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Innsbruck - Der Wahlkampf zur bevorstehenden Innsbrucker Gemeinderatswahl am Sonntag hat einen Tag vor dem Urnengang einem SP-Bürgermeister aus dem Bezirk Innsbruck-Land die Parteimitgliedschaft gekostet. Der Ortschef von Natters, Stefan Moisi, hatte nämlich die amtierende Bürgermeisterin und Spitzenkandidatin der VP-nahen Bürgerbewegung "Für Innsbruck" (FI), Christine Oppitz-Plörer, unterstützt, weil er sie "für eine gute Wahl" halte, berichtete "ORF Radio Tirol" am Samstag. Nach einer Schelte will er aus der Partei austreten.
Die Zurechtweisung aus den eigenen Reihen ließ nicht lange auf sich warten. Per SMS machte SP-Stadtparteivorsitzender Ernst Pechlaner seinem Unmut Luft: "Sorry, aber sag mal, geht's dir schon noch gut?", zitierte der ORF die Mitteilung an den Parteikollegen. "Der Frau Bürgermeisterin die Mauer zu machen und Lobeshymnen zu singen. (...) Aber uns, warum auch immer, in den Rücken zu fallen mit deiner Lobhudelei hat Empörung in der Innsbrucker SPÖ ausgelöst. (...) Es geht um jede Stimme für uns und da sind Beiträge wie deine besonders hilfreich. (...)", heiße es in der SMS von Pechlaner an Moisi weiter.
Der Natterer Bürgermeister zeigte sich darüber "persönlich ziemlich enttäuscht" und kündigte an, aus der SPÖ auszutreten. Es sei traurig, dass auf einem derartigen Niveau gearbeitet werde. Oppitz-Plörer habe er unterstützt, weil er sie für eine gute Bürgermeisterin halte.
"Nie etwas anderes gesagt"
Für den Natterer Ortschef, Stefan Moisi, sei die Entscheidung nicht lustig und damit kein Spaß gewesen. "Dass man aus der Partei austritt, tut man nicht aus Jux und Tollerei", erklärte er. Er sei bei der Bürgermeisterwahl 2010 von 53 Prozent der Natterer gewählt worden, weil er als Mensch die Fähigkeit besitze und man es ihm zutraue, dieses Amt auszuführen. "Und das traue ich auch Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck, Anm.) in Innsbruck zu", verglich Moisi, "ich habe nie etwas anderes gesagt."
Er habe mit der amtierenden Bürgermeisterin und Spitzenkandidatin der VP-nahen Bürgerbewegung "sehr intensiv und in engster Kooperation zusammengearbeitet", führte er aus und wies dabei auf das Vorhaben eines neuen Altersheimes in Natters hin. "Hier wird vernünftige Arbeit geleistet", zeigte er sich überzeugt.
Auf der Homepage von "Für Innsbruck" gab Moisi zudem folgende Bürgermeinung ab: "Ich habe Frau Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer als Politikerin kennengelernt, die ihren Mitmenschen zuhört, sich dann eine Meinung bildet und zu dieser auch steht. Als Bürgermeisterkollege schätze ich ihren Fleiß, ihr Fachwissen und ihre Durchsetzungskraft. Neben ihrer Hingabe zu Innsbruck und seinen Einwohnern zeichnet sie aber auch ihr Einsatz für gemeindeübergreifende und kosteneffiziente Projekte aus. Ich bin davon überzeugt, dass die sehr menschliche Powerfrau Christine Oppitz-Plörer auch in den nächsten sechs Jahren die Geschicke der Stadt Innsbruck als Bürgermeisterin leiten wird."
Die Ortsorganisation in Natters werde sich laut Moisi nun "selbstverständlich auflösen". Er habe nicht nur von Parteikollegen Rückendeckung für seinen Schritt erhalten, sondern auch von seinem Vater. Dieser sei über 40 Jahre Mitglied der SPÖ gewesen und werde nach dem Vorfall ebenso aus der Partei austreten. Er sei stolz, dass er dabei gewesen sei, meinte er abschließend. (APA, 14.4.2012)
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Es ist ein Riesenproblem, dass in den Parteien viel Arbeit und Energie verpufft, weil man durch Clubzwang etc. eine Leistung des polit. Gegners einfach nicht anerkennen KANN und DARF und man vielmehr damit beschäftigt ist, ihm eins auszuwischen, nur, weil man einer best. Gesinnung angehört. Von diesen sinnlosen Hick-Hacks und Kleinlichkeiten ist ja ununterbrochen zu lesen. Wen wundern da Politikverdrossenheit und stetig sinkende Wahlbeteiligungen noch, wenn deshalb nichts weitergeht?
Im konkreten Fall finde ich zwar auch, dass Fr. Oppitz-Plörer dem falschen Verein angehört, denke aber dennoch, dass sie eine unterstützenswerte Person ist, die ihren Job gut macht. Und das, obwohl ich von Politikern generell keine allzu gute Meinung habe..
mittelfristig werden immer mehr anlass- oder themenbezogene interessensvereinigungen die politische Landschaft dominieren, die klassischen Parteien werden nur noch Gruppierungen unter vielen sein.
wenn man sich die Performance der klassischen Parteien so anschaut, ist das auch gut so. was die zustande bringen, werden auch engagierte bürger, die nur für ein paar jahre in der Politik arbeiten wollen, vielleicht auch nur auf einen themenbereich spezialisiert, zusammenbringen
Wenn Moisi recht hätte, dann hätte sich die SPÖ Innsbruck gleich den Wahlkampf sparen und auf eine Kandidatur verzichten können. Ohne die Verhältnisse wirklich zu kennen, vermute ich aber, dass Pechlaner inhaltlich recht hat.
PS: Wenn Moisi wenigstens bis zur Stichwahl gewartet hätte. In diesem Fall hätte ihm wohl niemand einen Vorwurf gemacht.
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