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17. Juni 2003, 19:44
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Nachbericht zur Altmeisterauktion im Wiener Dorotheum

Mit einer Verkaufsquote von 46 Prozent und einem Gesamtergebnis von knapp einer Million Euro reüssierte die mit etwas mehr als 460 Positionen schlanker bestückte Sommerauktion in der Sektion Alter Meister durchaus ergiebig.

Ein eher dünn besiedelter Auktionssaal lässt heutzutage eben keine Rückschlüsse auf Umsätze zu. Der Anteil an Telefonbietern ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. In Anbetracht des weltweiten Auktions- und Messemarathons greifen auch europäische Kunden mittlerweile zu 40 Prozent zum Hörer.

Der Star des Tages stand am 11. Juni bereits zehn Minuten nach Auktionsbeginn fest: ein nach Katalogschluss, zwei Wochen vor Beginn der Schaustellung eingebrachtes mythologisches Bild aus dem Umkreis von Peter Paul Rubens (1577-1640).

Das auf 20.000 bis 30.000 Euro taxierte Gemälde dürfte auf ein verschollenes Original von Rubens zurückgehen und ist vermutlich das Gegenstück zu Minerva verteidigt den Frieden von Mars, das sich heute in der Alten Pinakothek in München befindet. Minerva führt Mars und Venus zusammen wechselte via Sensal für 45.000 Euro - und damit dem höchsten Zuschlag - den Besitzer.

Derartige Maklerleistung nahmen auch die verdeckten Käufer eines in der Werkstatt des venezianischen Malers Giovanni Antonio Pellegrini (1675-1741) entstandenen Motivs der Rebekka am Brun- nen (5000-8000) bis zu 20.000 Euro sowie das Quentin Massys (1466-1530) zugeschriebene Bildnis einer alten Frau (6000-10.000) bis zu 18.000 Euro weit jenseits der angesetzten Taxen in Anspruch. Alle höheren Preise für diese qualitativ hochwertige Mittelware wurden von ausländischer Klientel berappt. Für ein Vielfaches der angesetzten Taxe wechselte bei 26.000 Euro ein Stillleben mit Weintrauben aus dem Umkreis Abraham Brueghels (1631-1697) nach Italien.

Der endgültige Zuschlag für ein aus dem 17. Jahrhundert stammendes Marinesujet eines portugiesischen und eines niederländischen Dreimasters bei ruhiger See ankernd von Jan van Leyden fiel bei 20.000 Euro im Bereich der Erwartungen zugunsten eines Bieters aus der Schweiz.

Die aus österreichischem Privatbesitz stammende, ziemlich restaurierungsbedürftige Fröhliche Gesellschaft vor einem Wirtshaus Jan Miense Molenaers (1610-1668) ziert künftig eine Sammlung in Kroatien. Ein Stück heimischer Kulturgeschichte dokumentiert von David Teniers (1610-1690) erwarb ein niederländischer Interessent im Bereich der Erwartungen für 26.000 Euro: Theriak, ein opiumhaltiges, mittelalterliches Mittel mit angeblich heilender Wirkung wird hier von einem jungen Verkäufer angepriesen.

20.000er-Gefallen fanden Sammler aus dem benachbarten Deutschland - deutlich über den Schätzungen von 7000 bis 9000 Euro - an dem biblischen Motiv Christus in der Kelter eines Albrecht-Dürer-Nachahmers sowie zum Limit am Bildnis König August II. von Polen des Starken, Kurfürst von Sachsen im hermelingefütterten blauen Seidenumhang, in Szene gesetzt von Adam Friedrich Oeser (1717-1799). (kron/DER STANDARD, Printausgabe, 18.06.2003)

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