Die Ausgewogenheit des ORF-TV: 56 Prozent Unterhaltung, 3,1 Kultur

13. April 2012, 21:42

etat.at liefert die Ergebnisse der Programmstudie für Medienbehörde in Grafiken

Nächste Stufe im Verfahren über die Beschwerde der Privatsender, der ORF verletze mit zuwenig ausgewogenem Programm (und zuviel Parallelprogramm zu Privaten) das ORF-Gesetz. Die Medienbehörde versandte Freitag das Gutachten des Kommunikationswissenschafters Jens Woelke über die Anteile der vier vom Gesetz genannten Sparten (noch ohne Detaildaten über Programmzuordnungen).

Der ORF feierte mehr Information laut Gutachten als die Privaten konstatierten. Die vermuteten, Woelke habe das "Wetterpanorama" auch als Information gewertet. Dagegen spricht freilich eine Passage in dem Gutachten, das diese "nicht redaktionell gestalteten" Elemente wie die Privaten dem Bereich Sonstige zurechne.

Die Private sahen ihren Befund durch die übrigen Daten bestätigt. etat.at liegt nun das komplette Gutachten vor und bastelte ein paar grobe Grafiken. Machen Sie sich selbst ein Bild, das vorangegangene Hickhack finden Sie hier.

Das ORF-Gesetz fordert wörtlich "ein differenziertes Gesamtprogramm von Information, Kultur, Unterhaltung und Sport für alle anzubieten. Das Angebot hat sich an der Vielfalt der Interessen aller Hörer und Seher zu orientieren und sie ausgewogen zu berücksichtigen. Die Anteile am Gesamtprogramm haben in einem angemessenen Verhältnis zueinander zu stehen."

Die Grafiken vergleichen nicht nur Woelkes Daten (rot) mit jenen der Privatsender, sie vermitteln auch einen Eindruck, wie ausgewogen die vier Sparten in den jeweiligen Programmen vertreten sind. Die fehlenden Prozente bestehen aus Werbung, Programmtrailern und, jedenfalls bei den Privaten, Wetterpanorama.

Zunächst aber die Übersichten für 2010, ORF 1, ORF 2 und als dritte Übersicht ORF 1 und 2 zusammen.

Die Anteile von Info, Kultur, Sport, Unterhaltung in ORF-Programmen










Hier die Daten für 2011, die in beiden Untersuchungen den Zeitraum Jänner bis einschließlich August umfassen.








Der ORF monierte auch, dass bei der Erhebung ORF III unberücksichtigt blieb. Der Info- und Kulturspartenkanal war in der relevanten Zeit noch nicht als ORF III auf Sendung, sondern als kommerziell zu führendes TW1. (fid)

PS: Sorry für die da vorhandenen, dort nicht oder nur teilweise vorhandenen Rahmen. Ist jetzt zu spät für Feinheiten.

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25 Postings
Unterhaltung ?

Musikantenstadl, Fußball, Hansi Hinterseer, Fußball, Florian Silbereisen, Fußball, Rosamunde Pilcher, Fußball ...
Samstag Hauptabendprogramm: Fußball der letztklassigen Art da und ein Schmachtfetzen dort.

Fazit: ORF (und damit GIS-Gebühren) abmelden und auf Sat umsteigen. Spart Geld und liefert auch kulturell das bessere Programm.

unterhaltung: 95% VOLKSDÜMMLICH

Ach, Wissenschaft ist gar nicht gefordert!

Ja, das erklärt's!

Kulturauftrag

vermeint der ORF womöglich mit rauftragen, weit hinauf, wasaberist Kultu…?
Sicherlich nur ein Silbentrennprogramm nicht auf deutsch gestellt.

Diese ganzen Balkengrafiken auf der Seite.

Ist das jetzt Kultur, Unterhaltung oder Sport?

erstaunlich

die studie bestätigt nicht meine gefühlten 50% sport auf ORF1

Sportübertragungen gehören ja auch zum öffentlichen Auftrag. Abgesehen davon profitiert das ganze Land, wenn die Menschen einen positiveren Zugang zum Sport bekommen. Da hat Österreich eh gewaltig Nachholbedarf.

sortsendungen auftrag für öffentlichen auftrag

chauvinistischen nationalstolz zu entwickeln und abgehalfterte "sportstars" durch "expertenverträge" dem zugriff des AMS zu entziehen

und genau wegen solch einem zugang zum sport laufen in österreich 70 prozent "blade" herum...

Positiver Zugang zu Sport?

Sie wissen aber schon, dass da ein feiner Unterschied zwischen mit-dem-Bier-vor-der-Glotze-sitzen-und-andere-beim-Sporteln-zusehen und selbst-Sport-betreiben besteht?! ^^

nachdem der orf nur formel 1 (inkl. qualifying), fussball und schisport zeigt, bekomme ich eher eine abneigung gegen sport im fernsehen. ausserdem gehören teuere sportarten ins privatfernsehen.

Gusto kann man aber auch so machen. Gute Werbung ist es allemal.

traurig, was für einen stellenwert sport in österreich hat. aber das sieht man ja auch an den notwendigen ausgaben der krankenkassen.

Sie aber auch

Meines Wissens besteht Sport nicht ausschließlich aus Formel 1, fussball und skifahren ...

Wenn sie sich nicht so auf den ORF verlassen würden sie morgen dass es noch eine Unmenge von anderen durchaus medial nutzbarer Sportarten gibt

Darum ging's in obigem Posting ja nicht. Aber stimmt: Ein bisserl mehr Abwechslung könnte dem Sport auf ORF 1 sicherlich nicht schaden. Grundsätzlich ist es aber positiv, Sportsendungen im Programm zu haben - und zwar nicht nur unter ferner liefen.

Und?

Spiegelbild der Gesellschaft. Bei den Privaten schauts ähnlich aus.

fidler propaganda satt, standard abo wird gekündigt!...

das hat definitiv mit ausgewogenheit nix mehr zu tun!

die haben das schon länger erkannt

warum gibts jetzt bloß orf3

damit es nicht nur in orf zwei massive wiederholungen gibt.

Vergleicht man nun diese Statistiken mit den Marktanteilen, so stellt man fest, dass

die Ausrichtung von ORF1 als "Unterhaltungssender" nicht von Erfolg gekrönt ist.

TV-Marktanteile 2011:
ORF1 13,8%!!!
ORF2 22,6%.

Es fehlt noch eine fünfte Sparte, nämlich MIST!

Bei einigen Sendungen, die in Endlosschleifen wiederholt werden, hätte das Testbild wahrscheinlich sogar noch eine höhere Quote.

Wie es ausschaut lebt der ORF, wie auch ÖVP und SPÖ, nur noch von der 50+ Zielgruppe.

Erfolg ist relativ. Der ORF ist immer noch Marktführer und hat z.B. einen höheren Marktanteil als ZDF und Das Erste in Deutschland zusammen.

Rechnet man die verfügbaren Quoten

der ARD/ZDF-Sender für Sept-Dez.2011 zusammen kommt man bei 40,6 % Marktanteil in D heraus.Nun noch die Spartenkanäle wie einsfestival oder zdf.info dann ist man bei um die 41%.Diese Zahlen erreicht der ORF nicht (mehr).

das bedeutet

es gibt im orf immerhin mehr als doppelt soviel information wie werbung (u.ä.)

launiges ps;

an wen war das jetzt wirklich gerichtet?

ps: die paar verbleibenden prozente entfallen dann offenbar auf werbung...

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