Warten auf mehr Qualität

17. Juni 2003, 18:10
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Zahlende "Kunden" wollen schneller studieren und fordern hoffentlich höhere Professionalität ein - von Martina Salomon

Für 8000 Euro im Jahr gibt’s keine überfüllten Hörsäle und auch kein Warten auf einen Praktikumsplatz. So viel kostet das Studium an der neuen medizinischen Privatuniversität in Salzburg. Immerhin 400 haben sich angemeldet, nur ein Zehntel davon wird nach strenger Auslese aufgenommen.

Für 726 Euro pro Jahr gibt es keine Aufnahmebeschränkungen, dafür ein Studium an einer öffentlichen Uni mit allen Schwächen, besonders in überlaufenen Fächern: langes Warten auf Prüfungsergebnisse, Lehrende, die nicht einmal in Sprechstunden erreichbar sind, überfallartige Veranstaltungsabsagen, unbesetzte Sekretariate. Sind 726 Euro dafür zu viel - oder vielleicht sogar eine unüberwindliche soziale Hürde, wie die SPÖ zuletzt neuerlich behauptete?

Lassen wir die Kirche im Dorf. In fast allen Staaten gibt es eine Gebühr beim Besuch von Universitäten. In Österreich ist sie sogar verhältnismäßig gering. Rund ein Fünftel der Studierenden erhalten Stipendien. Für Berufstätige gibt es Studienabschlussstipendien, die eine Jobpause ermöglichen. Sie werden dank der letzte Woche beschlossenen Studienförderungsnovelle sogar auf vier Semester ausgeweitet, und Hörer mit Kindern bekommen mehr Geld. Dass die Gebühren keine Studentenvertreibungsaktion waren, zeigt auch die Statistik: Ein Jahr nach Einführung der Beiträge ist die Zahl der Erstsemestrigen um zwölf Prozent gestiegen. 2004 werden die Unis ihre Gebühren behalten - was hörerintensiven Fächern nutzen wird. (Richtig wäre aber gewesen, ihnen das Geld gleich zu geben.) Womit nur noch eine Studie aussteht: wie sich die Kostenpflicht auf die Lehre ausgewirkt hat. Zahlende "Kunden" wollen schneller studieren und fordern hoffentlich höhere Professionalität ein. Tritt diese ein, haben sich die Gebühren gelohnt. (DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.6.2003)

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