Euro unter Hochdruck

18. Juni 2003, 10:14
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Chefökonom der Deutschen Bank ortet ein Aufwertungspotenzial von 20 Prozent

Wien - Noch 20 Prozent Aufwertungspotenzial für den Euro gegenüber dem Dollar und dem japanischen Yen sieht der Chefökonom der Deutschen Bank, Norbert Walter. Sollte der Euro bis auf 1,40 US-Dollar steigen, würde sich dies dramatisch auf den Exportsektor auswirken und die Konjunktur dämpfen, sagt Walter. Bei einem so festen Euro würde es auch eng für die Masseneinkommen: "Dann gibt es 2004 keine Lohnerhöhungen."

Als wahrscheinlichste Annahme geht Walter jedoch von einem Euro bei 1,20 Dollar aus, auch für sein optimistisch gehaltenes Szenario für die deutsche Konjunktur im nächsten Jahr. Jedenfalls werde der Euro eher bei 1,20 bleiben, als wieder unter die Parität zu fallen. Freilich seien bereits 1,20 schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure. Am Dienstag bewegte sich der Kurs zwischen 1,1860 und 1,1720 Dollar, nachdem am Montag knapp das Allzeithoch (1,1935 Dollar) verfehlt worden war.

Eine reale Deflationsgefahr sieht Walter vorerst nicht. In Europa gebe es keine Anzeichen für eine Kaufzurückhaltung in Erwartung künftig sinkender Preise. Allerdings verflache sich der Anstieg der Arbeitskosten durch eine "negative Lohndrift". Schon jetzt blieben die tatsächlichen Anstiege um einen Prozentpunkt hinter jenen zurück, die sich aus den Tarifverträgen ergeben würden. Gründe dafür seien nicht mehr bezahlte Überstunden sowie andere Streichungsmaßnahmen. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 18.6.2003)

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