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Frank Lloyd Wrights fesches Großraumbüro für das Johnson Wax Building in Wisconsin und seine von Steelcase produzierten Büromöbel. Erbaut wurde es von 1936 bis 1939.
Ein wenig "Heimweh nach gestern" vermittelt der Streifzug durch die Höhepunkte der Designgeschichte des letzten Jahrhunderts im Museum of Modern Art in New York. Shaping Modernity 1880-1980 heißt die Schau und zeigt in vier Abschnitten, wie sich die verheißungsvolle Vision eines neues Stils zum vertrauten Design unserer liebsten Konsumgüter entwickelte.
Zunächst fällt es beim Rundgang nicht schwer, die von Josef Hoffmann oder Hector Guimard ablehnende Haltung gegenüber der Vereinheitlichung durch indus-trielle Massenproduktion nachzuvollziehen. Damals wie heute gilt das Verlangen nach mehr Authentizität, Qualität und Natur. Beim Anblick von Gaudis Gebetsbank oder Mackintoshs Side Chair kommt man nicht um die Nostalgie, um die tiefe Romanze mit der Handwerkskunst, herum. Auch wenn Victor Papanek, der Befürworter des praktischen Designs, der Begriffe wie Öko- oder Social- Design bereits vor Jahrzehnten prägte, sich bei letzterem Objekt einmal fragte, ob dessen Benutzer wohl einen langen Torso, aber grotesk kurze Füße hat.
Denn es geht natürlich auch um die Funktion, der die Form zu folgen hat. Geprägt hat das Diktum schon der Vater der amerikanischen Moderne, Louis Sullivan. In Europa übernahmen dieses alsbald der AEG-Industriedesigner Peter Behrens und schließlich das Bauhaus im Bemühen, die Kunst mit dem Wesen der Maschine zu versöhnen. Die dabei entstandende funktionsorientierte Ästhetik fand wiederum von jeher bei den Zuständigen des MoMA als "Good Design" großen Anklang.
Mind, Body, Machine
Die Aufregung um das unbekannte Neue der Moderne offenbart sich im Hause eindrucksvoll durch die klare, symmetrische Grafik der Werbeplakate, die zum Beispiel das aufkommende Reisefieber mit dem Dampfschiff dokumentiert - nicht zu Unrecht von Großmeister Le Corbusier als der erste Schritt zur Entfaltung des neuen Zeitgeists interpretiert. So steht das Ganze wohl auch symbolisch für das Übereinandergreifen des europäischen Erbes der Formgebung und des auf visuelle Stärke ausgerichteten amerikanischen Designs.
Der unter Mind, Body, Machine zusammengetragene Teil, der sich um die Zeit von 1925 bis 1940 dreht, wartet mit Möbelstücken entsprechender Reduziertheit auf. Frank Lloyd Wrights Bürostuhl zum Beispiel wurde als Spezialauftrag für das von ihm entworfene Johnson-Wax-Gebäude von Steelcase gefertigt. Heute kaum vorstellbar, dass das Unternehmen als Metall Office Co anfänglich Stahlmöbel produzierte. Immer wieder wird einem während des Rundgangs in Erinnerung gerufen, dass die innovative Natur vieler Exponate mit der Neuheit des Materials einherging. Dank seines kurzzeitigen Einsatzes als Penny ist das anmutende Bakelit-Plastik ebenso fester Bestandteil der amerikanischen Geschichte wie die Freiheitsstatue. Verwendung fand es in Radios, Topfgriffen, Armreifen und im Bauhaus-Telefon.
Vergeblich sucht man eigenartigerweiße, abgesehen vom legendären "Meat Slicer" (Modell 410) von 1940, einem Prachtstück von Wurstschneidemaschine, nach weiteren frühen Beispielen des sogenannten Streamlining. Nicht nur hat es die USA aus der Krise der 1930er mitgerettet, sondern die Moderne stilistisch für sich definiert.
Nostalgie
Im Vergleich dazu vermittelt der unaufdringliche "Transistor Radio", geschaffen vom Braun-Industriedesigner und Großmeister Dieter Rams, die Prinzipien der Langlebigkeit, der Nachhaltigkeit und Innovation, mehr Aktualität denn je.
Die Ausstellung, bestückt mit rotierenden Beständen aus der MoMA-Sammlung, widmet sich unter anderem auch dem Design mit Sperrholz. Preisgegeben wird der Flirt des Ehepaares Eames mit dem US-Militär, für dessen Navy Division sie 1942 eine Beinschiene konzipierten - und deren wenig erfolgreiche Mitarbeit an einem Gleitflugzeug. Späteren Entwürfen wie dem "Lounge Chair" kommt ihre praktische Erfahrung mit dem Material jedoch schließlich mehr als nur zugute.
Was hat es nun aber auf sich mit dem nostalgischen Empfinden um die Moderne? Leider war es nicht gestattet, dafür den experimentellen "Mind Expander / Flyhead Helm" (mit seiner angedachten Fähigheit der Wahrnehmungsveränderung) der österreichischen Gruppe Haus-Rucker-Co zu testen.
Leihen wir uns an dieser Stelle halt noch einmal Victor Papaneks Worte: "Sie verleiht allem einen sammlerischen Wert ... Nostalgie hat Designs wiederaufleben lassen ... und mit Bedeutungen versehen, von denen die meisten jedoch Verkaufsexperten entstammen." (Sandra Pfeifer, Rondo, DER STANDARD, 13.4.2012)
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