"Glückliche Fügung": Frau, Mann, Kind - leicht verfremdet

12. April 2012, 17:01
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Die Dialoge sind knapp gehalten, die Figuren und ihre Beweggründe bleiben ein wenig unergründlich

In einer Nacht, in der sie bei der Feuerwerkerei draußen nicht schlafen kann, fährt Simone noch in einen Klub. Sie trinkt ein bisschen. Später auf der Tanzfläche fällt ein Fremder wie selbstverständlich in ihre Bewegungen ein. Als es hell wird, wacht sie in seinem Auto auf, zieht sich die Strumpfhose an und radelt dann nach Hause.

Bald wird ihr übel, der Arzt bestätigt eine Schwangerschaft. Den Mann sucht sie nicht, trifft ihn vielmehr zufällig wieder. Diese "Glückliche Fügung", so lautet der Titel des Films, initiiert die Gründung einer Kleinfamilie, und warum sollte das als Ausgangspunkt eigentlich unwirklicher sein als das Ideal der großen Liebe? Glückliche Fügung ist der dritte Spielfilm der deutschen Regisseurin Isabelle Stever. 

Unergründlich

Wie bei ihrem zweiten, Gisela, hat sie zusammen mit der Autorin Anke Stelling das Drehbuch geschrieben. Aber diesmal haben die beiden eine andere, etwas dunklere Tonart gewählt, eine Atmosphäre zwischen Unverbindlichkeit, Unbestimmtheit und einer immer wieder sanft aufflackernden Unheimlichkeit eingerichtet. Die Montage ist ruhig, die Kamera unbewegt. Aber die Kadrage hält die Szene oft angeschnitten, man bekommt keinen Überblick. Auch kleine Auslassungen in der Erzählung, Zeitsprünge, entdeckt man immer erst im Nachhinein.

Knappe Dialoge

Die Dialoge sind knapp gehalten, die Figuren und ihre Beweggründe bleiben ein Stück weit unergründlich. Gezeigt wird währenddessen ein ganz gewöhnlicher Alltag mit Nestbau und Nachbarschaftspflege. Allein das Weglassen einer romantischen Grundierung erweist sich als effektiver Verfremdungseffekt und als schöner Denkanstoß. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 13.4.2012)

  • Ganz normales Paar: Simone (Annika Kuhl) und Hannes (Stefan Rudolf) in "Glückliche Fügung". Zu sehen am Freitag, 20.15 Uhr, auf Arte.
    foto: arte

    Ganz normales Paar: Simone (Annika Kuhl) und Hannes (Stefan Rudolf) in "Glückliche Fügung". Zu sehen am Freitag, 20.15 Uhr, auf Arte.

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