"Frankreich muss sich wieder eine Industrie geben"

Interview | 13. April 2012, 18:20

Expremier Lionel Jospin wirft den Konservativen eine verfehlte Wirtschaftspolitik vor

Der französische Expremier Lionel Jospin, 2002 vom Rechtsextremen Le Pen aus dem Präsidentschaftsrennen geworfen, wirft den Konservativen im Gespräch mit Stefan Brändle eine verfehlte Wirtschaftspolitik vor.

STANDARD: Sie gelten in Paris heute als "Weiser". Entspricht die Präsidentschaftswahlkampagne Ihren Erwartungen?

Jospin: Ich glaube nicht, dass ich ein "Weiser" bin, ich habe bloß den Vorteil des Alters. Ich habe schon viele Wahlkampagnen erlebt und höre auch jetzt wieder, dass die aktuelle nicht der Bedeutung des Anlasses angemessen sei. Dabei finde ich, dass die wesentlichen Probleme des Landes durchaus angesprochen werden - bei allen Polemiken.

STANDARD: Das wichtigste äußere Ereignis, die Mordserie in Toulouse, führte aber zum Beispiel nicht zu einer Debatte über den sozialen Banlieue-Hintergrund, die dortige Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent, Diskriminierung und Ghettoisierung.

Jospin: Die Affäre Merah verkam zu einer bloßen Debatte über innere Sicherheit und Terrorrisiken. Das ist verständlich, denn man muss unterscheiden zwischen einer abscheulichen Mordserie, für die allein der Täter verantwortlich ist, und dem Banlieue-Problem. Das muss man getrennt behandeln. Und das tun auch die sozialistischen Bürgermeister, die den meisten dieser Orte vorstehen und sich mit diesen Fragen tagtäglich auseinandersetzen.

STANDARD: Die extreme Rechte ist in Frankreich so stark wie in Österreich...

Jospin: Stimmt.

STANDARD: Wie schätzen Sie Marine Le Pen im Vergleich zu ihrem Vater und Front-National-Gründer ein?

Jospin: Ich will nicht einzelne Mitglieder der Familie Le Pen beurteilen. Ich stelle einzig fest, dass Marine Le Pen, auch wenn die Feindschaft gegenüber Immigranten und Ausländern ihre Geschäftsbasis bleibt, eher soziale Probleme anspricht. Das tut sie, weil diese Probleme in ganz Europa immer größer werden.

STANDARD: Hat Marine Le Pen damit noch mehr Wahlchancen als ihr Vater?

Jospin: Ich glaube nicht, dass sie wiederholen wird, was ihr Vater 2002 geschafft hat, als er in den zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahlen vorstieß. Denn ihre Antworten auf diese sozialen Fragen vermögen niemanden zu befriedigen.

STANDARD: Wirtschaftspolitisch hat Frankreich keine Sparpläne erlassen wie etwa Italien, Spanien, England oder vor Jahren schon Deutschland.

Jospin: Ich bin nicht verantwortlich für die Entscheide der Konservativen, die in Paris seit zehn Jahren an der Macht sind. Aber ich glaube, dass sie Frankreich schlecht auf die Krise vorbereitet hatten. Denn die Staatsschuld, die Budgetdefizite und auch das Außenhandelsdefizit entstanden in diesen Jahren vor der Krise. Auch muss man sehen, dass die Lage in den erwähnten Lä ndern unterschiedlich war. Deutschland beschränkte die Binnennachfrage, um die Exporte anzukurbeln, mit der Folge, dass das Pro-Kopf-Einkommen zu tief ist; in Spanien platzte die Immobilienblase, Italien kä mpfte mit dem "mal governo" der Berlusconi-Jahre. Das zeigt auch, dass man die Wirtschaftspolitik der einzelnen EU-Partner besser harmonisieren sollte.

STANDARD: Doch kann man von Harmonisierung sprechen, wenn Franç ois Hollande den Fiskalpakt, an dem Deutschland so gelegen ist, neu aushandeln will?

Jospin: François Hollande hat völlig recht, diesen Vertrag neu verhandeln zu wollen. Die Ratingagenturen befürchten neben den hohen Staatschulden auch eine europaweite Rezession. Wenn Europa einfach Sparpläne anhäuft, wird die Krise andauern und keine Staatsschuld abgebaut. Es muss deshalb eine Politik definiert werden, die sowohl Schulden wie auch Austerität verhindert. Und das ist genau Hollandes Ansatz.

STANDARD: Es scheint aber, dass selbst die deutsche SPD am Fiskalpakt festhalten will.

Jospin: In einem Kreuzinterview mit Le Monde haben sich SPD-Chef Sigmar Gabriel und François Hollande diesbezüglich auf sehr vergleichbare Weise ausgedrückt.

STANDARD: Gabriel sagte aber nicht, dass das Vertragspaket aufzuschnüren sei; er will nur einen Wachstumspakt anfügen.

Jospin: Gabriel muss ja nicht wiederholen, was Hollande sagt. Mir schien, dass der Ansatz auch bei dem europäischen SP-Treffen im März in Paris sehr ähnlich war, auch wenn die Worte vielleicht unterschiedlich sind. Wenn Hollande gewählt wird und Frankreich eine solche Initiative ergreift, werden auf jeden Fall viele Regierungen mitziehen.

STANDARD: François Hollande wäre nach seiner Wahl der einzige Linksvertreter eines großen EU-Landes. Hat er, der nie auch nur Minister war, die nötige Statur, um sich gegen die Finanzmärkte und diese Rechtsregierungen zu behaupten?

Jospin: Er wird gegenüber seinen neuen Amtskollegen freundlicher und konstanter auftreten als Nicolas Sarkozy. Das wird für sie bedeutend angenehmer sein! Zugleich wird François Hollande seine Standpunkte aber auch fest entschlossen vertreten. Ich bin überzeugt, dass viele Regierungen umdenken, wenn er im Fall seines Wahlsiegs den Dialog sucht. Die Regierungen Spaniens und der Niederlande haben schon Interesse bekundet. Es geht eben nicht nur um links und rechts. Auch hieß es, Angela Merkel werde in Nicolas Sarkozys Wahlkampagne auftreten. Bisher ist es nicht dazu gekommen.

STANDARD: Vielleicht hält das Sarkozy-Lager sie nicht mehr für einen Wahlkampfjoker.

Jospin: Vielleicht hat sie auch keine Lust, ihn unterstützen zu gehen.

STANDARD: Welche Erwartungen hat Hollande von der SPÖ?

Jospin: Kanzler Werner Faymann sprach schon am 5. März von der Notwendigkeit eines "neuen Ansatzes" gegenüber dem Fiskalpakt. Am Tag danach erklärte auch der konservative Vizekanzler Michael Spindelegger, man mü sse den Fiskalpakt durch einen Wachstumsfonds ergänzen. Das ist nicht weit von Hollandes Positionen entfernt. Ich kann natürlich nicht für den österreichischen Kanzler sprechen; aber François Hollande sagte mir, dass ihm Werner Faymanns Haltung sehr viel bedeutet sei.

STANDARD: Muss das Schengen-Abkommen revidiert werden, wie das Nicolas Sarkozy im Wahlkampf ultimativ verlangt hat ?

Jospin: Das Thema ist bei den europäischen Innenministern bereits in Diskussion. Bei der maßgeblichen Sitzung in Brüssel war der französische Innenminister Claude Guéant aber nicht einmal anwesend. Schengen reformiert man nicht durch solche Absenzen, noch weniger durch ein Ultimatum.

STANDARD: Teilen Sie François Hollandes wichtiges Wahlkampfversprechen, Millionäre bis zu 75 Prozent zu besteuern?

Jospin: Wichtig ist das vielleicht für die Millionäre, nicht so sehr für Hollande. Es ist nicht sein zentrales Wahlversprechen; aber ich unterstütze gewöhnlich alle Vorschläge von Kandidaten, für die ich eintrete.

STANDARD: Welches ist denn der wichtigste Wahlvorschlag Hollandes?

Jospin: Die Stärke seines Programms liegt in dessen Kohärenz. Es ist auch seine Art, die beiden Probleme der Budgetungleichgewichte und des Wachstums anzugehen, oder die Art, wirtschaftlichen Aufbau zu betreiben und zugleich Sozialprobleme zu lösen. Ich würde keinen einzelnen Vorschlag, sondern die Gesamtheit des Programms hervorheben.

STANDARD: Doch droht dieses Programm n icht schon am Tag nach Hollandes Wahl Makulatur zu sein, wenn die Finanzmärkte attackieren - oder zum Beispiel, weil Hollande 60 000 Lehrstellen schaffen will?

Jospin: Ich glaube nicht, dass sich die Finanzmärkte für diese 60 000 Stellen interessieren...

STANDARD: ...aber für deren Kosten.

Jospin: Die sind auf fünf Jahre verteilt. Die Finanzmärkte sind nicht da, um politische Entscheide zu diktieren, sonst kann man gleich auf die Demokratie verzichten. Und was wollen die Märkte eigentlich? Ökonomische Lesbarkeit! Und mit seiner Suche nach ausgeglichenen Budgets und Wachstum legt François Hollande ein Programm vor, das auch für die Märkte sehr lesbar ist.

STANDARD: Nachdem nun auch Italien das Rentenalter erhöhen will, verbleibt von den groß en EU-Ländern nur noch Frankreich bei weniger als 65 Jahren. Hatte Sarkozy nicht recht, zumindest bis 62 Jahre zu gehen - während die Sozialisten in einzelnen Fällen sogar auf 60 Jahre zurückgehen wollen?

Jospin: Mit Verlaub werde ich hier nicht Nicolas Sarkozys Politik billigen. François Hollande hat Rentenvorschläge gemacht, die ich teile, da er an die Arbeiter denkt, die einen körperlich harten Job hatten oder die in ihrem Leben sehr früh Beitr äge zahlten.

STANDARD: Während Ihrer Zeit als Premierminister war Frankreich gegenüber Deutschland noch wettbewerbsfähig. Wie lässt sich der verlorene Boden wieder gutmachen?

Jospin: Wir hatten sogar einen Außenhandelsüberschuss. Zuallererst muss sich Frankreich wieder eine Industrie geben, wie Deutschland. Nur so lassen sich Marktanteile zurückgewinnen. Wettbewerbsfähigkeit heißt aber nicht, dass man die Löhne senkt, sondern dass man auf Industrie und Forschung setzt.

STANDARD: Ist Frankreich überhaupt reformierbar?

Jospin: Ja, aber nicht durch ein brutales Vorgehen, sondern durch den Dialog mit jenen Zwischengeschalteten Kräften, die Nicolas Sarkozy verabscheut: Gewerkschaften, Berufsverbände, Vereine.

STANDARD: Ein Wort zu Sarkozy fünfjähriger Amtszeit?

Jospin: Für seine Anhänger muss es eine Enttäuschung gewesen sein. Für die anderen war es auf jeden Fall schlecht.

STANDARD: Hat Nicolas Sarkozy wenigstens die EU-Krise gut gemanagt, zusammen mit Angela Merkel?

Jospin: Europa braucht kein deutsch-französisches Direktorium. Man muss die anderen Länder auch berücksichtigen. Man kann keine Europapolitik betreiben, ohne seine Partner zu respektieren.

STANDARD: Könnte es am kommenden Sonntag bei ersten Wahlgang in Frankreich eine Überraschung geben?

Jospin: Bei Präsidentschaftswahlen kommt es oft zu Überraschungen, aber diesmal glaube ich nicht daran. Weder im ersten noch im zweiten Wahlgang.

STANDARD: Das heißt also, François Hollande gewinnt?

Jospin: Ja, das glaube ich.

STANDARD: Der Links-Kandidat Jean-Luc Mélenchon setzt sich im Wahlkampf stark in Szene. Wären er und seine viel weiter gehenden Sozialforderungen nach der Wahl ein Hemmschuh für Hollande?

Jospin: Ich glaube zunächst einmal, dass er im Hinblick auf die Stichwahl das Spiel des gegenseitigen Verzichts mitmachen wird. Nachher werden die Parlamentswahlen von Juni das Kräfteverhältnis einer neuen Regierungsmehrheit festlegen.

STANDARD: Hollande gilt teilweise als zu nett. Was wü rden Sie zur Antwort geben, wenn jemand einfach so behaupten würde, Frankreich bräuchte in der heutigen Krisenzeit nicht Jovialität und Gutmütigkeit à la Hollande, sondern eher "jospinistische" Strenge und Seriosität?

Jospin: Ich würde antworten, dass ich jovialer bin, als viele meinen, und dass Hollande durchaus seriös ist. Da ich ihn, als ich 1997 Premierminister wurde, selbst als meinen Nachfolger an der Spitze der Parti Socialiste vorschlug, und da wir eng zusammenarbeiteten, dürfte schon etwas "Jospinistisches" an ihm sein. Heute ist es allerdings eher so, dass ich sehr "holländisch" bin...  (Langfassung, DER STANDARD, 14.4.2012)

Lionel Jospin (74) war von 1997 bis 2002 sozialistischer Premierminister in Frankreich. 2002 kandidierte er fü r das Amt des Staatspräsidenten, erreichte allerdings nicht die zweite Runde, in der sich der konservative Amtsinhaber Jacques Chirac gegen den r echtsextremen Jean-Marie Le Pen durchsetzte. Am Montag diskutiert Jospin auf Einladung des Renner-Instituts in Wien über die Lage in Frankreich vor den Wahlen (www.renner-institut.at - Anmeldung erforderlich).

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frankreich ist der verlierer des letzten jahrzehnts und verliert immer weiter an boden. ist leider so, dass man unter druck gerät, seinen arbeitsmarkt zu "flexibilisieren" (ein schönes wort, dessen inhalte es aber weniger sind), sobald das die

konkurrenten tun - will man nicht an konkurrenzfähigkeit verlieren und unter die räder kommen. das wurde nicht getan.
f ist heute ein teurer ort, wenn es um arbeitskräfte geht (hohe löhne, smic, hohe sozialabgaben, gutes, aber teures sozial-/gesundheitssystem, hohe besteuerung, starker kündigungsschutz, ausgeprägte streikkultur)

daher: verlust von arbeitskräften, da frz konzerne immer öfter im ausland herstellen, um konkurrenzfähig zu bleiben (einschließlich der früher florierenden und europäisch führenden nahrungsmittelindustrie), wenig attraktivität für ausländische investoren.

von ein paar großkonzernen sowie ein paar high tech produkten (eurocopter, safran, rafale, agv..) kann keine wirtschaft leben, wenn der mittelstand schwächelt

Nur interessant, dass Deutschland, Schweden, Österreich... ähnlich teuer sind, ähnliche Sozialkosten, ähnlichen Kündigungsschutz (dirket oder indirekt z.B. über Abfertigungen) haben... und natürlich auch das Problem der Auslagerung haben, aber lang nicht in dem Umfang, in dem es die frz. Volkswirtschaft hat.

BSP. Autoindustrie : Wähernd die frz. Automobilindustrie Werke in Frankreich schliesst um sie nach Rumänien zu verlagern, dienen neue Werke von deutschen Automobilkonzernen in Osteuropa hauptsächlich der Kapazitätsvergrösserung. In meiner Branche ist es nicht anders.

PS.: die Anwort auf den Kündigungsschutz heisst in Frankreich wie in Österreich und Deutschland Leiharbeit.

Naja, klar profitieren die Arbeitnehmer

davon, wenn es restriktive Arbeitnehmerschutzgesetze gibt. Aber die, und zwar nur die, die schon einen Job haben und etabliert sind. Für alle, die nachdrängen wird es viel schwerer einen derartigen Job zu bekommen - es entsteht eine Zweiklassenarbeitnehmergesellschaft.

Wer außerdem auf der Verliererseite steht ist der Konsument - der darf die Rechnung für die überhöhten Preise bezahlen.

Kommt halt drauf an was man haben will, man muss aber zu jeder Forderung aber immer klar die Konsequenzen benennen - sowohl gute, als auch schlechte - immer nur gute Konsequenzen gibt es bei keiner Maßnahme, speziell nicht bei Blockadehaltungen...

Zuerst waren sie alle für internationale Solidarität

und heute gönnen sie es denn Asiaten nicht, dass sie ordentlich verdienen und ihre Lebensniveau gestiegen ist.

Tja, früher in der geschützten Staatswirtschaft und als Almosengeber an die Entwicklungsländer in Asien hat man sich halt in seiner Rolle besser gefallen, da war leicht Wohltäter spielen vom hohen Ross...

Vor den französischen Sozi

kann sich der Euro schon mal ordentlich fürchten. Vielleicht ist ihre Wahl der letzte Funke, der das Faß zum überlaufen bringt und der Gemeinschaftswährung den entscheidenden Dolchstoß versetzt...

ein kollaps frankreich reisst den ganzen euro in den abgrund.

ich denke nicht, dass die gauche mehr schulden machen wird, kann sie ja gar nicht. sie wird aber auf jeden fall einiges umschichten und schauen, dass der mittelstand nicht noch weiter ausgehölt wird.

sie wird aber auch einige heilige kühe antasten müssen, wenn die unternehmen wieder konkurrenzfähiger werden sollen und unter anderem privilegien abschaffen müssen. trotzdem ist ein hauptproblem, wie auch in anderen ländern aber vielleicht besonders dort, die wachsende einkommenskluft, der verschwindende mittelstand der aber ein rückgrat der wirtschaft ist und die hohe (jugend)arbeitslosigkeit.

z b: sozial-/gesundheitssysem muss reformiert werden, besonders in der verwaltung, da diese extrem teuer ist und das system ineffizient macht.

petite nation

herrlich... Frankreich und Industrie....: mit 35 Stunden Wochen und 180 Streiktagen im Jahr...

35-Std Woche haben, wenn überhaupt, noch 1/3 der frz. Arbeitnehmer, der Rest hat eine längere Mindestarbeitszeit.

ich habe zb. einen 37.5h-Vertrag.

Als die 35-H-Woche eingeführt wurde, gab es etwa halben Lohnausgleich, da stieg ein Stundenlohn/gehalt von z.B 10Eur auf 10.71Eur, das dazugehörige Bruttomonatsgehalt sank also nicht von etwa 1720 auf 1505 sondern auf 1612Eur. Ein Gutteil der 71Ct/h sind übrigens mittlerweile von der Inflation und niedrigen Lohnabschlüssen aufgefressen worden.

Die Normalarbeitszeit ist in Frankreich übrigens 42h, erst die 43.h ist eine Überstunde! Danach beträgt der Zuschlag in den meisten Branchen 25% bzw für Nacht- und Sonntagsarbeit 50% (zb. in Ö 50% und 100%).

ihre 180 streiktage haben sie sich wo zusammenfantasiert?

2010 warens 39 streiktage pro 1000 arbeitnehmer. ich lasse sie jetzt selber ausrechnen, wieviel das pro arbeitnehmer macht.

Abgesehen, dass die Streiks die Bahn, E-Werk, Ämter und Schulen betraf, aber praktisch keine Privatbetriebe. Grosse Ausnahme, die TOTAL-Raffinerien während des grossen Streiks letztes Jahr.

jospin - der vermutlich bis dato letzte regierungschef in der EU, der noch halbwegs sozialdemokratische ansätze hatte...

Jährliche Abwertung

wie zu Zeiten des FF, um die geringere Produktivität auszugleichen - dies schmerzt den Franzosen sehr. Und der Gabriel steuert grunzend eh auf eine große Koalition in 2013 zu. Sollte der Hollande wirklich gewinnen, dann gibts einen Realitätsschock gigantischen Ausmaßes. Merkel wird sich dies Bürschel schon an die (Mutter-) Brust nehmen. Tapferkeit muss man aber loben: der Strauss-Kahn wurde eifrig "umschifft"! ;-)

liebe linke...frankreich ist uns einen schritt vorraus

was die sozialen "errungenschaften" betrifft. sehr deutlich auch einen schritt voraus in den abgrund!

was passiert wenn man ständig nur versucht die reichen mit obskuren steuern zu vertreiben sieht man an der abwanderung der industriellen nach der einführung der reichensteuer.

Sie leben aber in einer sehr simplen Welt ! Wette daß "Reichensteuer abschaffen " und "Industrie wächst wieder" nicht funktioniert !

"Wieder eine Industrie geben" - Ist nur leider aufgrund des WTO-Regimes praktisch unmöglich

Der Fehler liegt im WTO-Kerndesign. Die WTO-Regularien behandeln Ungleiches gleich. Staaten wie China und Indien, die billigst, weil weitgehend frei von Sozial- und Umweltstandards und zu Hungerlöhnen produzieren, erhalten völlig zollfreien Zugang zu europäischen Märkten. Die europäische Industrie wurde binnen weniger Jahrzehnte - abgesehen von ein paar Nischen - hinweggefegt. Wir schaffen es ja nicht einmal mehr ein Smartphone in Europa zu fertigen. Solange ungleiche Sozial- und Umweltstandards nicht handelstariffär reflektiert werden, gibt es keinen fairen Wettbewerb und somit auch keine europäische Industrie. Außen man degradiert ganze Nationen, wie dzt etwa Griechenland und künftig Spanien zu Billiglohnländern auf chines. Level.

Nein

produziert wird einfach dort, wo es am produktivsten geschieht.

Deutschland ist kein Billiglohnland und hat ausreichend Industrie - produziert hochwertige Güter.

Das können auch andere europäische Länder - da müssen sie halt in die Hände spucken und anpacken. Mit 35 französischer Stunden in der Woche und dolce vita und savoir vivre wird das halt nix...

bledsinn. deutschland ist teilweise sehr wohl ein billiglohnland geworden. nicht zufällig rühmte sich schröder vor einigen jahren noch, den größten blliglohnsektor in europa geschaffen zu haben.

laut eurostat kosten und verdienen deutsche industriearbeiter heute weniger als ihre französischen kollegen. der lohnzuwachs war in den letzten > 10 jahren am geringsten in europa.

deutschland produziert vielleicht hochwertige güter, aber ist das einzige land in europa, das heute noch produkte wie flummis, schrauben zum kilopreis, frischhaltedosen oder blumentöpfe im unteren preissegment konkurrenzfähig neben china anbieten kann.

wer behauptet in f herrsche dolce vita, der weiss nicht wovon er spricht. es stimmt aber, dass die (mittlerweile aufgeweichten) 35h viele arbeitsplätze gekostet haben. smic und der starke kündigungsschutz sind weitere hindernisse.

Die 35h-Woche hat aber hauptsächlich deshalb Arbeitsplätze gekostet, weil sie die Inlandsnachfrage abgewürgt hat.

Die deutschen Exporte werden nicht durch billige Löhne getrieben

sondern durch die hochwertige Produktqualität sowie das einzigartige Know How.

BMWs und Mercedes werden üblicherweise nicht wegen ihrer besonders günstigen Diskontpreise eingekauft...

abgesehen davon, dass mercedes ein schlechtes beispiel ist, da die produktqualität in den letzten jahren stark gelitten hat (was weitgehend bekannt ist), folgendes zu diesem teutophilen lobgesang: was heisst hier "einzigartiges" know how? jeder in

seinem segment führende hat einzigartiges know how. die amis führen in den spitzentechnologien, die deutschen zb bei industrieanlagen, investitionsgütern, in der autoindustrie sind sie sehr gut aufgestellt, aber es gibt gleichwertige alternativen (die nur das image nicht haben). btw sind sie bei umweltfreundlichen antriebskonzepten hinten, mercedes will hybridtechnik von toyota.
dafür sind sie zb in der luftfahrt in europa hinter frankreich und uk.

Als nahrungsmittelexporteur bedient man vorwiegend das billigstsegment und es ist fakt, dass die exporte nicht nur aus autos oder druckmaschinen, aber auch aus billigstprodukten (wie die erwähnten) bestehen, mit deren preisen kein anderes land in europa mithalten kann. dieses segment wächst

Was der Cornwell da schriebt ist natürlich Holler, und gerade das Automobil ist ein nettes Beispiel, wie die frz. Industrie hauptsächlich mit ihrem eigenen Image kämpft. Frz. Autos sind nämlich mittlerweile in der jeweiligen Preisklasse immer die besseren.

Was allerdings der Fall ist : die Stückkosten sind in Frankreich unter Anderem deshalb so viel höher wie in D oder Ö, weil Produktionsstillstände (Umbauten, Pannen) länger dauern und entsprechende Mehrkosten verursachen.

Der Mythos vom deutschen Facharbeiter ist eben nicht nur ein Mythos. Weil Karriere mit Lehre gibt's in Frankreich wirklich nur in Ansätzen. Die selbe Shice wie in England.

NEIN
Hinweggefegt? Klar die Europaeische Wirtschaft lebt ja von Almosen!
Und Wie genau wuerde es Griechenland besser gehen wenn die Chinesen nicht die Werkbank der Welt waeren?

Die Zeiten der Hungerlöhne in den Sonderwirtschaftszonen Chinas ist längst vorbei. Schau dir die Metropolen dort einmal an! Auf Wiens Straßen siehst du bei weitem nicht so viele Q7s, X7s und Cayennes wie in Shanghais.

Außenhandel ist eben immer auch ein Nehmen und Geben. Aber das wollen Leute mit deiner Perspektive nicht gerne wahr haben.

in Shanghai gibt's ja auch mehr Leut... :-)

Ein gutes, aber leider falsches Argument. Wenn du durch die Straßen fährst, siehts ja immer nur einen Ausschnitt ;)

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