Selbst ist der Aufseher

17. Juni 2003, 19:09
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Grüne attackieren BSO-Fördermittelkontrolle

Wien - Die neue, erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit zeigt den Sport manchmal in hartem Licht. So formulierte gestern der Sportsprecher der Grünen, Dieter Brosz, im Namen seiner Fraktion einen parlamentarischen Entschließungsantrag, demzufolge die Bundesregierung nicht länger zulassen möge, dass die geförderten Sportverbände - repräsentiert durch die Bundes-Sportorganisation (BSO) - die Verteilung und Verwendung der rund 36 Millionen Euro kontrollieren. Seit 1996 sitzen laut Vertrag zwischen BSO und Bundeskanzleramt im Kontrollausschuss je zwei Vertreter des ÖFB, des ASVÖ, der ASKÖ, der Sportunion und des Sportfachrates; zwei BKA-Vertreter dürfen beraten; der Vertreter des Finanzministeriums kommt nicht mehr.

Brosz, der von der Kontrollausschussgebarung in einer von Kanzler Schüssel unterzeichneten Anfragebeantwortung erfuhr: "Das ist demokratiepolitisch merkwürdig, wenn Empfänger und Kontrollore ident sind." Was mit einer alten Forderung des Sektionschefs Robert Pelousek korreliert, die Entscheidungsgrundlagen der Fördermittelwerbung offen zu legen. Vereine anderer Branchen (Tourismus, Gewerbe) müssen ihre Bilanz dem Subventionsgeber offen legen; Sportvereine müssen nur die Fördermittelverwendung nachweisen. Fazit: Die Wirtschaft ist ein Glashaus, der Sport ein Milchglashaus. (josko, DER STANDARD PRINTAUSGABE 18./19. 2003)

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