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Wilde Hilde: Ex-Ministerin Hawlicek.
Wien - Hilde Hawlicek redet gerne von damals, als sie, die bodenständige Sozialdemokratin, im Kabinett Franz Vranitzky II vier Jahre lang Ministerin für Unterricht, Kunst und Sport war. Sie hat guten Grund dazu. Denn damals, von 1987 bis 1990, ließ sich ziemlich viel bewegen. Und manche Entscheidungen sorgten für unglaubliche Debatten mit der ÖVP.
Hawlicek, die früher gerne Bogie-Woogie tanzte und von ihren Genossen "die wilde Hilde" gerufen wurde, kämpfte für Ganztagsschule und Chancengleichheit. Schulversuche sollten zur Regelform werden, Mädchen wurden endlich zu allen Schultypen zugelassen, das Wort "Handarbeiten" ließ sie durch "Textiles Werken" ersetzen. Zudem gelang es ihr, das Minderheitenschulgesetz zu novellieren.
Wirklich rund ging es aber in der Kultur. Denn Hilde Hawlicek bestellte nicht nur Eberhard Waechter, der früh starb, und Ioan Holender zum Leitungsduo der Staatsoper, sondern verlängerte auch den Vertrag von Burgtheaterdirektor Claus Peymann, den ihr Vorgänger Helmut Zilk auf Anraten von Ursula Pasterk nach Wien geholt hatte. Als dann Heldenplatz von Thomas Bernhard zur Uraufführung anstand, gab es Kulturkampf pur. Skurrilerweise erregten sich vor allem die Bürgerlichen - obwohl Bernhard hart die SPÖ kritisierte.
Aber es kam noch besser: Hawlicek beauftragte Hans Landesmann, einen Nachfolger für Herbert von Karajan zu suchen. Und der musikaffine Unternehmer fand Gerard Mortier, der sich vornahm, die Salzburger Festspiele radikal zu erneuern und zu öffnen. Ja, damals, in den späten 80er-Jahren, gab es noch Kulturpolitik, die Ziele verfolgte: "Kultur für alle" war der Slogan, es ging um die Gründung von dezentralen Kulturinitiativen, und als Förderinstrument diente die Gießkanne - Sparpakete gab es ja noch keine.
Über einen ihrer Nachfolger, SP-Kunststaatssekretär Peter Wittmann, konnte sich Hawlicek ganz besonders aufregen. Und noch immer klinkt sie sich als Präsidentin der Gesellschaft für Kulturpolitik ins Geschehen ein. Auch wenn sie weiß, dass der Geist von einst längst ein Gespenst ist.
Am Samstag feiert Hilde Hawlicek, Mutter zweier erwachsener Kinder, ihren 70. Geburtstag. Und zwei Tage darauf gratuliert ihr Claudia Schmied: Die Ministerin überreicht ihrer Vorgängerin das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 14./15.4.2012)
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Eine Frau, die geglaubt hat, dass man nichts lesen oder wissen muss, um ausgerechnet in der Kultur Entscheidungen zu treffen; die "Kulturpolitik" mit Kultur verwechselt hat und statt der Emanzipation (also Weiterentwicklung des Menschen) mithilfe und durch Kultur die Nivellierung nach unten gesetzt hat.
Dazu hat sie sich mit liebedienerischen Zuträgern umgeben & viele völlig verkehrte Personalentscheidungen getroffen.
Politiker vom Schlage Hawliceks stehen am Anfang der Dekadenz und des Verfalls der Sozialdemokratie. Sie haben nicht und nie verstanden, dass die Entwicklung in Richtung (geistig) oben, nach Höherem gehen sollte & stets geglaubt, dass es genügt, überall die "richtigen" Spezeln zu haben. Gott sei Dank ist wenigstens sie weg.
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