Machtsituation unklar

13. April 2012, 14:16
  • Von der Eingangstür des Hauses von Ministerpräsident Carlos Domingos Gomes Junior blieb nicht viel über.
    foto: apa/epa/peixero

    Von der Eingangstür des Hauses von Ministerpräsident Carlos Domingos Gomes Junior blieb nicht viel über.

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Regierungschef Gomes Junior offenbar von Militärs verschleppt - Umsturz vor Präsidentenstichwahl

Dakar/Bissau - In Guinea-Bissau haben Soldaten nach Angaben örtlicher Medien am Donnerstagabend Granaten auf das Haus von Ministerpräsident Carlos Domingos Gomes Junior abgefeuert. Auf den Straßen der Hauptstadt Bissau habe es zudem heftige Schießereien gegeben. Am Freitag war die Lage in Bissau zunächst zwar ruhig, die Machtsituation aber unklar.

Sprecher der Regierungspartei PAIGC versicherten dem portugiesischen Radiosender TSF zwar, Gomes Junior sei wohlauf und "an einem sicheren Ort". Doch die Ehefrau des Ministerpräsidenten, Salome Gomes, sagte Reportern am Freitag, ihr Mann sei von aufständischen Militärs festgenommen und auf der Ladefläche eines Pick-ups an einen unbekannten Ort verschleppt worden. Auch der Interimspräsident Raimundo Pereira wurde von Soldaten festgenommen, wie einheimische Journalisten berichteten.

Zwei Wochen vor Stichwahl

Die Unruhen in Bissau ereignen sich gut zwei Wochen vor der für 29. April angesetzten Präsidentenstichwahl. Ministerpräsident Gomes Junior hatte im März die erste Runde klar gewonnen und galt als Favorit auf die Nachfolge des im Jänner an Diabetes gestorbenen Staatschefs Malam Bacai Sanha.

Gomes Juniors Rivale Kumba Yala hatte jedoch angekündigt, die Stichwahl wegen Unregelmäßigkeiten boykottieren zu wollen. "Es wird keinen Wahlkampf geben, das garantiere ich", hatte er erst am Donnerstag kurz vor dem Militärcoup erklärt. Yala soll enge Beziehungen zum Militär unterhalten und wurde schon in vergangenen Jahren für Putschversuche verantwortlich gemacht.

"Wissen nicht, was sich zurzeit abspielt"

Die Regierung der früheren Kolonialmacht Portugal rief "vehement zur Beendigung aller Gewaltakte und zur Achtung des Gesetzes" in Guinea-Bissau auf. Angolas Außenminister Georges Chicoti räumte am Freitag ein: "Die Lage in Bissau ist nicht gerade die beste, wir wissen nicht, was sich da zurzeit abspielt." Der Ministerrat der Gemeinschaft Portugiesischsprachiger Länder (CPLP) berief für Samstag ein Krisentreffen in Lissabon ein.

Die USA forderten am Freitag die Wiederherstellung einer "legitimen zivilen Regierung" und forderten alle Parteien auf, ihre Waffen niederzulegen. "Es ist bedauerlich, dass Teile der Armee Guinea-Bissaus sich entschieden haben, den demokratischen Prozess zu stören", hieß es von der US-Botschaft im Senegal. Auch die Afrikanische Union (AU) zeigte sich besorgt. In einer Aussendung sprach das AU-Sekretariat in Addis Abeba von "eklatanten Akten der Disziplinlosigkeit" der Armee in Guinea-Bissau und forderte eine Einhaltung der verfassungsmäßigen Ordnung.

Bei den Unruhen in Bissau hatten Soldaten laut Medien die wichtigsten TV- und Radiosender des Landes geschlossen, die Zentrale der Regierungspartei besetzt und mehrere Botschaftsgebäude umstellt. Auf den Straßen sei Panik ausgebrochen, hieß es. Nach Informationen des Senders RDP wurde mindestens ein Mensch getötet. Die Schüsse und Explosionen hörten nach mehreren Stunden auf.

Immer wieder Staatsstreiche des Militärs

In Guinea-Bissau ist es seit der Unabhängigkeit von Portugal 1974 immer wieder zu Aufständen und Staatsstreichen durch das Militär gekommen. Seither hat kein Präsident eine volle Amtszeit von fünf Jahren überstanden. Das Land am Atlantik, das zwischen dem Senegal und Guinea liegt, ist bitterarm. Es belegt auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen einen der letzten Plätze.

Guinea-Bissau ist bereits der zweite Staat in Westafrika binnen weniger Wochen, in dem Militärs putschen. Am 22. März hatten meuternde Soldaten in Mali Präsident Amadou Toumani Toure gestürzt. Auf Druck der Nachbarländer und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) machten sie inzwischen jedoch den Weg für eine zivile Übergangsregierung frei. (APA, 13.4.2012)

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15 Postings
Der Krisenbogen schließt sich...

In der Sendung "Mit offenen Karten" auf Arte ist einmal die Rede von einem Nordafrikanischen Krisenbogen der in einem "Weißbuch zur Verteidigung und Sicherheit Frankreichs" erwähnt wird.

Mit den aktuellen Entwicklungen schließt sich also der Bogen von Guinea über Mali, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten bis in den Iran, Afghanistan und Pakistan.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

http://www.big-picture.info/

T.I.A

bei den dauernden aufständen/putschs etc. ist es kein wunder, wenn der staat arm ist und auch bleibt.

der staat ist arm, weil er bis 1974 von den portugiese. ausgebeutet wurde!

und fast 40 jahre sind als regenerationszeit natürlich viel zu kurz oder wie?

mir kommt vor die afrikanischen länder sind nie selbst an ihrem schicksal schuld. entweder sinds die bösen, ausbeuterischen westkonzeren, die ölfirmen, die amerikaner. wer auch immer. aber eigenverantwortung oder so scheints nicht zu geben...

Sie haben Sich noch nie wirklich mit afrika beschäftigt, oder?

mal abgesehen davon, dass afrika der ursprung der menschheit und fast jeder kultur ist, darf ich mal darauf aufmerksam machen, dass afrikanische intellektuelle zunehmend für einen afrikanischen sonderweg plädieren: alle einflüsse anderer kontinente inkl. entwicklungshilfe raus.
wer hätte mit diesem programm das größte problem? na zB handybesitzerInnen außerhalb afrikas... leiterplattenproduzentInnen und notebooknutzerInnen, das e-auto könnte nie marktreif werden....
die dazu notwendigen rohstoffe kommen nämlich fast alle aus afrika.

afrikanische intellektuelle? wenn das auch solche träumer sind wie unsere na dann gute nacht.

wie soll das funktionieren? kein handel mehr mit außerafrikanischen staaten? keine entwicklungshilfe mehr?

dann gibts da unten nur noch hunger, mord & totschlag. wem fällt bitte sowas ein?

Sie irren...

hunger gibt es in afrika, weil subventionierte lebensmittel aus der eu den regionalen markt zerstören und die lokalen produzentInnen in den ruin treiben. mord und totschlag, weil es lukrativ für lokale warlords ist, sich für die interessen von konzernen gegenseitig abzuschlachten.
afrika produziert mehr lebensmittel als zur ernährung der bevölkerung notwendig ist

alles schön und gut, aber zu allererst müsste man den ganzen kontinent einmal zivilisieren um hier nachhaltig ruhe und frieden für die bürger dort zu schaffen. das wird aber nur mit internationalen kräften gehen.

ich glaube aber ohnehin, dass sich dort unten nicht viel ändern wird. schon allein weil länder oder kontinente keine freunde haben, sondern interessen. und das internationale interesse besteht wohl zweifelsfrei im freihandel.

die zivilisation...

...kommt aus afrika...

Fördermengen von Coltan

Australien 435to
DR Kongo 383to
Brasilien 180to
Äthiopien 77to
Kanada 45to
Ruanda 42to
andere 43to

Das beste beispiel für die folgen des kolonialismus stellt griechenland dar. Vor dem verlust der eigentlichen souveränität im.15jh waren die griechen die gebildetsten europäer und hatten den höchsten lebensstandard. Von den 300jahren jahren kolonialzeit haben sie sich in den letzten 200jahren noch nicht erholt. Wenn man schon blosse Zahlen in Betracht zieht.

Wow, was für eine Meinung

Hallo,

Also das Hauptproblem ist definitiv die Ausbeutung und die Zerstörung der Lebensräume in Afrika. Die dortigen Herrscher verdienen ordentlich mit während das Volk absolut Macht- und Mittellos ist. Ich frage mich inwiefern die Eigenverantwortung übernehmen könnten? Die Mittel dazu wurden doch entfernt. Zudem werden die afrikanischen Länder mit System in die Schuldenfalle getrieben. Von sogenannten "Economic Hitman" (Ich empfehle Ihnen das gleichnamige Buch von John Perkins) Die Doku "Der Fall Coca Cola" ( https://www.youtube.com/watch?v=p4tTSKzBFV0 ) zeigt die Versuche afrikanischer Arbeiter eine Gewerkschaft zu gründen. Es wurden solange Gewerkschaftsführer umgebracht bis diese zusammenbrach. http://www.big-picture.info/documents/P2

ein bisschen banal, diese einsicht, …

...

cabo verde, das gemeinsam mit guiné-bissau unabhängig geworden ist (man strebte damals sogar eine politische union der beiden länder an) steht trotz ökonomischer ausbeutung und politischer unterdrückung während der portugiesischen kolonialherrschaft weitaus besser da:

"Politically, the country is a very stable democracy, with notable economic growth and improvements of living conditions despite its lack of natural resources, and has garnered international recognition by other countries and international organizations, which often provide development aid. Since 2007, Cape Verde has been classified as a developing nation."
(quelle: en.wikipedia.org.)

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