Sky und Deutsche Telekom vor Showdown im Poker um die Bundesliga

15. April 2012, 16:07

Telekom will sich alle Live-Rechte für TV und Internet sichern. 15 Unternehmen sind in der Endrunde.

Wenn im Milliarden-Poker um die deutschen Bundesliga-TV-Rechte die Karten aufgedeckt werden, geht es für Bezahlsender Sky wieder einmal ums Überleben. Am Dienstag veröffentlicht der Ligaverband DFL, welche Fernsehsender, Medien- oder Telefonkonzerne ab der Saison 2013/14 die Spiele der deutschen Fußball-Topliga übertragen dürfen. Doch diesmal ist der chronisch verlustreiche Pay-TV-Sender des Medienzaren Rupert Murdoch besonders bedroht: Erstmals will die Deutsche Telekom den Münchnern sämtliche Live-Rechte wegschnappen. Sie bietet für den Empfang sowohl auf dem Fernseher via Satellit, Kabel und IPTV als auch für die Übertragung auf Mobilfunkgeräte und auf Computer mit Internetanschluss.

Telekom will mehr als nur IPTV

Derzeit hält Sky das Gros der Senderechte und zahlt dafür im Schnitt 250 Millionen Euro pro Saison. Die Telekom gab sich bisher mit den IPTV-Lizenzen - TV auf Basis des Internetprotokolls - für ihr Angebot Entertain zufrieden, das Kunden auf Fernsehgeräten empfangen können. Das soll sich nun ändern, Telekom-Chef Rene Obermann hat den Fußball zur Chefsache gemacht. Was bisher dem Pay-TV-Sender Sky den Kundenstamm und damit die Existenz sichert, soll nach Obermanns Willen künftig als prestigeträchtiges Zusatzgeschäft die Angebote der Telekom schmücken.

Branchenexperten zufolge kann Sky es sich nicht leisten, von den Bonnern geschlagen zu werden. "Sky wird finanziell bis an seine Grenzen gehen, letztendlich aber den Zuschlag erhalten", sagt Frank Neumann, Analyst beim Bankhaus Lampe. Dafür müsse der TV-Konzern aber wahrscheinlich noch tiefer in die Taschen greifen. Die Übertragungsrechte für die Saison ab Sommer 2013 dürften Sky rund 300 Millionen Euro kosten, danach dürfte der Preis pro Spielzeit um 25 Millionen Euro steigen. Die DFL vergibt die Rechte für vier Spielzeiten bis 2017.

Sky droht Abwanderung von Kunden

Wenn Sky die Rechte verliert, dürften sich binnen zwölf Monaten 800.000 der gut drei Millionen Abonnenten aus dem Staub machen, erwartet UBS-Analyst Polo Tang. Die im Nebenwerteindex MDax notierte Sky-Aktie dürfte dann um mehr als die Hälfte auf 44 Cent absacken - derzeit kostet ein Titel knapp zwei Euro. Ähnliches geschah bereits Mitte des vergangenen Jahrzehnts, als die Unitymedia -Tochter Arena überraschend dem damals noch unter dem Namen Premiere firmierenden Unternehmen die Bundesliga-Rechte abluchste. Die Premiere-Aktie brach um die Hälfte ein, und das Unternehmen erholte sich jahrelang nicht von dem Tiefschlag.

Darf die Telekom überhaupt?

Die Fußball-Offensive der Telekom lässt bei Sky deshalb die Alarmglocken schrillen. Die Münchner ärgern sich vor allem darüber, dass sie gegen einen Konzern antreten, der zu mehr als 30 Prozent dem Staat gehört. Sky und Medienwächter zweifeln, ob die Telekom überhaupt noch größer ins Fernsehgeschäft einsteigen darf. Als Unternehmen mit Staatsanteil dürfe der ehemalige Telefonmonopolist nämlich aus verfassungsrechtlichen Gründen gar kein Fernsehen ausstrahlen, so das Argument. Der Dax-Konzern sieht das anders und verweist auf das Modell, mit dem er derzeit IPTV betreibt. Die Telekom besitzt die Fußball-Rechte für diese Übertragungsart seit Jahren, nutzt sie aber nicht selbst, sondern hat den Sendebetrieb an den privaten Anbieter Constantin Medien abgegeben. Die zuständigen Medienbehörden haben das abgenickt.

15 Unternehmen sind in der Endrunde

Bislang ist die Verteilung der Bundesligarechte übersichtlich: Neben Sky überweisen vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender viel Geld an die DFL. Für Zusammenfassungen der Spiele in der "Sportschau" und den dritten Programmen zahlt die ARD 100 Millionen Euro und das ZDF ("Aktuelles Sportstudio") weitere 20 Millionen Euro. Die Telekom legt pro Spielzeit 25 Millionen Euro und der Spartensender Sport1 für die Rechte an der 2. Bundesliga zehn Millionen Euro auf den Tisch. ARD und ZDF sind auch dieses Mal wieder dabei, ebenso Privatfernsehsender, der Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland und Medienberichten zufolge auch der Axel-Springer -Verlag. Insgesamt 15 Unternehmen haben sich für die Endrunde qualifiziert. Im Schnitt nimmt die DFL derzeit für die TV-Rechte in Deutschland 412 Millionen Euro pro Spielzeit ein. (APA, 15.04.2012)

was passiert mit sky und den kunden, wenn die telekom die rechte kriegt

wenn der kunde in einem 2 jahres vertrag steckt und sky plötzlich mangels rechte nicht in der lage ist, die bezahlte leistung zu liefern (und wenn das sommer 2013 ist, kann das passieren).

meinem rechtsverständnis zufolge wäre der kunde zumindest berechtigt, die zusätzlich anfallenden kosten für einen telekom anschluss bei sky in rechnung zu stellen, da sky seiner lieferverpflichtung nicht nachkommt (wie auch).

wenns jetzt dann noch mehr kostet

gibts dann noch mehr werbung auf dem "werbefreien" abosender sky?

jetzt wird ja schon vor dem spiel 5 minuten werbung gebracht, in der halbzeitpause 10 minuten, nach dem spiel 5 minuten - alle 2 minuten flitzt ein werbebanner von firma xy oben oder unten kurz ins bild, bei der konferenz wird jedes umschalten zu einem anderen spiel von einem ins bild flitzenden toasterschnitzel begleitet....

und das wird dann als werbefreies fernsehen angepriesen.

Eine Frage:

Wärs im Sinne der Konkurrenz nicht sinnvoller die Lizenz an mehrere Broadcaster zu verkaufen? Dann hätte der Kunde die Möglichkeit sich das Programm auszusuchen das am ehesten seinen Bedürfnissen entspricht. Was würde dagegen sprechen?

Und wovon genau redest Du da?

Du meinst die gleichen Spiele als Pay-per-view für mehrere Anbieter? Das wird's mit Sicherheit niemals spielen.

Aufgeteilt wird sowieso werden: Telekom alles übers Netz, SKY für TV.

Aber beide Alles ist nicht durchführbar. Schon alleine deshalb, weil keiner für den Anderen produzieren würde. Pay-per-view muß auch Exklusivität heißen, deshalb EIN Pay-per-view-Sender und einer mit Einzelspielen (ab und zu).

Telekom kriegt die Liga niemals, zumindest nicht bei dieser Ausschreibung.

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