"Zentren der Reflexion, Orte der Stabilität"

Interview | Karin Bauer
13. April 2012, 16:28
  • Kurt Koleznik: zu wenig eingebunden, zu wenig gefragt, zu wenig gefordert - die Hochschulen und ihre gesellschaftspolitische Rolle.
    foto: standard/corn

    Kurt Koleznik: zu wenig eingebunden, zu wenig gefragt, zu wenig gefordert - die Hochschulen und ihre gesellschaftspolitische Rolle.

Eine zentrale Rolle ordnet Kurt Koleznik, Generalsekretär der Fachhochschulkonferenz, den Hochschulen in Krisen zu - Dazu bedürfe es allerdings bestimmter Rahmen und Freiheiten

STANDARD: Hochschulen kommt in Krisen eine spezifische Rolle zu. Welche?

Koleznik: Sie waren immer schon Zentren für Reflexion, Orte der Stabilität in unsicheren und krisenhaften Zeiten. Das müssen sie auch sein - sie bilden ja für "die Zeit danach" aus, sind auf Zukünftiges ausgerichtet. Strategien entwickeln, Vorausschau üben - das halte ich für wichtig. Dafür benötigen Hochschulen aber auch besondere Rahmenbedingungen und Freiheiten.

STANDARD: Die Hochschulen sind selbst aber auch betroffen - die Universitäten dokumentieren das lauter und massiver als die Fachhochschulen ...

Koleznik: Ja, natürlich sind wir betroffen. Mit Unsicherheiten auf allen Ebenen: Unsere Rohstoffe werden knapp, Geld und in der Folge Motivation. Wenn die Menschen an den Hochschulen nicht mehr tun können, wozu sie da sind, dann ergibt sich daraus ein großes Motivationsproblem.

STANDARD: Wie weit sehen Sie die Motivation schon erodiert?

Koleznik: Im Fachhochschulbereich sehe ich uns relativ unbeschadet, weil nicht gespart wurde - im Gegenteil: Wir erhalten 500 neue Studienplätze pro Jahr auf drei Jahre. Die Verteilung ist noch offen, es werden gerade die Bedarfe erhoben, man wird sich wohl am Fachhochschulplan orientieren. Zudem hat der Wissenschaftsminister Mittel aus dem Strukturfonds versprochen - 150 Millionen Euro pro Jahr.

STANDARD:Mit welcher Zweckwidmung?

Koleznik: Forschung und Entwicklung sollen damit nachhaltig gestärkt werden, die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen verbessert werden. Wir warten noch auf ein Go. Forschung ist ganz wichtig für uns, es hat ja auch die FFG evaluiert, dass die Fachhochschulen eine strukturelle Rolle für das heimische Innovationssystem haben. Wir brauchen längerfristige Perspektiven und ganz andere Planungshorizonte.

STANDARD: Heißt das auch: gemeinsame Wege zum Doktorat, heißt das, FHs sollen Doktorate vergeben?

Koleznik: Mein Ziel ist die Gleichbehandlung, wenn um ein Doktoratsstudium angesucht wird.

STANDARD:Derzeit sind elf Prozent aller Studierenden an FHs - bleibt es beim Ziel von 25?

Koleznik: Ja, das ist unser Ziel.

STANDARD: Zurück zu den Hochschulen und ihrer gesellschaftspolitischen Rolle: Müsste da nicht auch etwas mehr Irritation für das System kommen?

Koleznik: Hochschulen als Brandstifter? Können sie, müssen sie aber nicht. Der Auftrag zur Reflexion könnte aber ernster genommen werden.

STANDARD: Kommunizieren Hochschulen ausreichend ihre zentrale Rolle für die Gesellschaft?

Koleznik: Nein, aber wir werden auch zu wenig eingebunden, zu wenig gefragt. Da sehe ich viel Aufholbedarf. Hochschulen gehören auch gefordert, die Gesellschaft muss sich dessen auch bewusster werden. (Karin Bauer, FH-STANDARD, April 2012)

KURT KOLEZNIK (50) ist Generalsekretär der Fachhochschulkonferenz (FHK); der Verein, in dem sich die heimischen Fachhochschulen organisieren, ist Vertretung und Plattform des Sektors. www.fhk.ac.at

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5 Postings
wie intelligent das männlein in die kamera schauen kann

trotzdem: die bildungsferne fastvolkshochschulkonferenz hat mit hochschule nichts zu tun. da nützt alles nix.

ein blinder der über farben redet

diese bildungsfernen fastvolkshochschulen haben mit hochschulen absolut nichts gemeinsam. schade um das viele geld das dort zur volksverblödung verbraten wird. diesen ausgesuchten fh-konferenzdeppen über hochschulen im allgemeinen schwadronieren zu lassen, ist mehr als befremdlich.

ich sehe es ähnlich

FH züchtet unkritische systemerhalter für die wirtschaft sind total undemokratische totale institutionen vollkommen verschult - da lernt man nicht selber denken aber bitte

irgendwo müssen die ameisen ja hin

vielen Dank für ihre klare Argumentation und profunde Aufklärung. Und ich hätte schon gedacht, die Fachhochschulen wären eine sinnvolle Ergänzung zu den Universitäten...

nein sicher nicht

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