Schwere Taliban-Angriffe in Kabul

15. April 2012, 15:51

Parlament sowie Botschaften der USA, Großbritanniens und Deutschlands betroffen - "Frühjahrsoffensive" der Taliban

Kabul - Eine Serie von koordinierten Angriffen radikaler Islamisten hat am Sonntag die afghanische Hauptstadt Kabul und den Osten des Landes erschüttert. In Kabul waren laut übereinstimmenden Angaben unter anderem die Botschaften der USA, Großbritanniens und Deutschlands im Diplomatenviertel sowie das Parlament betroffen. In der östlichen Stadt Jalalabad wurde der Flughafen angegriffen, wo sich auch ein NATO-Stützpunkt befindet.

AFP-Korrespondenten zufolge waren in der Nähe der US-Botschaft schwere Explosionen und Schüsse zu hören. Die Botschaft löste Alarm aus und forderte ihre Mitarbeiter auf, sich in Sicherheit zu bringen. Ein Sprecher sagte später, die diplomatische Vertretung sei geschlossen worden. Alle Mitarbeiter seien unverletzt in Sicherheit gebracht worden.

Auch deutsche Botschaft betroffen

Von den Angriffen im Diplomatenviertel von Kabul sei auch die deutsche Botschaft betroffen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Es gebe "kleinere Sachbeschädigungen" auf deren Gelände. "Nach bisherigen Erkenntnissen" sei aber niemand zu Schaden gekommen, gab die Sprecherin an.

Österreich hat keine eigene Botschaft in Kabul. Afghanistan wird von der österreichischen Botschaft in Pakistan mitbetreut.

Mehrere Kämpfer versuchten nach offiziellen Angaben zudem, in das Parlament einzudringen, seien aber von Sicherheitskräften überwältigt worden. Laut Polizei wurde auch der neunte Stadtbezirk im Süden Kabuls Ziel der Attacken. Augenzeugen zufolge stürmten Angreifer zudem das neue Hotel Kabul Star nahe des UN-Büros, einer US-Militärbasis sowie des Präsidentenpalasts und setzten es in Flammen.

Abgeordnete erwiderten Feuer

Die Polizei teilte mit, ein Angreifer sei getötet worden, als Einsatzkräfte gegen Aufständische vorgingen, die sich in einem Gebäude neben dem Parlament verschanzt hatten. Demnach hielten sich bewaffnete Kämpfer auch in anderen höheren Gebäuden versteckt. Auch einige Parlamentsabgeordnete hätten an der Seite von Polizisten und Soldaten das Feuer gegen die Aufständischen eigenhändig erwidert, sagte der Parlamentarier Mohammed Naeem Lalai der Nachrichtenagentur AFP. Gemeinsam schossen sie demnach auf Angreifer, die sich nach dem gescheiterten Versuch, das Parlament zu stürmen, in einem Haus in der Nachbarschaft verschanzten.

Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für die Angriffsserie und teilten mit, an den Attacken seien "viele Selbstmordattentäter" beteiligt. Ein Sprecher sagte AFP, es handle sich um den "Beginn der Frühjahrsoffensive". Die Taliban wollten damit unter Beweis stellen, dass sie entgegen mancher Behauptungen kampffähig seien.

Angriff auf Flughafen Jalalabad

Im Osten Afghanistans wurden laut Polizei mehrere Menschen verletzt, als sich zwei Selbstmordattentäter am Flughafen von Jalalabad in die Luft sprengten. Zwei weitere mit Sprengstoff ausgerüstete Angreifer seien verletzt festgenommen worden. In der östlichen Stadt Gardes griffen mehrere Aufständische nach Behördenangaben ein Ausbildungslager der Polizei an und töteten vier Zivilisten.

Die US-Botschaft war zuletzt Ende September Ziel eines Angriffs gewesen. Bei einer Schießerei starben damals ein US-Bürger und der Angreifer. Zwei Wochen zuvor hatten Aufständische einen Großangriff auf das Diplomatenviertel in Kabul verübt. Bei der rund 19 Stunden dauernden koordinierten Attacke wurden mindestens 14 Afghanen getötet.

Vor der Angriffsserie vom Sonntag teilten die afghanischen Behörden mit, binnen eines Tages seien etwa hundert Taliban getötet, verletzt oder festgenommen worden. Den Angaben zufolge geschah dies in einer zwischen den afghanischen Sicherheitskräften und der in Afghanistan stationierten NATO-Truppe ISAF abgestimmten Aktion.

Österreich hat keine eigene Botschaft in Kabul. Afghanistan wird von der österreichischen Botschaft in Pakistan mitbetreut.

Sorge über Abzug

Im vergangenen Jahr hatten die Aufständischen am Hindukusch zu Frühlingsbeginn ihre Offensive gegen ausländische und einheimische Soldaten deutlich verschärft. Ein NATO-Sprecher sagte vor einigen Tagen, in diesem Jahr gebe es dafür bisher keine Anzeichen. Stattdessen setzten die Aufständischen eher auf einzelne kleinere Anschläge auf Militäreinheiten und Armeestützpunkte. Die Angriffswelle dürfte die Sorgen über den geplanten Abzug der ausländischen Kampftruppen bis 2014 verstärken. (APA, 15.4.2012)

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in diese region wird seit über hundert jahren hineingepfuscht aufgrund geostrategischer überlegungen

und ich soll ein konzept aus dem hut zaubern, welches nicht einmal unsere "denk"panzer vorweisen koennen?

halten wird man afghanistan in the long run nicht koennen, der kampf um die herzen der menschen dort wurde nie ernsthaft geführt.

der gedanke, man koenne jedem staat ein zentralistisches demokratisches kleid überstülpen, dürfte wenigstens obsolet geworden sein, wenn die panzer, die da fürs denken bezahlt werden, denn wirklich zu denken vermoegen.

die folgen von über 10 jahren verfehlter besatzungspolitik lassen sich nicht in einigen monaten wegwischen.

man hätte die herzen der menschen gewinnen müssen.

dafür ist es nun zu spät.

das land wird wohl leider wieder in bürgerkrieg versinken.

Hm, war nur an ihrer Meinung interessiert.

Die "Denk"-Panzer arbeiten nun mal leider nicht an Konzepten FÜR Afganistan sondern für ihre Auftraggeber.

die denkpanzer hätten aber eben an einem konzept für afghanistan arbeiten müssen

um ihre auftraggeber wirklich zufrieden stellen.

denken sie eben an deutschland und oesterreich nach dem letzten weltkrieg.

man hat ein wirtschaftliches konzept gehabt und die herzen der menschen erobert...

Ein großes Problem dabei ist ja,

daß heutzutage die allerwichtigste Frage "wie gewinnen wir die nächsten Wahlen" bzw. effektiv "wie stelle ich meine Geldgeber zufrieden" eine absolute Prämisse darstellen, die alles überlagern.
Diese überaus logischen Zusammenhänge die sie ansprechen und die nötig (gewesen) wären um den Menschen in Afganistan zu helfen haben da keinen Platz bzw. kommen keinesfalls an erster Stelle.
Wenn dem aber nicht so ist, ist die ganze Angelegenheit von vorne herein vollkommen sinnlos.
Vielleicht war nach WW2 der Schock und das Leiden
groß genug um an nachhaltigen Lösungen interessiert zu sein, so fürchterlich das klingt.

Trauen sie irgendeiner machthabenden Partei/Land zu in Sachen Afganistan wirklich an der dortige Bevölkerung interessiert zu sein?

wenn die isaf draußen ist, wird es zum bürgerkrieg kommen, den hws die taliban gewinnen dürften.

man hat jegliche chance verspielt dem religioesen fundamentalismus den nährboden zu nehmen.

die (unabsichtliche?) koranverbrennung hat ihr übriges getan.

Dann können die Afghanen
wieder selbst über die Politik in Afghanistan entscheiden.
.... Auch wenn diese Politik nicht den mediengeschulten Vorstellungen der US Amerikaner und Europäer entsprechen wird

Richtig, dann können sie sich wieder gegenseitig abschlachten und müssen sich nicht auch noch um fremde Soldaten kümmern. Bürgerkrieg Runde 5 (oder 6). Der Westen (und auch das Dorum hier) wir das Land schnell vergessen und die Toten werden nur noch auf den hintern Blättern zu finden sein (so wie in den 90er). Egal was passiert die Afgansen verliehren und einige im fernen Europa jubel dabei noch!

Ein wenig Realismus :
Tote forderte zuerst die
russische Invasion
dann die US/englisch/deutsche .. Invasion .

Die Kolonialisten übersehen die duch ihre militärischen Angriffe verursachten Toten konsequent .

Den bei weitem höchsten Blutzoll
verursachen diese gerne als
Humane Interventionen getarnten Kriege

Zum Realismus: Die blutigste Zeit in Afganistan war zwischen 1990 und ca 1997. Wo weder Amis noch Russen vor Ort waren.

Tet-Offensive?

Wenn dann haben die Taliban die Geschichte der Tet Offeinsive nicht richtig gelesen oder verstanden. Was sich auch in ihrem "Erfolg" zeigt.

tolles Foto

Kampf gegen kapitalistische Hamburger Invasoren ;-)

Dort steht "...n kabab", oben das wort in rot links.

Alles andere ist eine zuschreibung. Taliban sind die wohl schlechtest moegliche alternative fuer dieses land.

Wieso hat man dan bloß genau diese Extremisten gegen die Russen unterstützt?

Aber genauso könnze man fragen, warum man heute das fundamentalistische Saudi-Arabien unterstützt.
Es passt halt geopolitisch.

Desshalb weil Sie von Geschichte offen sichlich keine Ahnung haben!

Dann erklären Sie's uns bitte!

Die Taliban sind erst 1993 gegründet worden, da gab es keine Russen mehr im Land. (die im Übrigen nur die völkerrechtlich legitimierte Regierung auf deren Ersuchen unterstützt haben)
Im Gegenteil, die Mujahideen sind sogar zu einem großen Teil in der UID (später: Nordallianz) aufgegangen. Wenn die heute mit den Taliban gleichgesetzt werden, dann ist das die Folge von Michael Moore Propaganda und totaler Volksverblödung

Na die Amis Bauen 1993 eine Gruppe(die taliban) auf um die Russen in 80er Jahren in Afganistan zu bekämpfen Hmm es ist bekannt das die taliban Afganistan ins Mittealter führen wollen, aber ich hielt ihre tatsächlichen Zeitreisefähigkeiten dennoch nicht für so groß.
Nebenbei due USA fianzierte und unterstütze vor allem jene Gruppen die dann später die Noralianz also die Totfeinde der Taliban stellte und aus deren Reihen zumindest Teile der jetzigen Führungsliga Afganistans stammten. Soviel zur Geschichsstunde für heute!

Danke für die Info, aber inwieweit widerspricht das dem Posting von Bertel Mann ("...warum man heute das fundamentalistische Saudi-Arabien unterstützt.
Es passt halt geopolitisch.") ? Früher war es für die USA passend, die Taliban zu unterstützen, dann wiederum war die Nord-Alianz ein passenderer Verbündeter, heute ist es praktisch, Saudi-Arabien zu unterstützen (weil die das begehrte Öl haben), etc. Es geht doch nie wirklich um die "Ideologie" dahinter sondern um wirtschaftliche (oder von mir aus auch geopolitische) Interessen.

vor allem geht es hier um geopolitische interessen

und die negiert der herr ganz einfach.

weshalb die imperien immer und immer wieder in afghanistan einmarschieren und sich die zähne ausbeißen hat natürlich nichts damit zu tun, dass das land eine wichtige schaltstelle zentralasiens ist.

als die briten sich dort versuchten, nannte man es the great game.

die beherrschung eurasiens ist die grundvorraussetzung für die beherrschung der welt.

http://www.amazon.com/The-Grand... 0465027261

der herr, der für obama geostrategisch denkt.

und auch bushs denkpanzer pnac dachte schon vor 9/11 eine invasion afghanistans an...

negiert er auch.

es geht ja um osama und die 19 teppichmesser saudis...

Die Briten sind in Afghanistan nicht militärisch gescheitert, sondern haben das Land als Puffer gegenüber den Russen gegründet/benutzt. (Nicht vergessen sollte man auch, dass der Großteil der Pashtunen ja in Pakistan lebt)

Die Nordallianz hat in der Tat schon lange vor 911 um Unterstützung gegen die Angriffe gebeten. Haben die westlichen Medien aber ignoriert. Und wer die verschiedenen Mujahideen Fraktionen (manche von Pakistan/Saudi Arabien, andere vom iran unterstützt)mit den sog. "Taliban" gleichgesetzt, ist überhaupt völlig ahnungslos.

a) die mujahideen habe ich nicht mit den taliban gleichgesetzt.

b) bin ich mir bewusst dass das stammesgebiet der paschtunen grenzübergreifend ist
c) wurden die briten militärisch ausgespuckt.
d) koennen sie in "project for a new american century", welches vor 9/11 von diversen g.w. bush beratern verfasst wurde, dass eine invasion in afghanistan angedacht wurde. man benoetige halt "a new pearl habor".

womit er aber recht hat ist, dass die taliban nicht von den usa installiert wurden.

der religioesen fundamentalismus in afghanistan hingegen wurde sehr wohl gefoerdert.

der soldat versteckt dich hinter den Hamburger...

Der fotograf hat sicher auf diesen punkt gebracht.

Halal

Das ist ein Halalburger, nichts westliches.

nein, der Soldat auf dem Foto verteidigt die westliche Werte am Hindukusch!

so und nicht anders hatte es der Fotograf gemeint

Die Tage der US-Marionette Karzai sind gezählt!

ja

dann kommen endlich wieder die Steiniger und Denkmalsprenger an die Macht! Hurra! Darauf haben die Afghanen sicher gewartet!

spitzenfoto

Vor allem der Hamburger.

nicht hamburger

es nennt sich in der gegend "talibaner mit käse und mohn."

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