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Der Urösterreicher gedeiht in der neuseeländischen Märchenlandschaft - in bekannter Pfeffrigkeit und in neuen exotischen Gaumennuancen.

David Cox macht den Weinliebhabern der Nordhalbkugel neuseeländische Kreszenzen schmackhaft.
Dank Herr der Ringe weiß die Welt, wie spektakulär schön neuseeländische Landschaften sein können. Dasselbe gilt auch für die Weinlandschaften. Selbst wenn man unterstellt, dass dem Grün der Weingärten per Photoshop nachgeholfen wurde: Die hohen Berge geben einen malerischen Hintergrund für Weingärten, die sich dann oft genug auch noch in Wasserflächen spiegeln.
Die Dimensionen sind überschaubar. Auf knapp 35.000 Hektar erzeugen knapp 700 Betriebe Wein, meist in Familienstrukturen ähnlich wie in Österreich. Es gibt elf Weinbaugebiete, verteilt auf die Nord- und die deutlich frischere Südinsel. Das Klima ist sehr kühl, was sich im Weinstil niederschlägt: Neuseeländische Weine fallen durchwegs durch Aromen auf, die - variierend je nach Rebsorte - an einen bunten Salat aus exotischen Früchten erinnern.
Exportweltmeister
Sauvignon Blanc wurde in kürzester Zeit zum Schlager, Neuseeland damit zum Exportweltmeister. Doch 2008 schlitterte man in eine Absatzkrise, da es nach massiven Auspflanzungen plötzlich sehr viel davon gab. Und es schien, als ob die Welt gesättigt wäre mit Weinen, die bis an die Schmerzgrenze exotisch schmecken können. Doch kaum hatte man Hype und Überproduktion im Griff, schoben die Neuseeländer mit Pinot noir nach, was wieder Aufmerksamkeit auf sich zog: Zusammen mit Riesling gilt Pinot, dessen Urheimat Burgund in Frankreich ist, als die edelste internationale Cool-Area-Sorte. Allerdings hat man aus früheren Entwicklungen gelernt und produziert nicht mehr auf Teufel komm raus. Und nachdem man sich an die Pinot-noir-Idee gewöhnt hatte, hört man vom Grünen Veltliner, der im großen Stil ausgepflanzt würde.
"So groß ist der Stil auch wieder nicht", relativiert David Cox, Europa-Chef von New Zealand Wine, einer In-stitution, die alle neuseeländischen Weingüter vertritt, im Gespräch anlässlich der Fachmesse ProWein in Düsseldorf. Es seien rund zehn Hektar und etwa 15, 16 Winzer, die sich mit der Sorte befassten. Die Anlagen seien durchwegs sehr jung. "Grüner Veltliner ist für Neuseeland interessant, gerade weil es eine alte Rebsorte ist, die sich dank ihrer mineralischen Qualität für kühle Weinbaugebiete sehr gut eignet. Und das Image des Veltliners in der Welt ist hervorragend." All das passt bestens zu einem Land, das sich als Weinbauland der Alten Welt versteht, das nur zufällig in der Neuen Welt gelegen ist.
Veltliner-Winzer
Nach Neuseeland kam der Veltliner durch Exilösterreicher. Hermann Seifried wanderte 1970 aus und begann 1973 gemeinsam mit seiner neuseeländischen Frau Agnes mit Weinbau in Nelson, einem Gebiet an der Nordspitze der Südinsel, in dem heute der meiste Veltliner zu finden ist. Alle Veltliner-Winzer in Einigkeit pflanzen ihn auf steinige Böden, obwohl auch Lehm vorhanden wäre. "Dadurch wird er aromareicher", erklärt Seifried und stellt auch gleich klar: "Wir wollen nicht österreichischen Wein kopieren. Wir sind stolz darauf, unsere eigene Charakteristik zu haben."
John Forrest von Forrest Estate in Marlborough, einem Gebiet, das von Nelson durch eine Bergkette getrennt ist, präsentierte mit dem Jahrgang 2010 seinen ersten "The Doctor's Grüner Veltliner". Im Oktober letzten Jahres spekulierte er im britischen Weinmagazin Decanter offen: "Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass wir mit dem Grüner das machen könnten, was wir mit Sauvignon Blanc vor 30 Jahren getan haben. Was ich bisher verkosten konnte, fand ich sehr aufregend."
Während der Decanter Cox damals noch damit zitiert, dass "die Rebsorte das Zeug hätte, das Weinbaugeschehen mitzubestimmen", ist Cox Anfang März in Düsseldorf zurückhaltender: "Wir sagen bestimmt nicht, das ist die Zukunft. Aber es ist eine Rebsorte, die sich zu bewähren scheint. Sie ergänzt die Weine unseres Stils auf gute Art."
Gut für das Mutterland
Auf der hiesigen Seite der Weltkugel beobachtet Wein-Österreich interessiert, aber "völlig angstfrei" die Entwicklung, wie es Willi Klinger, Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing, ausdrückt. "Wenn in Ländern wie Neuseeland, wie übrigens auch in Australien und den USA, Veltliner gepflanzt wird, kann das für das Mutterland dieser Sorte nur von Vorteil sein." Und es werde Hochwertiges daraus gemacht. "Wichtig ist, dass nicht mit Schleuderpreisen die Billigschiene bedient wird", so Klinger.
Und wie schmeckt er nun, der Vetter aus der südlichen Hemisphäre? Hermann Seifrieds "Nelson Grüner Veltliner" Jahrgang 2010 ist ein mittelgewichtiges Exemplar, das fein nach Passionsfrucht und andern exotischen Früchten schmeckt, wie es der Neuseeland-Stil erwarten lässt, jedoch deutlich zurückhaltender, als man nach früheren Sauvignon-Blanc-Erlebnissen befürchten könnte. Überlagert wird das Ganze durch ausgeprägten Gewürznoten nach Koriander- und Pfefferkörnern. Sehr veltlinerisch und doch - neuseeländisch anders. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 13.04.2012)
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in Deutschland gibt es ebenfalls, aber nur bei einigen Weinbauern, den Grünen Veltliner. Und, Überraschung, er schmeckt hier "Deutsch", wirkt also mineralisch (was immer das ist), kühl, dazu meist etwas überfruchtig, bewahrt sich aber auch hier das Pfefferl und den Grundton nach Boskop-Äpfeln mit Schale. Unkaputtbare Sorte, süß und herb zugleich, sehr österreichisch, dazu ein wenig unbestimmt, aber dennoch nachhaltig. Ich freue mich auf alle GV von wo auch immer, unseren besten Exportartikel in Sachen Wein. Denn: wer den Exoten mag, kommt früher oder später auf das Original zurück.
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