Kammersänger Heinz Holecek gestorben

13. April 2012, 13:28

War im Februar auf offener Straße zusammengebrochen - Gehörte ein halbes Jahrhundert zu den Lieblingen des heimischen Opern- und Operettenbetriebs

Wien - Der Opernsänger, Schauspieler und Entertainer Heinz Holecek ist am Freitag an seinem 74. Geburtstag in Wien gestorben. Holecek, von seinen Freunden liebevoll "Honzo" genannt, war im Februar auf offener Straße mit Atem- und Kreislaufstillstand zusammengebrochen und danach im Koma gelegen.

Der Allroundkünstler war unter anderem für seine Rollen als Frosch in der "Fledermaus" und als Zettel im "Sommernachtstraum", aber auch als Wienerlied-Interpret und Parodist bekannt. Er hinterlässt seine Frau Bärbel Holecek, seinen Sohn Sebastian, ebenfalls Opernsänger, und seine Tochter Rosina.

Stammhaus Volksoper

Am 13. April 1938 in Wien geboren, studierte Holecek nach der Matura bis 1958 Gesang am Wiener Konservatorium und an der Musikakademie. Seine ersten Auftritte absolvierte er im Alter von 21 Jahren im Wiener Musikverein. 1960 debütierte Holecek nach einer Absage Josef Meinrads als Papageno in Mozarts "Zauberflöte" an der Seite von Renate Holm an seinem späteren Stammhaus, der Volksoper.

Dem Publikum der Staatsoper stellte sich der junge Bariton erstmals 1962, ebenfalls in der Rolle des Papageno, vor. Zu seinen Lieblingspartien zählten der Figaro in Mozarts "Le Nozze di Figaro", Leporello in "Don Giovanni" und Schaunard in "La Boheme" von Puccini. Zahlreiche Gastspiele, Konzertauftritte und Wienerlied-Abende machten "Honzo" auch über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt.

Parodist und Verwandlungskünstler

Neben dem Gesang galt die große Leidenschaft des vielseitigen Künstlers bereits seit seiner Mittelschulzeit der Verwandlung. Als Parodist trat Holecek erstmals Anfang der 60er Jahre in einer TV-Show seines Freundes Oskar Czerwenka als Marcel Prawy auf. In den folgenden Jahren hatte er in diversen eigenen Fernseh-Shows wie "Fremde Federn", "Kein Solo für Holecek" und "1000 & 1 Parodie" mehrmals die Gelegenheit, seine Imitationskünste unter Beweis zu stellen. Zu seinen "Opfern" zählten Konrad Lorenz, Hugo Portisch, Curd Jürgens, Karl Merkatz, Frank Sinatra und Luciano Pavarotti.

Erfolge feierte Holecek, der 1977 zum Kammersänger ernannt wurde, auch als Schauspieler. So gab er etwa den Rappelkopf in Raimunds "Alpenkönig und Menschenfeind" sowie den Zettel in Shakespeares "Sommernachtstraum" bei den Salzburger Festspielen. Im Jahr 2000 feierte Holecek mit dem Rollendebüt als Doolittle in "My Fair Lady" das Jubiläum seiner 40-jährigen Bühnenkarriere an der Volksoper und erhielt das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse.

Betroffenheit in Kultur und Politik

Bereits kurz nach Bekanntwerden der Todesmeldung trafen die ersten Reaktionen aus Kultur und Politik ein. "Heinz Holecek war ein wichtiger musikalischer Botschafter Österreichs", würdigte Kulturministerin Claudia Schmied den "Allroundkünstler". Mit Holecek verliere "Wien eine der vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten der österreichischen Opern-und Operettenszene", so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny.

Betroffenheit bekundete auch die Wiener Staatsoper: Man trauere um eine "große Künstlerpersönlichkeit" und ein "langjähriges Ensemblemitglied", hieß es in einer Aussendung. Mit dem Kammersänger verliere "die Volksoper und die Musikwelt einen ihrer größten Lieblinge der letzten Jahrzehnte, einen Giganten unseres Ensembles, der sich mit unzähligen Rollen beginnend vom Papageno bis zum Frosch in die Herzen des Publikums gespielt hat", schrieb Volksopern-Direktor Robert Meyer. Trauer auch beim Wiener Tierschutzverein: "In der Person von Heinz Holecek hat die Welt nicht nur einen großartigen Künstler, sondern auch einen warmherzigen Tierfreund verloren." (APA, 13.4.2012)

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  • Allroundkünstler Heinz Holecek im Jahr 2008.
    foto: georg lembergh

    Allroundkünstler Heinz Holecek im Jahr 2008.

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