Herz-Risikofaktoren oft zu wenig bekannt

13. April 2012, 08:42

Ein Viertel aller Hypertoniker weiß über ihre riskanten Blutdruckwerte entweder nicht Bescheid oder aber bekommt keine Therapie

Mannheim - Wichtige Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck oder ungünstige Blutfettwerte sind in der Bevölkerung weit verbreitet, aber den Betroffenen nicht bewusst - bei Männern ist das häufiger der Fall als bei Frauen. Sind sie bekannt, werden sie trotzdem häufig nicht optimal behandelt. Das sind Eckdaten einer Studie von Forschern aus Mainz und Hamburg, die jetzt auf der 78. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung (DGK) präsentiert wurde. Von Mittwoch bis Samstag (11. bis 14. April 2012) diskutieren in Mannheim mehr als 7500 Teilnehmer aus rund 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

Im Rahmen der Mainzer „Gutenberg-Gesundheitsstudie" wurden insgesamt rund 10.000 Menschen zwischen 35 und 74 Jahren untersucht, je zur Hälfte Männer und Frauen. Insgesamt sammeln Männer mehr Risikofaktoren an. Am weitesten verbreitet ist in der untersuchten Altersgruppe der Risikofaktor Bluthochdruck mit 46 Prozent (50,2 Prozent bei Männern und 41,9 Prozent bei Frauen), gefolgt von ungünstigen Blutfettwerten (Dyslipidämie) mit 27,7 Prozent (35,6 Prozent der Männer und 19,9 Prozent der Frauen) und Adipositas mit 24,1 Prozent (Männer: 25,3 Prozent; Frauen: 22,9 Prozent). 20,8 Prozent der Untersuchten rauchen (Männer: 22,7 Prozent, Frauen: 19 Prozent), 16,6 Prozent (Männer: 15,6 Prozent; Frauen: 17,6 Prozent) sind wegen einer familiären Vorgeschichte von Herzinfarkt gefährdet und 6,1 Prozent (Männer: 7,7 Prozent; Frauen: 4,5 Prozent) leiden an Diabetes.

Unzureichende Behandlung

Dieser weiten Verbreitung von Herz-Risikofaktoren steht eine unzureichende Behandlung gegenüber, stellte die Untersuchung fest. Ein Viertel der Hypertoniker wussten nicht über ihre riskanten Blutdruckwerte Bescheid, bei 51,3 Prozent der Bluthochdruck-Betroffenen wurde dieser Risikofaktor nicht behandelt. Ihre Dyslipidämie war einem noch höheren Anteil, nämlich 34,9 Prozent der Betroffenen nicht bekannt, nur 7,2 Prozent der untersuchten Personen mit ungünstigen Blutfettwerten wurden dagegen behandelt.

„Die aktuellen Daten zeigen einen erstaunlich hohen Anteil von Menschen, die sich ihres Herz-Kreislauf-Risikos nicht ausreichend bewusst sind", so Jürgen Prochaska von der Medizinischen Klinik und Poliklinik und Centrum für Thrombose und Hämostase der Universitätsmedizin Mainz. „Wenn sie bekannt sind, werden die Risikofaktoren oft nicht oder unzureichend behandelt. Das bedeutet aber auch: Es gibt ein großes Potenzial, die Herz-Kreislauf-Krankheitslast zu verringern, indem wir die Diagnose und Therapie der klassischen Risikofaktoren verbessern." (red, 13.4.2012)

Was nützen die besten Tabletten, wenn die Menschen sich unnötig vollstopfen, trinken, rauchen und sich außer vom Kühlschrank bis zum Sofa nicht mehr bewegen!

Man macht den Risikofaktor zur Krankheit und damit zur Behandlungsindikation macht. Ein ewiges und erfolgreiches Mantra der Industrie. Dabei ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis oft nicht gegeben. Z.B. Grad1-Hypertonie (140-159/90-99): Erstens in der Primärprophylaxe kaum untersucht. Zweitens zeigen die meisten der wenigen diesbezüglichen Studien, dass in diesem Bereich bei Behandlungsdauer von 5 Jahren ca. 1 von 100 kardiovaskulären Ereignissen verhindert wird. 1 von 100! Bei 99, die das Medikament einnehmen, bringts nichts! Betrachtet man auch das Risiko durch Medikamentennebenwirkungen, dürfte der Effekt sogar eher negativ sein. Ganz abgesehen von den Medikamentenkosten und der Frage, ob nicht z.B. 30min Gehen pro Tag mehr Nutzen brächte.

Ergänzend dazu kann man noch anmerken, daß die Grenzwerte in den letzten Jahrzehnten stetig nach unten korrigiert wurden und somit automatisch ein Großteil der Menschen für "krank" erklärt werden.

Die wollen schon wieder mehr Tabletten teuer verkaufen

deren Wirkung sie nicht einmal selbst genau kennen.

Diese korrupte Pharmaindustrie kriegt den Hals so lang nicht voll, bis sie an sich selbst erstickt ist...
typischer Fall von 100% Sterberisiko.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.