Kleines Homepage-Geschenk

18. Juni 2003, 13:30
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Industrie: "Keine Auflagen", was mit 150.000 Euro zu geschehen hatte

Wien – Die wegen ihrer umstrittenen Finanzierung über die Industriellenvereinigung (IV) zu größerer Bekanntheit gelangte Internetseite www.karlheinzgrasser.at wurde von dem Wiener Softwarehaus Lemon42 programmiert. Geschäftsführer Wolfgang Krainz, früherer OMV-Controller, wollte aus Gründen der "Vertraulichkeit" nicht beziffern, wie teuer dem Auftraggeber der Webauftritt des Finanzministers gekommen ist. Etliche dazu befragte Internetexperten bezweifeln, dass die Homepage die IV-Finanzhilfe von 150.000 Euro aufgezehrt hat und setzen Kosten von rund 30.000 Euro an.

Eine der Erklärungen für zumindest einen Teil des Differenzbetrages könnte die Zwischenschaltung der Unternehmensberatung Hochegger sein. Der von der IV gesponserte Verein zur Förderung der New Economy, dessen Obmann Grassers Kabinettschef Matthias Winkler ist, beauftragte Hochegger, die über ihre Internetberatungstochter Matrix den Auftrag an Lemon42 vergab. Auch Hochegger-Geschäftsführer Dietmar Trummer verweigerte wegen "Vertraulichkeit dem Kunden gegenüber" einen Kommentar.

Zuletzt gelangte die Unternehmensberatung Hochegger für die Abwicklung eines 2,3- Mio.-Euro-Auftrages des Finanzministeriums in die Schlagzeilen. Dabei ging es um Grassers "Roadshow" bei Klein- und Mittelbetrieben.

In der IV will man keinen offiziellen Kommentar mehr zu Grassers Homepage abgeben.

Inoffiziell wird bestätigt, dass dem Verein zur Förderung der New Economy "keine Auflagen erteilt" worden seien, was mit den 150.000 Euro zu geschehen habe. Es wäre aber "sicherlich nicht" die Intention der IV gewesen, lediglich den Internetauftritt des Finanzministers zu sponsern.

Mitgliedsbeiträge von Industriekonzernen an ihre Interessenvertretung am Wiener Schwarzenbergplatz sind voll steuerlich absetzbar. Für SP- Budgetsprecher Christoph Matznetter sind damit zumindest indirekt sehr wohl auch Steuergelder zur Finanzierung des Vereins und damit zu Grassers Internetseite geflossen. Ein IV-Mitarbeiter sagte: "Grasser selbst hat uns nicht um das Geld gefragt. Das ist alles über seinen Kabinettschef gelaufen." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.6.2003)

Von Michael Bachner
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