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Ist Joseph Ratzinger, wie er unmittelbar nach seiner Wahl versicherte, "nur ein bescheidener Arbeiter im Weinberg des Herrn?" Oder ist der Bayer, der am Montag, seinen 85. Geburtstag feiert, "ein verlorener Hirte in einer Welt, die ihn nicht mehr versteht", wie der Spiegel mutmaßt? Kaum einer seiner Vorgänger hat so polarisiert wie Benedikt XVI.
Dem Charisma und kraftvollen Auftreten von Vorgänger Johannes Paul II. hatte der linkisch wirkende Präfekt der Glaubenskongregation nur eine unbeholfen anmutende Herzlichkeit entgegenzusetzen. Woitylas schauspielerische Begabung, seine Überzeugungskraft und Spontanität - all das geht dem greisen Kirchenmann aus Marktl am Inn ab.
"Es ist so, als würde ihn eine unsichtbare Hand dazu drängen, ständig neue Konflikte anzuzetteln", analysiert der italienische Vatikanexperte Marco Politi. Sein US-Kollege John L. Allen pflichtet ihm bei: "Ein von Desastern bestimmtes Pontifikat."
Verpasste Gelegenheiten
Ein drastisches Urteil angesichts der Begeisterung, mit der Benedikt XVI. letzthin in Mexiko bejubelt wurde? Ratzingers ehemaliger Tübinger Kollege Hans Küng präzisiert: Dass der Papst "seine alltäglichen Pflichten gewissenhaft erfüllt", will er nicht bestreiten. Aber was "die großen Herausforderungen unserer Zeit betrifft, stellt sich sein Pontifikat als eines der verpassten Gelegenheiten heraus."
Kritiker werfen Benedikt XVI. ungeschicktes Agieren auf vielen Ebenen vor. Die rüde Islam-Schelte seiner Regensburger Rede, die Wiederaufnahme des antisemitischen Bischofs Richard Williamson, die unnütze Provozierung der Juden durch die Karfreitagsfürbitte, die endlosen Versöhnungsgesten gegenüber den erzkonservativen Pius-Brüdern, die Rückkehr zur lateinischen Messe und anfängliche Zögerlichkeiten im Missbrauchsskandal - all das ließ die Sympathien für den deutschen Papst zunehmend erlahmen und festigte den Eindruck eines intellektuellen Theologen mit wenig Führungsqualität.
Während Johannes Paul II. sein Amt mit Begeisterung und Freude annahm, empfindet es der zögerliche Bayer als Bürde, die ein gehorsamer Gottesmann zu tragen hat. Seine Worte sind liebenswert, aber selten kraftvoll. Meistens vermittelt der schlohweiße Pontifex den Eindruck eines Papstes, der sich selbst im Wege steht.
Maulwürfe im Vatikan
Ratzingers ungeschickte Personalpolitik und das Festhalten an dem als ungeeignet geltenden Staatssekretär Tarcisio Bertone führte zu einer in der Geschichte des Vatikans einmaligen Pannenserie. Wo über Jahrzehnte totale Verschwiegenheit herrschte, spielten Maulwürfe Medien plötzlich geheime Dokumente zu, ließen das unter Woityla wie geschmiert laufende Staatssekretariat unvermittelt als Schlangennest und Hort bösartiger Intrigen erscheinen.
In langen Richtigstellungen musste sich der Vatikan gegen Vorwürfe der Geldwäsche, Korruption und Unterschlagung verteidigen, drohte dem TV-Sender La7 gar mit einer Presseklage - ein Novum in der Geschichte des Kirchenstaats. Die Vati-leaks-Serie ließ eine bange Frage aufkommen: Hat der furchtsame Dogmatiker das Steuer der Kirchenführung fest in der Hand? Der deutsche Kardinal Walter Kasper sprach aus, was viele denken: In der Kurie herrsche "schlechter Stil und Mangel an Loyalität".
Der gebildete Theologe bleibt ein Mann der Worte, nicht der Taten. Das war er schon immer: "Oft erscheint uns deine Kirche wie ein sinkendes Boot, das schon voll Wasser gelaufen und ganz und gar leck ist."
Diese bittere Einsicht ängstigte Joseph Ratzinger zu Ostern 2005 - wenige Wochen vor seiner Wahl zum Papst. Dass er selbst als Steuermann des lecken Schiffes zu mutigen Entscheidungen berufen wurde, hat er bisher erfolgreich verdrängt.
Dass ihn leere Kirchen, akuter Priestermangel und wachsende Abkehr der Gläubigen in Europa weniger bewegen als weltfremde Dogmatik, beweist der oberste Glaubenswächter just in diesen Tagen. Zum Geburtstag krönt der älteste Papst seit 100 Jahren seine antikonziliare Politik mit einem willkommenen Geschenk: Eine Einigung mit den ultraorthodoxen Pius-Brüdern steht unmittelbar bevor. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 16.4.2012)
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dazu drängen, ständig neue konflikte anzuzetteln ".
dahinter steckt sicher der gehörnte, dem das zerrbild eines stellvertreters gottes auf erden mit der abschaffung des limbus puerorum (vorhölle) und damit der hoffnung auf eventuellen raschen nachschub zu sehr auf den schwanz getreten ist.
obige redewendung (überschrift) war in meiner familie sehr gebräuchlich. ein relikt aus dem 30jährigen Krieg oder so?
keine Ahnung wo genau das her ist, aber jedenfalls wars eine böse Drohung...
Mehr braucht man über den Verein eh nicht sagen...
Ratzinger versucht jedenfalls immer noch, andere katholisch zu machen (und die piusse machen das besonders brav)
Nun ist die Vorhölle weg, so einfach geht das, selbst mit Höllen.
http://www.welt.de/welt_prin... le_ab.html
http://www.youtube.com/watch?v=ZPRz_3yAH-o
Um das Thema Hölle und Fegefeuer ist es ja jetzt ziemlich still. Im Religionsunterricht wirds nicht mehr erwähnt (eh besser!), da gibt es nur den Gott, der uns alle sooo lieb hat. In der Kirche donnert der Pfarrer auch keine Schauergeschichten mehr von der Kanzel herunter. So hab ich mich als Kind beim "sündigen" nie vor der Hölle oder dem Teufel gefürchtet wie die Kinder (und auch erwachsene Katholiken) in früheren Zeiten.
Also, wie ist das jetzt wirklich mit der Hölle, liebe Katholen?
Unsereins kommt sowieso nicht in die Vorhölle.
Die ist nur für die Fälle wo es nicht ganz eindeutig ist.
Sollte sich Gott an das Kirchenrecht halten (was ja wohl das Mindeste wäre!) kommen Leute die sich aktiv von der heiligen Kirche abgewandt haben direkt in die Hölle.
stimmt.
und wie ich mich kenne, werd' ich nicht mal auf dem totenbett "zu kreuze kriechen" (was für eine passende formulierung).
wenn natürlich alles, was im katechismus steht, wahr wäre, würden wir - wie der protagonist in "Stollbergs inferno" - ziemlich dumm dreinschauen.
apropos: manchmal bedauere ich ja, dass es keine "strafende gerechtigkeit" im "jenseits" gibt, denn die fassungslosen augen all der frömmelnden heuchler würd' ich zu gerne sehen, wenn sie in den siebenten kreis der hölle verbannt würden ;o)
.
laut katholischem recht schon.
wenn Du - wie der Jedermann - noch im letzten minuterl beichtest und Deine sünden bereuend in den schoß von mutter kirche zurückkehrst, dann hilft's sehr wohl.
denen, die dran glauben (und der kirche) ;o)
Ich sehe mit großer Freude, dass Sie sich mit diesen Dingen sehr gründlich auseinandergesetzt haben, dass Sie das Wesen der Gnade besser erfasst haben als manch einer, der die Hl. Messe besucht und zur Beichte geht.
Sie sind auf dem richtigen Weg!
Im Moment sperren Sie sich noch - aber auch ein verlorenes Schaf wie Sie wird - vielleicht schon bald? - auf die Weide unter dem Heiligen Stuhl zurückkehren und sich zu den Löwen legen!
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