Wer ist der Bessere im ganzen Land?

Die Dauer-Debatte um aktive und passive Strategien ist mit der aktiven Antwort auf ETFs um einen Schritt weiter

Es ist die Gretchenfrage bei der Auswahl von Fonds: Aktiv oder Passiv? Während ein Gros der Anleger auf aktive Fonds setzt und hofft, dass sich das Mehr an Gebühren für den Manager auch in ein Mehr an Ertrag übersetzt, ist es die Branche der passiven Fonds, die hohes Wachstum verzeichnen kann.

Niedrige Kosten machen bebliebt

Laut den aktuellen Daten des Branchenprimus iShares werden aktuell 920 Milliarden Euro in börsengehandelten Fonds (ETFs) mit Aktienfokus investiert, mehr als doppelt so viel wie 2008. Diese Vehikel investieren lediglich passiv in einen festgelegten Index wie den ATX oder den Dax. Aktive Wetten, die höhere Renditen versprechen? Absicherung bei Krisen? Fehlanzeige. Doch die niedrigen Kosten für passive Fonds haben sie bei vielen Investoren beliebt gemacht. "Mehr professionelle Fondsinvestoren als jemals zuvor ziehen passive Fonds ernsthaft in Erwägung", weiß Ed Moisson. Er ist der Leiter der Research-Abteilung von Fondsdienstleister Lipper in Großbritannien.

Denn langfristig schafften es nur wenige Fondsmanager auch tatsächlich Mehrertrag zu generieren. Das hat etwa die jüngst veröffentlichte jährliche Studie der Fondsanalysten von S&P für die USA gezeigt (S&P Indices versus Active Funds). Über die vergangenen fünf Jahre sind demnach 62 Prozent aller Fondsmanager hinter ihrer Benchmark zurückgeblieben. Eine ähnliche Studie, die Moisson für Lipper durchgeführt hat, kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, wonach 40 Prozent aller europäischen aktiven Fonds den Markt schlagen können. Dabei ist das Duell zwischen aktiven und passiven Fonds zumindest dem Volumen nach noch ein Kampf zwischen David und Goliath, glaubt Ed Moisson. "Index Tracker und ETFs machen bei Aktienmandaten in Europa weniger als 20 Prozent aus, die Branche hat noch einen weiten Weg vor sich."

Eine Frage der Überzeugung

"Das Wachstum der ETFs hat aber auch Folgen für die aktiven Fondsmanager", sagt Moisson. So haben einige Fondsgesellschaften angefangen, aktive Fonds mit niedrigen Kosten anzubieten. Zuletzt hat etwa das Anleihen-Haus Pimco einen ETF auf das Fonds-Flaggschiff des Hauses, den Total Return Fund, aufgelegt. Gleichzeitig gehen einige Häuser den gegengesetzten Weg. Sie setzen auf aktiveres Management.

Sie folgen damit der jüngsten Forschung. Martijn Cremers, Professor an der Yale University, hat die Kennzahl des "Active Share" populär gemacht. Die Kennzahl gibt vereinfacht gesagt an, welcher Anteil eines Fonds aktiv ist, also vom Index abweicht. In der Vergangenheit sind die aktivsten Strategien (zwischen 80 und 100 Prozent) deutlich zurückgegangen, hingegen weichen immer weniger Manager vom Index ab (siehe Grafik).

Beste Ideen und viel Überzeugung

Das wollen nun einige Investmentgesellschaften ändern. So versucht etwa der internationale Finanzdienstleister Skandia mit seinem "Best Ideas" Konzept einen aktiveren Weg zu gehen. Für den Fonds ist Lee Freeman-Shor verantwortlich. Doch er sucht die Aktien, die in das Vehikel kommen, nicht selbst aus, sondern hat zehn Fondsmanager aus Europa für das Portfolio ausgewählt. Einzige Bedingung: diese dürfen nur ihre "besten Ideen" umsetzen, jene fünf bis zehn Aktien, von denen sie wirklich überzeugt sind.

Das Zauberwort ist dabei die "Conviction", also Überzeugung. So haben auch andere Fondsgesellschaften angefangen, ihren Portfoliomanagern größere Freiheit zu lassen. Statt einen Fonds mit 100 Titeln aus dem europäischen Aktienmarkt anzubieten, sind es nur noch 30-40 Aktien, die ein Manager kauft. Je weniger Titel im Portfolio sind, desto weiter kann sich der Fonds auch von dem Vergleichsindex weg bewegen. Oder, wie Freeman-Shor sagt: "Fondsmanager lieben immer nur eine Handvoll Aktien, genau die will man doch eigentlich selbst im Portfolio haben." (Lukas Sustala, derStandard.at, 15.4.2012)

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