Asyl fürs Kind

18. Juni 2003, 12:59
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Dreijährigem Mädchen droht bei Abschiebung die Beschneidung

Graz - Wäre das neue Asylgesetz bereits in Kraft, hätte Brigitte keine Chance mehr: Brigitte kam im Oktober 2002 mit ihrer dreijährigen Tochter nach Graz und suchte um Asyl an, weil dem kleinen Mädchen in Mali die genitale Verstümmelung drohte. Zweieinhalb Jahre kämpfte die Mutter, die 1994 aus Ruanda nach Mali floh, als Katholikin gegen das muslimische Ritual. In Mali sind 97 Prozent der weiblichen Babys von der Beschneidung, wie der Ritus verharmlosend genannt wird, betroffen. Dann konnte Brigitte fliehen.

Asylantrag negativ entschieden, weil sie über Belgien kam

Bei einer Pressekonferenz des "Dachverbandes der AfrikanerInnen" und der Grazer Grünen-Chefin Sigi Binder am Dienstag versuchte Brigitte nun Hilfe in ihrer verzweifelten Situation zu bekommen. Denn ihr Asylantrag wurde negativ entschieden, weil sie über Belgien - also ein sicheres Drittland - nach Österreich kam. In Belgien leben aber Verwandte des Kindesvaters aus Mali, die das Kind in einer Wohnung beschneiden wollten. "Was ich sage, ist egal", sagt Brigitte, die jederzeit nach Belgien abgeschoben werden könnte.

Sigi Binder fordert, dass genitale Verstümmelungen auch in Österreich als Asylgrund anerkannt werden. In den USA und Kanada ist das bereits der Fall. (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.6.2003)

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