Was auch gesagt werden muss

Kommentar | Alexandra Föderl-Schmid, 12. April 2012, 18:42

Günter Grass überzieht mit seiner Kritik und will vor allem recht behalten

Jetzt reicht es: Die Debatte über Günter Grass und sein als Gedicht getarntes Pamphlet "Was gesagt werden muss" und das von Israel verhängte Einreiseverbot ist gerade abgeflaut, da legt er noch einmal nach. Sein Vergleich Israels mit der DDR und Burma ist völlig überzogen. Der Schriftsteller schafft das schier Unmögliche, die hysterische und unkluge Reaktion der israelischen Regierung, Grass zur Persona non grata zu erklären, noch zu überbieten.

Israel hat Grass mit dem Einreiseverbot einen großen Gefallen erwiesen, er konnte sich als Attackierter stilisieren. Grass wirft in seinem Gedicht Israel vor, einen atomaren "Erstschlag" vorzubereiten mit dem Ziel, das "iranische Volk auszulöschen". Damit rückt er den Iran in die Opferrolle und macht Israel zum Aggressor.

Grass polemisiert und pauschalisiert: Er schreibt Israel und meint in Wahrheit die Politik der Regierung von Benjamin Netanjahu. Er blendet aus, dass der iranische Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad Israel wiederholt als "Schandfleck" bezeichnet hat, der "aus der Mitte der islamischen Welt beseitigt werden muss". Israel muss sich deshalb gefährdet fühlen und denkt über seine Verteidigung nach.

Netanjahus Kriegsrhetorik kann, darf und muss kritisiert werden, wie dies auch US-Präsident Barack Obama gemacht hat. Israel ist Atommacht, hat - anders als der Iran - den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben. Die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde dürfen die relevanten Anlagen nicht kontrollieren - was die internationale Gemeinschaft aber vom Iran verlangt. Das wird häufig ausgeblendet.

Auch die Tatsache, dass Netanjahu trotz UN-Resolutionen den Siedlungsbau in Palästinensergebieten fortsetzen lässt, muss immer wieder kritisiert werden. Das verstößt gegen internationales Recht und wird nicht geahndet.

All das muss gesagt werden - aber das hat Grass eben nicht geschrieben. Sein Gedicht, sein Interview und nun "meine Antwort auf jüngste Beschlüsse", wie Grass sie nannte, machen deutlich, worum es dem Literaturnobelpreisträger eigentlich geht: recht zu haben und recht zu behalten. Wenn er klagt, dass Israel "keiner Ermahnung zugänglich" ist, dann will er auch maßregeln.

Wie er es ebenso mit den Kritikern in den Medien macht: Er lässt jede Differenzierung missen und spricht von "Hordenjournalismus" und Gleichschaltung - einem Begriff, der aus der NS-Zeit stammt. Und er will sich in diesem Zusammenhang auch nicht seine Vergangenheit vorhalten lassen, dass er als 17-Jähriger sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hat. Aber seit sich Grass erst 2006 dazu bekannt hat, ist er seine Rolle als Moralinstanz los. Auch das muss gesagt werden.

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Wer pauschal urteilt, muss auch pauschale Beurteilungen hinnehmen. Das gilt auch für einen Groß-Schriftsteller wie Grass. Viele Reaktionen in Deutschland wie Israel waren jedoch überzogen: Grass wurde als Irrer, Nazi und Antisemit beschimpft.

Der Autor der wunderbaren Blechtrommel wusste sehr wohl, was er schreibt und wie er das, was er meinte, sagen zu müssen, beschreibt. Was in einem Menschen nicht drinnensteckt, kommt nicht zum Vorschein.

Seine Motivation ist aber nach wie vor unklar - auch wenn ihm die "Süddeutsche Zeitung" Platz für Gedicht, Interview und Replik einräumte - und im Gegenzug mit Kritik sparte. Auch das hätte Grass sagen müssen. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 13.4.2012)

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Entscheidend ist:
Hat die Medienstrategie Ablenkung von der Frage der israelischen Atomwaffen und eines israelischen Angriffs samt der Frage mit welchen Waffen die unterirdischen Waffen zerstört werden können auf die Person Grass Erfolg gehabt?

Was gefragt werden muss

Auffällig:
Jene die Grass angreifen sindoffenbar der Meinung das es ohne Lüge nicht geht.
Was gestehen sie damit, wenn sie quasi zugeben, Grass nicht mit Fakten und Argumenten bezwingen zu können?

Kriegsbegeisterung will nicht so recht aufkommen

Nicht dass man tatsächlich so wahnsinnig wäre, den Iran anzugreifen (ich hoffe zumindestens nicht), aber ein bißchen mehr vom Rohstoff Angst wünscht man sich schon. Schließlich wird Deutschland noch immer am Hindukusch verteidigt.

http://www.linkswende.org/5759/Die-... gsluestern

Am lustigsten ist Profil.
Die israelischen Stützpunkte in Aserbeidschan werden in der aktuellen Ausgabe tatsächlich als Neuheit verkauft.
Man lese, staune und schüttle den Kopf.

Trotzdem glaube ich

dass es der isralischen REgierung ziemlich egal ist was andere über sie denken. Und sie wird sich auch von nix und niemand davon abhalten lassen Schritte gegen den Iran zu unternehmen. Schon gar nicht von Leuten wie Grass. Die Geschichte mit Grass könnte eher sogar zu einer Trotzreaktion Israels führen frei nach dem Motto "Jetzt erst recht".

Israels Militär ist vom Ausland abhängig.

Seine Motivation sei unklar.
Was wäre, wenn seine Motivation einfach darin bestünde, dass er einen Erstschlag mit darauffolgender (auch atomarer) Eskalation für möglich hält oder befürchtet - und das darauf reflexmäßig erfolgte A-sem-gewäsch völlig überflüssig wäre?

Was wäre wenn mein Hund in ihren Garten macht

und das darauf folgende Gewäsch völlig überflüssig wäre?
Israelkritiker haben nichts außer Mutmaßungen, Was-wäre-wenn Fragen und Denunziationen:
Es reicht schon etwas als A-sem-Gewäsch zu bezeichnen, das ist für sie schon ein Argument. Weil sie nichts Substantielles erwidern können reicht schon die Denunziation aus um den Reflex her zustellen, dass der Vorwurf des Antisemitismus das Problem sei.
Besser kann es der Antizionist nicht sagen.

"Israelkritiker haben nichts außer Mutmaßungen, Was-wäre-wenn Fragen und Denunziationen"

keineswegs

man muß sich doch nur anhören, was z.b. hr. netanjahu z.b. vor dem us-kongreß sagt

Wunderbarer Vergleich - jetzt haben wir die aggressive Paranoia beisammen
Ich richt also ein Maschinengewehr auf meinen Nachbarn, aus dessen Äußerungen ich eine Bedrohung herausgelesen habe, du stellst dich an meinen Zaun um mir vor Augen zu führen was ich hier treibe, und dein unsauberer Hund macht auch noch Probleme, die ich der Weltöffentlichkeit mitteilen werde

und da ist er schon wieder: der vorwurf der "antisemitismuskeule".

hier nur anders genannt, "darauf reflexmäßig erfolgte A-sem-gewäsch". reflexartig, also nicht überlegt, sondern einfach so kommt das antisemitismusgewäsch. egal, was forscher und forscherinnen auf dem gebiet der sozialwissenschaften dazu sagen, egal die tausende posts, die aufgrund de sgedichts ihren israelhass hervorgegraben haben, egal, dass nazis genau so argumentieren, wie auch hier im forum, alles wurscht, alle vorwürfe geschehen "reflexartig".

ja - sieht man doch sehr schön an ihrem posting

da wird die israelische politik kritisiert, und sie jammern, "dass nazis genau so argumentieren"

q.e.d.

es stimmt schon, was kürzlich ein kommentator meinte:

natürlich ist kritik an israel nicht tabu. nur wird, wer sie äußert, sofort als antisemit diffamiert

Welche Beweiskraft haben Postings in einem zensierten Forum?
Da kommt nur durch was einfach genug ist damit der Zensor es versteht.

Also mit reflexmäßig erfolgtem A-sem-gewäsch beweisen zu wollen, dass es reflexmäßig erfolgtes A-sem-gewäsch nicht gibt oder nicht geben kann, scheint mir keine sehr erfolgversprechende Methode zu sein

aber es kommt ncit nur einmal, sondern es kommt - zumindestens in foren - zu hundert daher und dann auch immer - und zwar wirklich _immer_.

nicht ab und zu, bei jedem 3. artikel, sondern unter jedem artikel wo es um antisemitismus geht.

Die stets gut unterrichteten Journalisten versichern allen Lesern aber, daß sowohl die Politiker dort, als auch die Massenvernichtungswaffen lediglich zweitschlagsfähig sind, daß nur der angereicherte Grass erstschlagfähig ist und demgemäß journalistisch entschärft gehört.

Denke, da wird nichts passieren, nachdem nun, der vom Nahen Osten ausgehende, Weltfrieden herbeigeschrieben wurde.

Es ist beruhigend zu wissen

daß reine Zweitschlagsatombomben existieren, die nie auf eventuelle, freche Erstschlagaktivierungen reagieren würden.

Praktisch regierungskritische Atombomben.

Ein technischer Fortschritt!

Schläft man gleich viel besser.

Jetzt muß es nur noch der überhaupt nicht selbstgleichgeschalteten Presse gelingen, mit Hilfe vieler unkoordinierter Einzelaktionen, diese unerhörten Grass-Texte endlich zu entschärfen.

Ergebnis: Weltfrieden & stuff.

Die ebenso unkoordinierten Pressekampagnen re sabotierter Resolutionen und nicht unterzeichneter Sperrverträge, stehen übrigens noch aus.

Bin sicher, das wird globewide sofort nachgeholt, wenn man endlich mit Grass fertig ist, aber spätestens, wenn er endlich unter der Erde ist.

Versprochen?

Grass war es auch, der vergangenes Jahr in einem Interview nicht mehr über die Opfer der Shoa sprechen wollten, sondern über die "6 Millionen ermordeten deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion".

Wie er auf der Zahl kommt, bleibt rätselhaft. Es waren 3 Millionen Gefangene, davon starben 1 Million (trotz des verbrecherischen NS-Regime eine Schande, dass so viele starben). In deutscher Gefangenschaft starben übrigens 3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene, man hat sie verhungern lassen.

Auf die 6 Millionen kommt er wohl nur, wegen den 6 Millionen toten jüdischen Opfer der Shoa - allein das ist perfide genug, aber dass ein ehemaliger freiwilliger Waffen-SSler nicht mehr von der Shoa reden will, sondern über seine Kameraden, die Teil des verbrecherischen Angriffskrieg waren, das ist wirklich nur noch das Letzte.

bitte um die quellenangabe zum interview

Danke für den Kommentar!

Nach sehr guten Kommentaren in den deutschen Medien, nun auch ein sehr guter hier. Stoppt die Rechten hat einen Artikel mit vielen Links zu Kommentaren und Reaktionen aus Deutschland: http://www.stopptdierechten.at/2012/04/0... emitismus/

Seltsam, dass wirklich jeder, der das Gedicht gar nicht gelesen hat, glaubt, sich zu diesem Thema zu Wort melden zu müssen. Anders lassen sich die vielen falschen Behauptungen dazu gar nicht erklären. LESEN Sie doch endlich das Gedicht, bevor Sie

dazu schreiben!

(Etwa gestern bei Fr. Illner hat Friedmann im Anfangsstatement mit jeder falschen Behauptung das Nicht-Gelesen-Haben untermauert.) Es ist von Antisemitismus, vom Angriff auf Juden, vom atomaren Erstschlag die Rede.

Sie sagen, es werde ausgeblendet, dass der Iran keine Inspektionen zulässt. Nein, Grass hat genau das verlangt, allerdings auch die Inspektion des israelischen Waffenarsenals.

Ausgeblendet wird, dass Grass Deutschlands unverantwortliche Waffenpolitik aufs Korn nimmt.

Ja Grass wusste, was er schreibt. Aber Sie nicht. Sie wiederholen die stereotypen Vorwürfe derjenigen, die nur von anderen abschreiben, ohne den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.(freiwillig zur WaffenSS, Vergleich mit DDR, atomarer Erstschlag)

Was ausserdem noch gesagt werden muss!

Schade Frau Föderl-Schmid!

Sie hätten Sich und uns allen einen Gefallen getan, wenn Sie Ihre Chance genutzt hätten, nicht nur dieses Gedicht abzuqualifizieren, sondern auch das Verhalten der Politiker in Israel zu hinterfragen...

Ok, ich verstehe dass dieser Kommentar in erster Linie dem Herausgeber und der Isrealitischen Kultusgemeinde zu gefallen hat...
Sogar logisch, wenn man davon ausgeht, dass Sie ihren Job (behalten) mögen...

Nur, selbst in den israelischen Medien wird dieses Gedicht (und die Reaktionen der Politik) kritisch diskutiert!

Ein Blick auf die Webseite von harretz.com würde genügen und Sie würden erkennen, dass Grass sehr viele Beführworter hat!

Aber, diese Sichtweise ist in Mitteleuropa wohl nicht gewünscht!

Laura meint

nämlich falsch. Ich bin mit dem Text auch nur teilweise einverstanden, aber Frau Föderl-Schmid meint schon, dass man die Politik Israels kritisieren darf.
Sie müssen halt genau lesen.

Damit konnten sie die zensi umrunden? Gratulation!

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