Iranische Revolutionärin Marjam Rajavi im Exil festgenommen

17. Juni 2003, 18:38
posten

Die "Sonne der Revolution" wird als "künftige Präsidentin" verehrt

Paris - Seit zehn Jahren schon trägt Marjam Rajavi einen außergewöhnlichen Titel. Sie wird von ihren Anhängern als "künftige Präsidentin der Iranischen Republik" verehrt. So haben es die Instanzen der Volks-Mujaheddin, der größten iranischen Oppositionsbewegung im Exil, 1993 beschlossen - und zwar "einstimmig". Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Volks-Mujaheddin-Führer Massud Rajavi, steht sie im Zentrum eines extremen Personenkults. Als die Pariser Sicherheitskräfte Marjam Rajavi am Dienstag bei einer Großrazzia festnahmen, hatten Tausende Exil-Iraner Anlass, die bisher so gastfreundlichen Franzosen zu verfluchen. Denn für die Volks-Mujaheddin ist die 50-Jährige eine Unantastbare - "Marjam, die Sonne der Revolution".

Kommandoführerin

Vor ihrem Gang ins Pariser Exil hat die ausgebildete Ingenieurin bei der "Nationalen Befreiungsarmee Irans", der eigentlichen Kampftruppe der Volks-Mujaheddin, lange das Kommando geführt. Das sorgte nicht weiter für Verwunderung, denn in der Untergrundarmee stellen Frauen die Hälfte der Bataillone und der Führungskader. In ihren Glanzzeiten, als die Volks-Mujaheddin auf irakischem Gebiet ihre Militärkräfte zusammenzogen und Invasionen in ihre Heimat vorbereiteten, konnten sie bis zu 15.000 Kämpferinnen und Kämpfer mobilisieren. Inzwischen dürften es nur noch rund 5000 sein, die ihre Panzer und ihre Spinde mit großen Porträtaufnahmen der "künftigen Präsidentin" schmücken. Nach dem Irak-Krieg scheint es nicht so, als könnten die Volks-Mujaheddin ihr Ziel schneller erreichen, die Teheraner Regierung aus dem Amt zu jagen. Die Razzia in Paris dürfte ihre Kräfte eher noch schwächen.

Frauen unerwünscht

Aber die revolutionäre Legende werden sie retten können. Schon in den siebziger Jahren kämpften die Volks-Mujaheddin gegen den vom Westen gestützten Schah Mohammed Reza Pahlevi. Nach der islamischen Revolution 1979 unter Ayatollah Khomeini erlebten sie eine kurze Phase der Legalität, wurden aber im Juni 1981 durch ein von der neuen Teheraner Regierung verhängtes Verbot wieder in den Untergrund gedrängt. Zu stark waren nach Ansicht der neuen Machthaber Elemente des Marxismus mit der Ideologie verwoben, zu stark war vor allem die Rolle, die die Volks-Mujaheddin den Frauen einräumen wollten.

Kampf gegen Unterdrückung der Frauen

Marjam Rajavi geißelte in Interviews regelmäßig "die Unterdrückung der Frauen" durch die Mullahs in Teheran. Diese Unterdrückung nehme "historisch einmalige Ausmaße" an, denn Frauen dürften ihre Ausbildung und ihren Mann nicht wählen, sie könnten sich nicht scheiden lassen und ohne Erlaubnis ihres Mannes nicht einmal das Haus verlassen.

Massud und Marjam Rajavi sind seit 18 Jahren ein Paar. Ihre Eheschließung gestalteten sie wie einen politischen Paukenschlag. Beide waren zuvor mit anderen Partnern verheiratet und ließen sich im Abstand von wenigen Wochen scheiden. Die Ehe wurde dann von den Führungsinstanzen der Volks-Mujaheddin beschlossen und verkündet. Marjams vorheriger Ehemann Mehdi Abrishamshi erteilte dem neuen Paar öffentlich seinen Segen. "Ich danke Gott, dass mir die Ehre zuteil wurde, an dieser überaus glücklichen ideologischen Entscheidung beteiligt zu sein", erklärte der frisch Geschiedene damals vor den Führungsgremien der revolutionären Kämpfer. Seither firmiert Massud Rajavi als Chef der Volks-Mujaheddin und seine Frau, die "Sonne der Revolution", ist im Wartestand für das Präsidentenamt. "Marjam wird zurückkehren und den Iran befreien", heißt es in den Schlachtliedern der Volks-Mujaheddin. "Wir sind ihre Armee." (APA/AFP)

Share if you care.