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STANDARD: Ihr Urgroßvater war Deck-Maschinist auf der White-Star-Line und wollte mit der Titanic nach New York fahren ...
Susan Millar: Seine Frau war gestorben und er glaubte, seiner jungen Familie in Amerika ein besseres Leben verschaffen zu können. Sein Plan war, in New York für die Reederei weiter zu arbeiten und die Kinder nachkommen zu lassen.
STANDARD: Der Untergang der Titanic war in Belfast lange ein Tabuthema. In Ihrer Familie auch?
Millar: Mein Großvater war fünf Jahre alt, als ihn die Titanic zum Waisen machte. Er hat später eine Kurzgeschichte über seine Kindheit geschrieben, davon abgesehen ist die Titanic bei uns nie erwähnt worden.
STANDARD: Warum war das so?
Millar: Alle Welt war schockiert. Viele Menschen hatten auch das Gefühl, dass ihr Stolz auf das Schiff gewissermaßen bestraft worden war. Statt sich mit diesen Gefühlen auseinanderzusetzen, hat man sie unter den Teppich gekehrt.
STANDARD: Jetzt kann man sich kaum noch retten vor Titanic-Geschichten und -denkmälern. Wie kam es zu dem Wandel?
Millar: Zunächst durch die Entdeckung des Wracks 1985 und dann James Camerons Titanic-Film von 1997. Als die nordirischen Unruhen zu Ende gingen, gab es so gut wie nichts in Belfast, was man den plötzlich eintrudelnden Titanic-Interessierten hätte zeigen können. Zugleich lag wegen des Niedergangs der Harland-and-Wolff-Werft Land im Hafen von Belfast brach. Es war sinnvoll, es als "Titanic Quarter" zu entwickeln. (Peter Nonnenmacher, DER STANDARD, 13.4.2012)
Susan Millar (45), Journalistin und Buchautorin, leitet die Titanic Tours Belfast. Ihr Urgroßvater
Thomas Millar starb 33-jährig beim Titanic- Unglück.
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