"Mit Analysen und Jammern ist es nicht getan"

13. April 2012, 18:54
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Zwanzig Jahre abz*austria: Vergangenen Donnerstag wurde zu Vorträgen und zur Diskussion ins Haus der Gleichstellung geladen

Das Motto war Programm. Unter dem Titel "Future in Progress" lud das abz*austria diesen Donnerstag zur Matinee zum 20-jährigen Bestehen. Herbert Buchinger, Vorstandschef des Arbeitsmarktservice und Gastgeber, bekannte klar: Die Arbeitswelt sei nicht familien-, nicht kinderfreundlich. Dass viel erreicht sei und gleichzeitig viel zu tun sei, war Tenor der Matinee.

Jene Dimensionen, die eine vor 20 Jahren initiierte "experimentelle Arbeitsmarktpolitik" des abz* austria heute erreicht hat, sei nicht absehbar gewesen, rekapituliert Gründerin und Geschäftsführerin Manuela Vollmann. Die anfängliche Verunsicherung zur Positionierung des Non-Profit-Unternehmens für Gleichstellung am Arbeitsmarkt - ob Frauen-Kaffeekränzchen oder doch gefährlicher Emanzen-Verein? -, sei heute kein Thema mehr, sagt sie. "Meilensteine" wie das Programm für den Wiedereinstieg von Frauen mit Babys und Kleinkindern oder das Bildungskonzept "Arbeiten und Lernen" fanden Erwähnung. Heute gebe es keinen Mitbewerber, der keine Kurse für den Wiedereinstieg anbiete, kommentiert Vollmann zunehmende Konkurrenz. Aber, so sagt sie, man habe eben auch die Mission, irgendwann einmal überflüssig zu sein.

Vieles entwickle sich widersprüchlich

Es bewege sich zwar auf verschiedenen Ebenen - gesellschafts- bis unternehmenspolitisch - einiges, allerdings nicht im Gleichklang bzw. auch zu einem volks- und betriebswirtschaftlichen Nutzen, so der Tenor. Vieles entwickle sich widersprüchlich, so Margit Schratzenstaller-Altzinger (Wifo). So wurde von der Ökonomin das österreichische Steuersystem angesprochen, das keine großen Anreize für einen raschen Wiedereinstieg für Frauen biete, bei gleichzeitiger Betonung der Notwendigkeit von Frauen am Arbeitsmarkt. Oder: Der eklatante Mangel an Kinderbetreuungsplätzen - in quantitativer und qualitativer Hinsicht.

"Mit Analysen und Jammern allein wird's nicht getan sein", schaltete sich Autorin und Mitinitiatorin des Frauenvolksbegehrens Eva Rossmann in die Diskussion ein. "Man muss auch auf den Tisch hauen, Dinge einfordern, klare Ziele vorgeben, die auch messbar sind."Angesprochen wurde auch die Organisation als Spiegel einer gesellschaftlichen Realität.

Ergebnisse aus der Karrierenforschung kamen von Michael Meyer (WU Wien), und sie stellten keinen guten Befund aus: homophile Organisationen, eine Arbeitswelt, die familienfeindlich sei, Frauen, die nicht um jeden Preis Karriere machen wollen. Der Nutzen, den eine Gleichstellung bringen kann, ist erkannt. Die Frage, die auch Kurt Guwak (UniCredit Group) stellte, ist: "Sind wir in der Lage, als Gesellschaft und in Unternehmen all diese Talente und Potenziale zu nutzen?" Dass alle - Männer wie Frauen - 40 Stunden plus arbeiten, könne jedenfalls nicht das Leitbild einer Gleichstellung sein. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 14./15.4.2012)

  • Diskutierten in Wien im "Auftrag der Gleichstellung" (v. li.): Manuela Vollmann (abz*austria), Kurt Guwak (UniCredit Group), Margit Schratzenstaller-Altzinger (Wifo), Moderatorin Karin Bauer (KarrierenStandard), Autorin Eva Rossmann und Michael Meyer (WU Wien).
    foto: standard/fischer

    Diskutierten in Wien im "Auftrag der Gleichstellung" (v. li.): Manuela Vollmann (abz*austria), Kurt Guwak (UniCredit Group), Margit Schratzenstaller-Altzinger (Wifo), Moderatorin Karin Bauer (KarrierenStandard), Autorin Eva Rossmann und Michael Meyer (WU Wien).

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