Das Kreuz mit Österreich

Kirchenrebellen und neue Bischöfe: "Ich liebe dieses Land", sagte Benedikt XVI. über Österreich

Wien - Die Verbindungen, die Papst Benedikt XVI. zu Österreich unterhält, sind vielfältig und innig. In einem Brief an die Österreicher vor seinem Besuch im September 2007 formulierte es der Papst so: "Ich liebe dieses Land, das mir seit meiner Kindheit nahe ist - seit den sonntäglichen Wanderungen, die wir zu Beginn der 30er-Jahre über die Salzach-Brücke mit unserer Mutter nach Ostermiething, nach Sankt Radegund und an andere Orte auf der österreichischen Seite der Salzach gemacht haben."

Doch in jüngster Zeit sind es nicht romantische Kindheitserinnerung, die der Papst mit Österreich verbindet. Vielmehr bereitet das aufmüpfige Personal dem Papst Sorgen. In seiner Predigt bei der Chrisammesse mit 3000 Priestern in Rom am Gründonnerstag sprach Benedikt XVI. den Aufruf "einer Gruppe von Priestern in einem europäischen Land" an. Gemeint war damit die Pfarrerinitiative rund um Helmut Schüller.

"Ungehorsam ein Weg?"

"Wir wollen den Autoren dieses Appells glauben, dass sie von Sorgsamkeit für die Kirche bewogen sind, dass sie überzeugt sind, die Trägheit der Institutionen mit drastischen Mitteln in Angriff zu nehmen, um neue Wege zu öffnen. Ist Ungehorsam allerdings ein Weg?", fragte Benedikt XVI.

Mit Spannung werden in Österreich vor allem aber die nächsten Personalentscheidungen des Papstes erwartet. Drei Bischofsernennungen stehen an.

Salzburgs Erzbischof Alois Kothgasser wird am 29. Mai 75 Jahre alt und wird Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt anbieten. Bei der Suche nach seinem Nachfolger versucht Kothgasser, das Kirchenvolk einzubinden. Er befragt zumindest seine Mitarbeiter nach Wunschkandidaten. Ob seine Wahl dann in Rom Gehör finden wird, bleibt abzuwarten.

In Graz geht die Amtszeit von Egon Kapellari nun endgültig zu Ende. Sein erstes Rücktrittsgesuch war im Jänner 2011 noch abgelehnt, seine Dienstzeit um zwei Jahre verlängert worden. Das hat es im dritten Fall nicht gespielt. Elmar Fischer, umstrittener Bischof von Vorarlberg, war sofort weg - die Nachfolge ist aber noch nicht entschieden.

Mitspracherecht gewünscht

Die Kirchenreformer in Österreich stehen auf jeden Fall Gewehr bei Fuß. "Laieninitiative", "Wir sind Kirche", "Pfarrerinitiative" und "Priester ohne Amt" fordern ein Mitspracherecht bei Bischofsernennungen. Über die Website www.bischofsernennung. at werden dafür derzeit Un- terstützungserklärungen gesammelt.

Angesichts der bevorstehenden Neubesetzungen in den Diözesen machen sich die Reformer Sorgen: "Die Erfahrungen der vergangenen Jahre begründen den dringenden Verdacht, dass der Vatikan bei der Personenauswahl hauptsächlich nach dem Prinzip ,Romtreue‘ vorgeht." (Peter Mayr, Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 16.4.2012)

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