Innsbruck-Wahl: Schwarz ist bunt - zu bunt

Kommentar |

Die Schwarzen sind mit einem Bauchladen voller Angebote vor die Innsbrucker Wähler getreten

Die Schwarzen sind mit einem Bauchladen voller Angebote vor die Innsbrucker Wähler getreten. Gelohnt scheint sich das nicht zu haben. Nicht für die ÖVP, nicht für die Tiroler Landeshauptstadt. Am Wahlabend zählte man die Stimmen zusammen und stellte fest: Es sind wieder weniger geworden.

Was als großer demokratischer Fortschritt gefeiert worden war, hat schlussendlich eher die Wähler verwirrt. Theoretisch klingt ja sehr gut, was in Innsbruck probiert wurde: mehr Persönlichkeitswahl, ein stärkeres Vorzugsstimmensystem und die Möglichkeit, eine Spitzenfunktion unabhängig von der Parteiliste zu wählen. So ein Stimmensplitting wird von allen Demokratiereformern empfohlen; es soll die Wahlen spannender machen.

Die Innsbrucker Erfahrung zeigt: Es macht die Wahlen nicht unbedingt attraktiver. Viele Wahlberechtigte haben sich schlicht überfordert gefühlt von den Möglichkeiten, die sich ihnen geboten haben. Überfordert waren sie auch und besonders von den Möglichkeiten, die ihnen die ÖVP geboten hat: Da gab es eine offizielle Parteiliste, eine Liste des Seniorenbunds und eine Bürgermeisterliste "Für Innsbruck". Wer soll sich da auskennen? Allenfalls die Funktionäre - denn die waren schon vor der Wahl auf bürgerliche Zusammenarbeit eingeschworen worden.

Aber jetzt kommt erst noch ein Wahlkampf für die Stichwahl. Die Schwarzen treiben es bunt. Für viele: zu bunt. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 16.4.2012)

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