Wie eine ökonomische Irrlehre Europa in den Abgrund führt

16. April 2012, 22:28

Absurd, dass gerade Europa zum letzten Bollwerk des Neoliberalismus wurde

Es gibt ja so Vorurteile, jetzt nicht im Sinne von Ressentiments, wie wir sie bei den FPÖlern finden, dass alle Marrokaner stehlen und alle Moslems Bomben werfen, sondern Vorurteile im Sinne von etwas, was wir zu wissen glauben, was auch nicht ganz falsch ist, weil es einmal wahr war, aber dann falsch geworden ist. Und das dann trotzdem weiter in unserem Kopf herumspukt.

Ein solches falsches Vorurteil ist, dass in Amerika der Neoliberalismus herrscht, und wir in Europa aber dem europäischen Sozialstaatsmodell anhängen. Dass Europa also trotz allem so ein bisschen ein Bollwerk ist gegen die neoliberale Phantasieökonomie, die an amerikanischen Universitäten ausgebrütet wurde und dann von Ronald Reagan und Margaret Thatcher zu einer politischen Doktrin gemacht worden ist.

Daran ist heute alles falsch. Denn das ideologische Zentrum des Neoliberalismus ist heute längst Europa.

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Asymmetrischer Krieg gegen die nationalen Volkswirtschaften

Den letzten Satz:
"Denn das ideologische Zentrum des Neoliberalismus ist heute längst Europa."

kann man wie folgt präzisieren:

Seit Untergang des Kommunismus/Antikapitalismus in 1989 führt die entfesselte Global Finance einen asymmetrischen Krieg gegen die nationalen Volkswirtschaften. Seit Mai 2010 ist Europa mit seinen Volkswirtschaften ein Kriegsschauplatz/Epizentrum. Die Vorbereitungen sind schon vor mindestens 15 Jahren begonnen worden. Ein wichtiges Ereignis war die Einführung des Euro 2002 und dann das offizielle Downrating des schon immer bankrotten Staates Griechenland ab 03/2010 und der im Mai folgenden Aushebelung des Art.125 AEUV (No Bailout). Damit war das Finance Tool geschaffen, um an das Geld aller Euro-Staaten zu kommen.

Angriff auf die Souveränität

Der globalen Machtausbreitung der Global Finance stehen natürlich souveräne Nationalstaaten im Weg. Deshalb läuft in Europa das Projekt zur Beseitigung der nationalen Souveränitäten. Mit dem Fiskalpakt, der ja das "Königsrecht" eines demokratischen Parlaments aushebelt, soll der wichtigste Schritt getan werden in Richtung EU-Diktatur. Natürlich müssen diese Absichten verheimlicht werden. Damit die Deutschen nicht widersprechen, wird das Ganze mit "Schuldenbremse: Alle müssen sparen wie die Deutschen" vertuscht, um so den deutschen Michel einzulullen. Dass das alles Volksverdummung ist, erkennt man daran, dass Schäuble im Haushalt 2012 sich selbst nicht an seine Schuldenbremse hält.

Euro-Kapitalismus

Mal wieder eine sehr gute Analyse.

Am besten, man spricht gleich von Euro-Kapitalismus oder EU-Kapitalismus für alles, was seit Mai 2010 unter dem Etikettenschwindel "Griechenland-, Euro-Rettung und -Stabilisierung" uns Europäern angetan wird.

Vielleicht gelingt es den Franzosen durch die Wahl von Hollande noch das schlimmste zu verhindern, was Merkozy und das Neoliberale Kartell mit der ESM-Bank und dem Fiskal-Bankenrettungs-Pakt geplant haben.

Die gemeinsame Währung ist seit Verletzung des Art.125 AEUV (No Bailout) ein geniales Finance Tool, um alle Europäer in die totale Schuldknechtschaft der Global Finance zu treiben. Ganz zu schweigen von der geplanten Neoliberalen Diktatur der EUdSSR.

TEST

TEST

Ich hoffe, diese Selbstverständlichkeit der neoliberalen Ideen in Europa ändert sich dann wenigstens ein bisschen, wenn Hollande in Frankreich an der Macht ist. (Von Deutschland würde jedenfalls keine Änderung ausgehen, selbst, wenn es eine rot-grüne Koalition gäbe - dort sind die Parteien (bis auf die Linke) alle neoliberal.)

Das Modell des Sozialstaats hat gut funktioniert und die Leute waren (sogar nachgewiesen) glücklicher. Dass die Schulden jetzt steigen, kann man jedenfalls nicht einer keynesianischen Politik anrechnen, weil seit 30 Jahren sowieso nur mehr monetaristische Politik gemacht wird (in Österreich Gott sei Dank nicht so schlimm wie anderswo).

Soziale Marktwirtschaft

"... Modell des Sozialstaats hat gut funktioniert und die Leute waren (sogar nachgewiesen) glücklicher."

Man sollte besser nicht von "Sozialstaat" sprechen, weil man sonst gleich in die Schmuddelecke gestellt wird, sondern von der erfolgreichen "Sozialen Marktwirtschaft - eine Art "sozial gebändigter liberalen Marktwirtschaft", wobei Marktwirtschaft eo ipso liberale Elemente hat.

In Deutschland wurde die erfolgreiche Soziale Marktwirtschaft spätestens durch die Agenda 2010 der SPD/Grünen-Regierung durch Neoliberalismus ersetzt. Zu diesem neoliberalen Paket gehörte auch die Zulassung von Hedgefonds und die Liberalisierung des deutschen Finanzmarktes, wie es die "Soziale Partei" von Tony Blair vorgemacht hatte

Das Beispiel SPD und ihre Agenda 2010 beweist, dass spätestens das Schubladendenken nach Ideolgien wie Links, Rechts, Konservativ, Liberal, Sozial, ... überholt ist. Entscheidend sind nur die beiden Kategorien

Globaler Finanzkapitalismus -

Kein Globaler Finanzkapitalismus

Deshalb waren sich kürzlich Gabriel von der SPD und Hollande von den französischen Sozialisten fremd wie Wesen von einem anderen Stern.

Ich habe lange gebraucht mir zu merken, dass der korrupte Chef eines griechischen Milliardärclans auch der Chef der Sozialistischen Partei PASOK war.

Begabung

Wenn er doch nur bei der FP und den schrecklichen Rechten und Rechts-Rechten bleiben wuerde, doch jedes Mal, wenn er sich in Oekonomie verirrt, klingt es wie die Koenigin auf der Suche nach Schneewitchen.....

Ein verzichtbarer Kommentar des Schusters, der doch lieber ebenfalls...

Du bist wirklich gut! Als du in der Partei warst, habe ich dich - wie die meisten - vehement abgelehnt, weil du keiner von uns bist und nie sein kannst (sorry!). Trotz alledem bestichst du durch einen scharfen Intellekt, subtilen Humor und die feine Klinge, die in der Partei seit Jörgs Tod so schwer zu vermissen ist. Wahrscheinlich weil du ein in der Wolle gefärbter Roter warst (und wohl immer noch bist), weißt du genau, wo es ihnen weh tut.

Fast schade, dass du nicht dazugehören kannst. Aber ich kann halt auch nicht zum Orang Utan werden, nur weil es mir Spaß machen wuerde, in den Baeumen herumzuhopsen. We all have our limitations, haven't we?

nichts geht über die erfahrungen eines pharmazeuten in sachen ökonomie... keine frage...

"Das System fährt gegen die Wand"

Wenn die Richtung sich nicht ändert. Zurzeit geht es nur in eine Richtung, zum Staatsschuldenabbau. Das alleine ist nicht der richtige Weg. Wenn man nur das macht, fährt dieses System gegen die Wand. Das zentrale Thema einer Währungsunion ist die Inflationskonvergenz. Die läuft schief. Es müssten mehrere Dinge gleichzeitig passieren. Eurobonds, es müssen die Schattenbanken abgeschafft und die Finanzindustrie massiv reguliert werden und die EZB muss Investitionen in die Realwirtschaft finanzieren, nicht aber den Banken billiges Geld hinterher schmeißen, welches die Banken, wenn überhaupt zu überhöhten Konditionen dazu nutzen weiterhin Wetten gegen Länder zu finanzieren.

Neoliberal heißt eigentlich nichts anderes als "neu Liberal"

Was hat eigentlich links oder rechts mit Gerechtigkeit oder "neoliberal" zu tun?Fakt ist, eine Wirtschaftsunion bzw. eine Währungsunion, ist nicht dazu da, einige wenige sehr reich zu machen, und die Mehrheit arm. Aber genau das passiert in Europa. Deutschland zum Beispiel hat mit seiner Lohndumping Politik der letzten zwei Dekaden, die Wettbewerbsfähigkeit einer Länder in der EU massiv untergraben. Die Folgen für die betroffenen Länder sind verheerend. Das Volk wollte nie den Euro, die Eliten schon, warum wohl? Europa war nie gedacht als Solidargemeinschaft, sondern nur um für die Länder, dessen Export das einzigste Geschäftsmodell ist, ohne Währungsrisiken, ihre Waren zu exportieren zu Lasten der kleinen Länder. Parasitär!

Gut, dass uns ein Revolutionärer Marxist erklärt, wie die Wirtschaft funktioniert.

Bisher sind in Europa keine Millionen verhungert, wie es die Kommunisten in der Ukraine, in China in Kambotscha usw usw usw geschafft haben.

Misik fordert keine stalinistische Diktatur.

Was aber nur heißt,

dass die Führer schlecht gewesen sind. Das sagt nichts über das System als solches aus, weil unser System, der Kapitalismus weltweit mehr Menschen durch Kriege und Hunger vernichtet hat und immer noch vernichtet, als, trotz der 60 Millionen verhungerten Bauern in China, dies die Kommunisten je geschafft haben. Vielleicht liegt das ja daran, dass wir selbst im aggressivsten Kommunismus leben, der nicht erkannt wird, weil das kapitalistische System anfangs verbirgt, was erst zu spät klar wird: Es führt zu Massenarbeitslosigkeit, Naturvernichtung, Massenarmut, Hunger, Auflösung der Nation als Mittel zum Zweck, Vernichtung der Kultur als Mittel zum Zweck ... Und alles zugunsten immer weniger dafür immer reicher werdender Gruppen.

Ja Europa hat noch die Macht und die Mittel eine großzahl der Leute zu besänfitigen, da sie noch im Überfluss leben. Jedoch stellt Misik meiner Meinung nach gut dar wie die Zukunft Europas mit kleinen Schritten und miserabler neolieberaler Politik zerstört wird.

Auch sehr interesant ist die Rede von Gregor Gysi.
http://www.youtube.com/watch?v=iuRvp0ctvek

Hallo Misik, schau nach Island !

Misik sollte mal die nachweislich erfolgreiche isländische Variante studieren, die die faulen Banken pleite gehen liesen um das Volk zu retten.

für den Misik ist die staatliche Bankenrettung ein Neoliberales Konzept. Fail!

Der Vorposter will auch nicht die Banken retten.
Die bankenrettugn ist gerade ein sozialistisches Konzept.

Im Bollwerk Europa wirds nicht viel anders ausschauen

Verteilung des Einkommenszuwachses von 288 Milliarden USD in 2010

37 % an die reichsten 0,01%
56 % an die oberen 1%
7 % an UNS 99%

siehe:
http://govinthelab.com/shortform... al-income/
http://www.nytimes.com/2012/03/2... .html?_r=2

Ich spende eine Wirtschaftswoche

http://www.wiwo.de/politik/o... 16534.html

einen Paul Krugman: Europa begeht Selbstmord
http://www.nytimes.com/2012/04/1... ef=opinion
deutsche Kurzfassung:
http://www.gold-silber.biz/paul-krug... elbstmord/

und einen Jahnke
http://www.jjahnke.net/rundbr91.html#2653

sehr interessant auch der Artikel darunter: Ö hat SEHR WENIGE gesunde Jahre ab der Pensionierung
(runterscrollen)
Wir arbeiten uns zu Krüppeln

Als Gegenleistung ersuche ich, in Artikelzeile 2 das dumme "alle" vor Marokkaner wegzulöschen, das irgendein Zwölfjähriger in plumper Täuschungsabsicht hineingeschummelt hat. Danke^^

Krugman hat beides: recht und unrecht! - Fortsetzung!

Zur Aufklärung auch noch empfehlenswert: "Das Schuldenimperium" (Bill Bonner/Addison Wiggin), "Die Abzocker" (Peter Helmes), "Die Abzocker" (Till Freiberg), "Die Befehlskette" (Seymour M. Hersh), "Das Streben nach Wohlstand" (Peter Jay), "Kollaps" (Jared Diamond), "Der Rückfall" (Harold James), "Die Kreatur von Jekyll Island" (G. Edward Griffin), "Der Dollar Crash" (Ellen Hodgson Brown), "Wie Wirtschaft die Welt bewegt" (Hans Bürger/Kurt W. Rothschild), "Die Gier war grenzenlos" (Anne T.), "Dieses Mal ist alles anders" (Carmen M. Reinhart/Kenneth S. Rogoff), "Tatort Hypo Alpe Adria" (Richard Schneider), "Die großen Spekulationen der Weltgeschichte" (Peter N. Martin/Bruno Hollnagel) ...

Krugman hat beides ... Fortsetzung der Fortsetzung!

Zum Verständnis ganz, ganz wichtig: "F.I.A.S.C.O." (Frank Partnoy), "Der große Crash 1929" (John Kenneth Galbraith), "Der große Irrtum" (Roger Lowenstein), "Der schwarze Schwan" (Nassim Nicholas Taleb) ...

Den Staat zu Tode sparen könnte Deflation auslösen, außer die Banken machen was Krugman leider als Lösung sieht: Inflation auslösen. Das wäre allerdings eine absolute Schweinerei gegenüber dem Kleinsparer, der umsonst gearbeitet hätte (= staatlich angeordneter Raub an die Zentral-Bank {aha, Zentral... ist das nicht Planwirtschaft?}, eigene Fehler als Ausgleich dem Bürger abzupressen!) und noch dazu eine verlängerte Lebensarbeitszeit anzutreten hätte. In Österreich wird, nur zur Info, hinter verschlossenen Türen schon von 75 J. geredet!

Der erste Teil ist verloren gegangen. Hier der Nachtrag: Krugman ...

Die Volkswirtschaftslehre an den Unis hat keine Alternativen gefunden. Einige Volkswirte und andere kluge Leute dagegen schon: "Entmachtung der Hochfinanz" (Reiner Bischoff), "Das Märchen von guten Zins" (Klaus Popp), "Wer hat Angst vor Silvio Gesell?" (Hermann Benjes), "Die natürliche Wirtschaftsordnung" | "Die Verstaatlichung des Geldes" | "Die Reformation im Münzwesen" | "Zinsfreie Darlehen" (Silvio Gesell), "Der Mann mit den Bäumen" (Jean Giono), "Freigeld" (Klaus Rohrbach), "Regionalwährungen" (Margrit Kennedy/Bernard A. Lietaer), "Einkommen für alle" (Götz W. Werner) ...

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