Afghanistan wieder größter Opium-Produzent der Welt

18. Juni 2003, 13:57
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Kabuler Regierung hilflos - UNO über verschlechterte Sicherheitslage im Land besorgt - Anschlag auf US-Konvoi

New York - Afghanistan hat sich seit dem Sturz des fundamentalistischen Taliban-Regimes durch amerikanische Truppen nach UNO-Angaben wieder zum weltgrößten illegalen Lieferanten von Opium, dem Grundstoff für Heroin, entwickelt. Trotz aller Anstrengungen der von den USA gestützten Regierung in Kabul, die Drogenproduktion einzudämmen, seien im vergangenen Jahr in fünf schwer kontrollierbaren Provinzen rund 3400 Tonnen Opium erzeugt worden, teilte das UNO-Büro zur Bekämpfung der Drogenkriminalität (UNDOC) am Dienstag mit.

Die Übergangsregierung unter Präsident Hamid Karzai, die lediglich die Hauptstadt Kabul kontrolliert, brauche mehr internationale Hilfe, erklärte UNDOC-Direktor Antonio Maria Costa bei einem Treffen des Sicherheitsrates in New York. "Die Befreiung Afghanistans von der Drogenwirtschaft erfordert viel mehr politische Sicherheit und Kapital als gegenwärtig vorhanden", sagte er. Opium habe sich in den letzten 20 Jahren zum Hauptexportartikel der "Kriegswirtschaft" des Landes entwickelt. Unter der Taliban-Herrschaft war die Rauschgift-Produktion allerdings nach UNO-Statistiken deutlich zurückgegangen.

Warnung

Die Vereinten Nationen haben sich besorgt über die verschlechterte Sicherheitslage in Afghanistan geäußert. Die Instabilität des Landes bedrohe die Bemühungen um einen Wiederaufbau und könnte auch die bislang erzielten Fortschritte wieder zunichte machen, sagte UNO-Vize-Generalsekretär Jean-Marie Guehenno am Dienstag (Ortszeit) vor dem Weltsicherheitsrat in New York. Der Prozess des Wiederaufbaus sei mit der Vorbereitung einer Verfassung und von Wahlen in seine kritischste Phase eingetreten, fügte Guehenno hinzu, der für Frieden erhaltende Einsätze zuständig ist.

Derzeit sind rund 11.500 US-geführte Soldaten in Afghanistan im Kampf gegen El-Kaida- und Taliban-Anhänger im Einsatz. Rund um Kabul ist zudem die internationale Schutztruppe (ISAF) mit etwa 4.600 Mann stationiert. Davon stellt Deutschland, das derzeit mit den Niederlanden die ISAF-Führung innehat, 2.700 Soldaten.

Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedete eine Resolution, in der er der afghanischen Zentralregierung in Kabul seine Unterstützung im Kampf gegen Drogen zusicherte.

Anschlag

Untergrundkämpfer haben im Osten Afghanistans eine selbst gebaute Bombe gezündet und das Feuer auf einen Konvoi US-Spezialeinheiten eröffnet. Nach Angaben der US-Armee vom Mittwoch kam dabei niemand zu Schaden.

Der Konvoi habe sich am Dienstag auf einer vier Kilometer von der Stadt Asadabad in der Provinz Kunar gelegenen Straße befunden, als die Bombe beim Passieren der Fahrzeuge explodiert sei, sagte Militärsprecher Oberst Rodney Davis in Bagram. Anschließend sei der Konvoi aus dem Hinterhalt mit Handfeuerwaffen beschossen worden. Die Einheit sei sicher nach Asadabad zurückgekehrt. (APA/dpa)

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