Kaufhäuser mit Privatgefängnissen

17. Juni 2003, 20:52
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US-Läden können Verdächtige festhalten, ohne die Polizei zu rufen

New York - Ladendiebe haben es in den Vereinigten Staaten nicht leicht. Verdächtige können in den Kaufhäusern vom Personal festgehalten werden, ohne dass die Polizei verständigt werden muss. Einige Läden haben sogar eigene Zellen, in die sie Verdächtige sperren, bis sie ein Geständnis unterschreiben. Bei Bürgerrechtlern stößt diese Praxis zusehends auf Kritik.

Macy's im New Yorker Stadtteil Manhattan gilt als eines der größten Kaufhäuser der Welt. Auf zehn Stockwerken werden über eine halbe Million Artikel angeboten - und gestohlen. Umgerechnet rund 3,4 Millionen Euro gibt der Konzern für Diebstahlsicherung aus. Mit teils fragwürdigen Methoden, wie die New York Times berichtet. So befinden sich zwei knapp über zwei Quadratmeter große Zellen in dem Gebäude, dazu ein weiterer Raum mit einer langen Stahlbank samt einem Dutzend Handschellen. Hier werden Verdächtige durchsucht, fotografiert und überprüft.

Polizei muss nicht verständigt werden

Nach US-Recht müssen die Kaufhausdetektive die Polizei nicht verständigen, die Verdächtigen haben auch kein Recht auf einen Anwalt. In den meisten Fällen unterschreiben sie nach der Vorlage von Überwachungsvideos ein Geständnis und müssen den fünffachen Warenwert als Strafe zahlen. Den Angestellten steht es dann frei, sie anschließend bei der Polizei anzuzeigen.

Rund ein Prozent der Verdächtigen werden allerdings zu Unrecht angehalten, gesteht man bei Macy's ein. Und betont gleichzeitig, dass sich alles im Rahmen der Gesetze bewegt. Das glauben Bürgerrechtler nicht und werfen dem Konzern Freiheitsberaubung und rassistische Tendenzen vor. Im vergangenen Monat wurde eine Privatklage im Namen mehrerer Geschädigter eingebracht.

Kaufhausdetektive sollen sich auf Minderheiten konzentrieren

Die Vorwürfe: Die Kaufhausdetektive sollen sich bei ihrer Überwachung besonders auf Minderheiten konzentrieren und Verdächtigen falsche Hoffnungen machen. So wird der Fall zweier spanischstämmiger Teenager angeführt, die eine Bluse der Mutter umtauschen wollten. Da sie die Rechnung nicht dabeihatten, kehrten sie um und wurden am Ausgang festgehalten. Zwei Stunden verbrachten sie in dem Befragungsraum, wo sie angeblich unter Druck gesetzt worden sind und schließlich einen Zettel unterschrieben, um gehen zu können. Dass sie damit einer 340-Euro-Strafe zustimmten, wollen sie nicht gewusst haben. (moe/DER STANDARD, Printasugabe, 18/19.6.2003)

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