zu geben aber gleichzeitig darzustellen dass er nicht ganz normal tickt. Insofern versucht er also die Öffentlichkeit und Gutachter zu täuschen. Bei Felix Krull, der von Thomas Mann großartig erfunden und geschildert wurde, ging das Konzept auf, bei Breivik wird man abwarten müssen. Durchaus denkbar dass auch er alle an der Nase herumführt...
Bei einigen der Kommentare frage ich mich wirklich in welcher Gesellschaft wir leben! Rechtsstaatlichkeit und das Recht eines Angeklagten auf einen fairen Prozess kommt bei vielen eben nicht so gut an wie der Gedanke an Lynchjustiz. Ganz egal, was Breivik getan hat, für ihn gelten die gleichen Gesetze, wie für jeden anderen Straftäter. Es ist klar, dass 77 Morde an einem Tag in der von der Öffentlichkeit als besonders schlimm empfunden werden, dennoch ist es nicht angebracht für diesen Einzelfall Sonderregelungen zu schaffen. Beivik ist geständig, wird angesichts der Beweislage mit Sicherheit verurteilt werden und wird den Rest seines Lebens in Gefangenschaft verbringen.
gut, die die irgendeinen bezug nach norwegen haben, freunde, familien, das versteh ich ja.
aber die meisten haben das im fernsehen und internet mitbekommen und beurteilen das aus 1000 km entfernung vor dem computer. genügend zeit seine eigenen aussagen zu reflektieren.
Früher, als ich noch keine eigene Familie hatte, waren mir Zeitungsberichte immer egal, wo es um den Tod von Kindern ging.
Komischerweise hat sich das mit eigenem Kind stark geändert - da geht einem so etwas einfach ans Gemüt.
Natürlich kenn ich niemanden, aber man kann es irgendwie "mitfühlen"
Man muss sich für die Zukunft eben überlegen wie sinnvoll die freiwillige Selbstbeschränkung auf 21 Jahre ist.
Meiner Meinung nach ist es sinnvoll, dass Menschen in der Regel nicht für immer eingesperrt werden.
Es ist aber auch sinnvoll, dass es in Ausnahmen die Möglichkeit gibt einen Menschen dauerhaft von der Gesellschaft fern zu halten. Und zu jenen zählt ein Breivik ohne Frage dazu.
das stimmt so nicht.
wenn er vom gericht als unzurechnungsfähig eingestuft wird kann er gar nicht verurteilt werden sondern kommt so lange in eine therapeutische einrichtung bis er als austherapiert gilt.
die sicherungsverwahrung kann nur nach einer erfolgten verurteilung und verbüßten strafe angeordnet werden und dazu muss er als zurechnungsfähig gelten.
Wenn eine solche angeordnet wird. Wenn man ihn als zurechnungsfähig wertet und ihm nicht eine schwere Störung nachgewiesen wird, aufgrund derer er auch nach Verbüsung seiner Haft eine Gefahr darstellt, kann man ihn nicht auf ewig wegsperren, dann kommt er nach spätestens 21 Jahren raus.
Das ist gar kein so unrealistisches Bild, wenn sich im Prozess etwa die Ansicht durchsetzt, dass er aus politischen Motiven getötet hat.
Wieso sieht man überhaupt etwas über diese Verhandlung? Das angebliche öffentliche Interesse ist doch nur deshalb so groß, weil die Medienvertreter behaupten, dass es so wäre. Eine Verhandlung hinter verschlossenen Türen nur mit dem notwendigsten Personal und meinetwegen ein paar Beobachtern - und aus. Ich habe den verdacht, dass dieser Mann nur gemordet hat, um eben jetzt auf dieser bereitwilligst für ihn gerichteten Bühne zu stehen. Er hat sein Lebensziel erreicht. Man sollte seinen finalen Triumph über die Menschlichkeit nicht zulassen.
denn der schluss, der im letzten absatz gezogen wird ist völlig daneben. frauen als opfer... typisch.
wo ist es eine entmachtung der frauen, wenn männer dazu gezwungen werden sollen mit frauen zusammenzuleben bis das jüngste gemeinsame kind 18 ist? es sollen wohl offensichtlich beide geschlechter entmachtet werden.
frauen sind in der breivikschen vision sogar klar im vorteil und sollen durch maschinelle auslagerung von der bürde des kinderkriegens befreit werden. was für vorteile sollten männer dadurch haben? dass dann mehr erzieher benötigt werden würden? weil das ja so ein männer-traumjob ist...
Coole Analyse, Kimmels "Globalization and its Mal(e)contents" geht in eine ganz ähnliche Richtung, falls Sie ihn noch nicht kennen:
http://iss.sagepub.com/content/1... /603.short
die heutigen Burschenschaften und ihr Frauenbild, ist auch durch angst vor Selbstbestimmten Frauen geprägt.
Die FPÖ wählen ja auch großteils junge Bildungsferne Männer mit einem schrecklichen Frauenbild, die Angst vor allem anderen kommt dann noch dazu, was die Ausländerfeindlichkeit und besonders die vor Moslems auf fruchtbaren Boden fallen lässt.
Wir haben kein Problem mit der Integration, wir haben ein Problem innerhalb unserer Gesellschaft, das ein Teil einfach nicht mit dem sozialen Wandel geistig und emotional mitkommt.
Wir brauchen eher einen junge männliche Inländer Staatssekretär, dies ist eine viel größere Problemgruppe.
"Wir brauchen eher einen junge männliche Inländer Staatssekretär, dies ist eine viel größere Problemgruppe."
Auf Umerziehungslager mit Stacheldraht irgendwo in Pampa für die hartnäckigen Fälle und Gedankenpolizei nicht vergessen. Und natürlich müsste man die Menschen- und Bürgerrechte für die "Problemgruppe" auch noch ein bisserl "anpassen"... [/Sarkasmus]
Ich meine 77 Tote und danach Auftritte von Breivik in Fuchs'scher Manier (=Briefbombenattentäter) - es dürfte schwierig sein, dafür einen Gutachter zu finden!
ich bin mir ziemlich sicher dass ihn niemals jemand als geheilt ansehen würde. für den gutachter wäre das risiko viel zu hoch. stellen sie sich vor der würde rauskommen und dann nochmal sowas anstellen, der gutachter könnte sich gleich mit erschießen lassen.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.