Preiskampf um Eurofighter

17. Juni 2003, 19:32
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Spätestens am 1. Juli muss die Republik den Kaufvertrag unterschreiben, sonst platzt das Geschäft

Zeltweg/Wien - Dienstagvormittag haben die Draken wieder einmal gezeigt, was sie können: Bei der Vorbereitung für die Airpower-Show am 27. und 28. Juni haben sechs der Luftraumüberwachungsflugzeuge gezeigt, wie schön Kriegsgerät sein kann, wenn man es bloß spaßhalber fliegt.

Der Chef der Luftstreitkräfte, Generalmajor Erich Wolf, ist bereits überzeugt davon, dass die Draken in absehbarer Zeit durch den Eurofighter ersetzt werden sollen. Da fehle eigentlich nur noch eine Unterschrift - und diese werde bis zum 1. Juli gegeben werden. So lange nämlich gilt das Angebot von EADS.

Die Gegner des Eurofighter versuchen aber, das Geschäft noch in den letzten Tagen zu kippen - mit dem Hinweis, dass die Flugzeuge zu teuer gekauft würden. Wortführer der Eurofighter-Gegner in der FPÖ ist der freiheitliche Bundesrat John Gudenus. Gudenus bezweifelt die Angaben der Regierung, nach denen nicht nur der Gesamtpreis, sondern auch der Stückpreis der Eurofighter gesunken sei.

In seinen Berechnungen geht er nicht von den von der Regierung vorgelegten Zahlen aus. Stattdessen setzt er die vor einem Jahr im Endbericht der Bewertungskommission genannten Gesamtkosten von 2,4 Milliarden Euro in eine Division ein und dividiert durch die damalige Stückzahl 24 - was einen Stückpreis von 100 Millionen ergäbe. Aus dem nunmehrigen Gesamtpreis von 1,969 Milliarden ergibt sich aber ein um 9,3 Millionen (bzw. 9,3 Prozent) höherer Stückpreis für 18 Eurofighter. Nun müsse erst einmal plausibel gemacht werden, dass dies nur auf die Senkung der Stückzahl zurückgehe.

Im Bundesheer hält man sich mit solchen Feinheiten nicht auf. Generalmajor Wolf schwärmt vom "absolut modernsten und leistungsfähigsten Produkt" - das eine Flugzeug, das statisch und im Flug hergezeigt werden soll, werde "krönender Abschluss der Darstellung der Geschichte der Kampfflugzeuge" sein. Die (von den Grünen im steirschen Landtag vergeblich bekämpfte) Show sei aber nicht als reine Eurofighter-Parade gedacht, sondern als Übung in militärischer Organisation.

EADS ist auch nicht Partner der Show (das sind Red Bull und das Land Steiermark, das sich Umwegrentabilität erwartet) - wohl aber werde EADS als Partner bei der Holding von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz dabei sein, die gemeinsam mit Audi den A1- Ring übernehmen will und dort eine Motorsport-Akademie errichten will.

Auch im Rahmen des Bundesheeres könnte EADS Jobs schaffen: Das Bundesheer werde durch die "Zwischenlösung" Kompetenzen in der Zusammenarbeit erwerben. Diese könnten genutzt werden, um spezifische Wartungsarbeiten für die gesamte Eurofighter-Flotte zu machen - so könnten etwa Hydraulik-Komponenten für alle Eurofighter in Zeltweg gewartet werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2003)

Spätestens am 1. Juli muss die Republik den Kaufvertrag für den Eurofighter unterschreiben - sonst platzt das ganze Geschäft. Und darauf haben es die Gegner des größten Rüstungsdeals der Zweiten Republik angelegt. Sie wollen beweisen, dass die Jets zu teuer sind.

von Conrad Seidl
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