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Die Deutsche Telekom, Kabel Deutschland und Unitymedia sind Finanz- und Unternehmenskreisen zufolge am Kauf des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus interessiert. Die Telekom schaue sich Tele Columbus an, da der Einstieg bei einem Kabelunternehmen für den Konzern viel Sinn mache, sagten zwei mit der Sache vertraute Banker am Freitag zu Reuters. Ob die Bonner bereits ein formelles Angebot abgegeben haben, sei aber nicht bekannt. Ein Einstieg beim mit 2,1 Millionen Kunden viertgrößten Kabelbetreiber des Landes wäre für die Telekom eine komplette Kehrtwende. Sie hat sich vor gut einem Jahrzehnt von ihrem Kabelnetz trennen müssen.
Aufstrebend
Nun kämpft der Dax-Konzern erbittert gegen die aufstrebenden Kabel-Konkurrenten, die ihm seit einigen Jahren zunehmend DSL-Kunden abjagen. Die Telekom wurmt besonders, dass Daten in den Kabelnetzen wesentlich schneller unterwegs sind.
Die Eigner von Tele Columbus verlangten mindestens 600 Mio. Euro, sagten zwei andere Insider. Das entspreche etwa dem sechs- bis siebenfachen des operativen Gewinns (Ebitda). Der Schuldenstand belaufe sich ebenfalls auf 600 Mio. Euro. Die Investmentbank Rothschild sei damit beauftragt worden, den Verkauf zu organisieren. Erschwert werde der Prozess jedoch durch die große Zahl der Gesellschafter, die bei Tele Columbus nach einer mühsamen Restrukturierung mittlerweile das Sagen haben.
Tele Columbus ist vor allem in Ostdeutschland sowie in Hessen und Nordrhein-Westfalen aktiv und der letzte der großen Kabelbetreiber, der noch zu haben ist. "Danach gibt es nichts mehr auf dem deutschen Markt", sagte einer der Eigner. Dementsprechend groß ist das Interesse in der Branche. Neben der Telekom prüften auch Unitymedia und Kabel Deutschland einen Einstieg, sagten mehrere mit dem Verkauf vertraute Personen. Kabel Deutschland schielt bereits seit Jahren auf Tele Columbus und ist Insidern zufolge auch in der Lage, den höchsten Preis zu rechtfertigen. "Die Synergien aus so einem Deal wären für Kabel Deutschland am höchsten", sagte eine der Personen. Beispielsweise bezieht Tele Columbus teilweise seine Fernsehprogramme von Kabel Deutschland. Zudem überlappen sich die Netze beider Unternehmen häufig - da lassen sich leicht Kosten sparen. Die genannten Unternehmen wollten sich dazu nicht äußern.
"Das bleibt bis zum allerletzten Tag eine Black Box"
Alle drei Interessenten müssen aber den Einspruch des Bundeskartellamts fürchten: Die Behörde steht Übernahmen in der Kabelbranche sehr skeptisch gegenüber und lässt sich nicht in die Karten schauen, welcher Deal durchgeht und welcher nicht. "Das bleibt bis zum allerletzten Tag eine Black Box", sagte der Insider. Insbesondere die Expansionsbestrebungen des in 13 Bundesländern vertretenen Marktführers Kabel Deutschland stoppten die Wettbewerbshüter schon einige Male. Seit kurzem hoffen die Münchner aber wieder auf eine neue Chance. Im Dezember hatten die Behörde die gut drei Milliarden Euro schwere Übernahme von Kabel BW durch Unitymedia nach monatelangem Zögern genehmigt. Unitymedia - eine Tochter des US-Konzern Liberty Global - musste den Kartellamt aber eine Reihe von Zugeständnissen machen.
Besonders streng dürften die Kartelljuristen einen Kauf von Tele Columbus durch die Telekom prüfen. Der ehemalige Staatsmonopolist hat in Deutschland trotz jahrzehntelanger Regulierung immer noch eine machtvolle Position. Allerdings erodieren die Umsätze im Kerngeschäft mit Telefon- und Internetanschlüssen - nicht zuletzt wegen der starken Kabel-Rivalen. Vor gut zwei Jahren war Tele Columbus knapp an der Pleite vorbeigeschrammt. Mehr als 100 internationale Gläubiger hatten der Kabelfirma Hunderte Millionen an Schulden erlassen und damit die Insolvenz abgewendet. Zugleich übernahmen sie Anfang 2011 das Ruder bei Tele Columbus, nachdem Verkaufsbemühungen mehrmals im Sande verlaufen waren. (APA/Reuters, 13.04.2012)
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