Mündige Konsumenten: Die Macht des Einzelnen

14. April 2012, 20:59
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Ruth Simsa vom Institut für Non-Profit-Management der WU Wien und Bestsellerautor Andreas Salcher stritten über die Frage: Wie schafft man Veränderung?

"Jeder will gut sein, trotzdem kommt oft etwas Schlechtes dabei raus. Wie kann es gelingen, mit der guten Absicht positive Ergebnisse zu erzielen?", fragt Ruth Simsa. Trotz Konsens in Bezug auf die Bedeutung der Macht des Einzelnen gibt es bei den Diskutanten nur marginale Anknüpfungspunkte in der gemeinsamen Beantwortung der vorhin gestellten Frage.

Salcher wünscht sich einen mündigen Konsumenten, einen politischen Bürger mit Problembewusstsein. Ebenso Simsa, die aber die Schaffung der notwendigen strukturellen Bedingungen betont, die die Einzelhandlungen erst nachhaltig werden lassen. Die Wahrnehmungswelten von Autor und Wissenschafterin zeigen kaum Überschneidungspunkte. Salcher vertritt die Position der partizipativen Gesellschaft, in der die Menschen "von unten" für Veränderung sorgen. Es gebe sicher Bewegungen, die dergestalt entstanden seien, gesteht Simsa dem Autor zu. Der Erfolg von Ideen Einzelner könne jedoch nicht zu einer nachhaltigen Bewegung werden oder sich zu größeren Organisationen formen. "Wir sind eine Organisationsgesellschaft", sagt sie. Das Gute zu wollen sei nicht ausreichend.

"Tu nicht mehr, als du musst"

Ohne Struktur und Handlungsanweisung gehe viel Potenzial verloren. Wichtig sei es daher, Bedingungen zu schaffen, die eine gute Verknüpfung der einzelnen Handlungen ermöglichen, betont sie. Erst dann können diese nachhaltig werden und Synergien entstehen. "Können wir mit unserer Haltung in unserer kleinen Welt etwas am Zustand der großen Welt verändern?", formuliert Salcher die Schlüsselfrage im Buch "Ich habe es nicht gewusst". Wir leben in einer Gesellschaft, in der es heißt: "Tu nicht mehr, als du musst", so der Autor. "Ich will die Macht und das Engagement des Einzelnen bestärken. Eine gute Idee braucht Gleichgesinnte, um so die Kräfte zu bündeln und besser nutzbar zu machen."

Salcher versuche, wie er sagt, seine Leser aus deren Komfortzone zu holen und ein Bewusstsein für Probleme zu schaffen, die es anzugehen gelte. Der Fokus liege auf den unentschlossenen 80 Prozent der Leserschaft, diese große Gruppe wolle er erreichen. Ein Buch könne keine Verhaltensänderung hervorrufen, sagt er, sein Ziel sei eine Gedankenveränderung beim Leser, eine positive Dynamik. Ruth Simsa kritisiert, dass das Buch jedoch beim bloßen Appell stehenbleibe. Das Kernproblem liege nicht im Aufzeigen von Möglichkeiten, sondern im Schaffen einer verbesserten Struktur, in der sich das positive Potenzial im Menschen realisiere. Es gehe darum, Einzelhandlungen in eine größere Bewegung zu transformieren und zu institutionalisieren. Der Druck, um Veränderungen herbeizuführen, müsse aus der Gesellschaft kommen, so könne sich die Idee eines Einzelnen manifestieren und auf eine politische Ebene überführt werden. (Carola Leitner, DER STANDARD, 14./15.4.2012)

  • Was kann einer alleine bewirken? Ruth Simsa (WU Wien) und Autor Andreas Salcher im Gespräch.
    foto: standard/urban

    Was kann einer alleine bewirken? Ruth Simsa (WU Wien) und Autor Andreas Salcher im Gespräch.

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