Wenn die Sonne den Sandstrahler auf die Erde richtet

14. April 2012, 18:00
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Die Entstehung von "Superwinden": Astronomen untersuchen die Staubhüllen um einen sterbenden Roten Riesen

Sydney - Etwa 375 Lichtjahre entfernt im Sternbild der Wasserschlange befindet sich mit W Hydrae ein sogenannter Mira-Stern, ein veränderlicher Roter Riese. Wie alle Sterne dieser Klasse befindet sich W Hydrae am Ende seiner Phase als Roter Riese. Innerhalb von ein paar Millionen Jahren wird er seine äußeren Gasschichten abstoßen und in ein wesentlich längerfristiges Stadium als Weißer Zwerg eintreten.

Astronomen um Barnaby Norris von der Universität Sydney haben Staubhüllen um den Stern näher untersucht und dabei festgestellt, dass diese mit weniger als zwei Sternradien teilweise sehr nahe um den Stern legen. Noch interessanter aber war die Entdeckung, dass die Staubpartikel unerwartet groß sind. Norris spricht von etwa 600 Nanometer großen Silikatpartikeln, was endlich eine Erklärung dafür bieten könnte, wie sich das leichte Gas um einen Stern aus seinem Gravitationsfeld lösen kann, wenn der Stern ins Übergangsstadium zum Weißen Zwerg eintritt.

Umgekehrter Sandsturm

Der Mechanismus sähe dann so aus: Photonen aus Richtung des Sterns treffen auf die transparenten Silikate, welche das Licht streuen. Die Partikel ihrerseits erhalten einen Impuls, der sie vom Stern wegbewegt. Kollidieren sie mit den leichteren, aber auch viel zahlreicheren Gasmolekülen der Umgebung, treiben sie diese in einer Kettenreaktion vom Stern fort und bewirken so letztlich einen massiven Gasausfluss.

Der "New Scientist" spricht in diesem Zusammenhang von einem "umgekehrten Sandsturm", weil hier die die Silikatpartikel, die einigermaßen vergleichbar mit irdischen Sandkörnern seien, die Bewegung der Gasmassen bewirken. Und es sei nicht einfach nur ein Sandsturm, sondern ein "Superwind": Mit zehn Kilometern pro Sekunde zwar langsamer als der herkömmliche Sonnenwind, aber dafür millionenmal dichter.

Es regnet Juwelen

In etwa sieben bis acht Milliarden Jahren wird sich unsere Sonne ebenfalls in diesem Stadium befinden. Die Forscher schätzen, dass sie dann über den vergleichsweise kurzen Zeitraum von 10.000 Jahren Superwinde in Form regelmäßiger starker "Böen" auf ihre Umgebung loslässt und dabei bis zu ein Drittel ihrer Masse verliert. Sollte die Erde das vorangegangene Aufblähen der Sonne zum Roten Riesen überstanden haben (ob das Fall sein wird, darüber gehen die Modelle noch auseinander), würde sie in dieser Zeit "sandgestrahlt" werden.

Da wäre es auch kein Trost, wenn es sich nicht um Silikate, sondern um Korundpartikel handelt, was die australischen Forscher in manchen Fällen ebenfalls für denkbar halten: In dem Fall würden Stürme aus winzigen weißen Saphiren entfesselt. (red, derstandard.at, 14.4.2012)

  • Die Bildmontage zeigt die Staubhülle um einen Roten Riesen à la W Hydrae in unterschiedlich polarisiertem Licht, horizontal und vertikal. Das Pünktchen in der Mitte stellt unsere Sonne im richtigen Größenverhältnis dar.
    foto: barnaby norris

    Die Bildmontage zeigt die Staubhülle um einen Roten Riesen à la W Hydrae in unterschiedlich polarisiertem Licht, horizontal und vertikal. Das Pünktchen in der Mitte stellt unsere Sonne im richtigen Größenverhältnis dar.

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