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Ministerpräsident Abdelilah Benkirane will das Fernsehprogramm in Marokko ändern.
Marokko bekommt ein Halal-Fernsehen. Was das ist? Das arabische Wort "halal" steht für religiös korrekt, für im Einklang mit den Lehren des Koran. Das Gegenteil ist "haram" - Sünde, vom Koran verboten. Ab 1. Mai sollen die beiden öffentlichen TV-Sender Marokkos den Werten der Religion angepasst werden. Oder besser dem, was die islamistische Regierung unter Ministerpräsident Abdelilah Benkirane darunter versteht.
Sein Kommunikationsminister Mustapha El Khalfi hat eine Reformpaket vorgelegt, das Werbung für Glücksspiel verbietet und religiöse Programme zur Pflicht macht. Künftig wird das öffentliche TV fünf mal am Tag die Gläubigen zum Gebet rufen. Außerdem wird das Fernsehen zunehmend arabisiert. Die französische Sprache, die in Marokko, wie im übrigen Nordafrika auch, noch immer einen wichtigen Platz einnimmt, soll aus dem Fernsehen nach und nach verdrängt werden.
Sportminister fürchtet um Einnahmen
Kritik kommt gleich von mehreren Seiten. Allen voran der Sportminister Mohamed Ouzzine. Er fürchtet um Einnahmen für den Breitensport. Denn die Glücksspiele um die es geht sind Sportwetten der staatlichen Wettagentur. Alleine in diesem Jahr ist vorgesehen, dass die Wettagentur umgerechnet 11,6 Millionen Euro für die Forderung des Breitensports zur Verfügung stellt. Viel Geld im armen Marokko. "Es geht nicht um halal oder haram. Die große Anzahl Jugendlicher in der Arbeitslosigkeit und dass sie nicht einmal einen Sportplatz haben, ist die eigentliche Sünde", beschwert sich der Sportminister.
Viele fürchten um die Qualität des Fernsehens. Dank der Arabisierung werden Programme, die aus Frankreich kommen, künftig weniger gezeigt. Und das Werbeverbot reißt ein Loch von 27 Millionen Euro in die Kasse des Senders. "Das ist ein Zugeständnis an die islamistischen Parteigänger und keine Maßnahme, um das Fernsehen zu verbessern", beschwert sich ein ehemaliger Vorsitzende des Aufsichtsrates der öffentlichen Sendeanstalt.
Auch das Nachrichtenmagazin TelQuel beschwert sich über Khalfis Politik. "Halal-Minister" titelt das kritische, frankophone Blatt und beschwert sich über die Vermengung von Religion und Politik. "Nein zu El Khalfi zu sagen ist gleichbedeutend mit einem Ja zu haram. Das traut sich selbst der König nicht."
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