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Plakatmotiv des sound:frame Festivals
Wien - Wie eine Wirbelsäule schlängelt sich die sechzehn Meter lange Leinwandkonstruktion des sound:frame Festivals durch die Ausstellungshalle des Wiener Museums für angewandte Kunst (MAK), das erstmals eine Schau digitaler audiovisueller Kunst im musealen Kontext ermöglicht. Für MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein legt man hiermit den Grundstein für die Rezeption einer jungen Kunstform, die in der Praxis derzeit meist "zwischen den Stühlen" wahrgenommen wird, wie er bei einer Presseführung vor der Eröffnung ab Donnerstagabend erläuterte.
Das sound:frame Festival gastiert im sechsten Jahr seines Bestehens weiters im brut im Künstlerhaus, im Hotel am Brillantengrund, im fluc sowie im Morrison Club. Ihr Wiendebüt gibt zudem die Boiler Room Crew aus London, die sich mit ihrer Online-Plattform zu einem wesentlichen Kanal für "Underground Music" entwickelt hat. Musikalisches gibt es von Acts wie Elektro Guzzi, Lapalux, Taylor McFerrin, Kelpe, John Talabot oder Fanstic Mr. Fox, während für die visuelle Seite u.a. Onkel Tuka, eyefatigue, Gezwinele les Günfies oder Andreas Koller verantwortlich zeichnen. Das Festival dauert bis 22. April, die Ausstellung ist bis 29. April zu sehen.
"Fundamental Forces"
Zur Grundfrage, wie man audiovisuelle Kunst verorten kann, wird eine am Freitag beginnende zweitägige Konferenz eventuell mehr beitragen als die Ausstellung, die im Wesentlichen fünf Arbeiten internationaler Künstler präsentiert und sich visuell sonst zurückhaltend gibt. Drei Themeninseln beschäftigen sich in Videostatements mit dem System Festival, der Positionierung im Kunstkontext und der nachhaltigen Produktion. Auf fünf Aufstellern werden die Softwares vorgestellt, mit denen im Bereich der audiovisuellen Kunst zumeist gearbeitet wird - und ein großes Display, das die fünf Arbeiten nacheinander vorstellt.
"Fundamental Forces" des deutsch-niederländischen Duos Robert Henke und Tarik Barri verdichtet ein 3D-Gebilde aus Lichtstangen im Weltraum zu einer Informationsflut, aus der spiralförmige Bewegungen entstehen. "Windfields" vom Kanadier Herman Kolgen beginnt mit einer Art Relief, das zu Skulpturen im dreidimensionalen Raum gerinnt. Die deutschen Künstler Jan Jelinek und Karl Kliem lassen fünf Neonröhren zu verschiedenen elektronischen Beats flackern. Der in Berlin arbeitende Österreicher Rainer Kohlberger fesselt mit einem epileptischen Flicker- und Flimmergewitter, das durch Geschwindigkeit und Überlagerungen Farben und Formen entstehen lässt. Und das Wiener Duo depart entführt mit einer düsteren und nicht ironiefreien Arbeit aufs nächtliche Meer, in dem sich vier digitale Objekte beständig verwandeln.
Die fünf Positionen spiegeln im Panoramaformat die Bandbreite wider, die die audiovisuelle Kunst anzubieten hat: von filmischen Arbeiten, die sich auch seit vielen Jahren ähnlich im experimentellen Kino finden, über die teils originelle, teils semi-originelle Visualisierung von elektronischer Musik bis hin zu fast physisch wirkenden Arbeiten wie jene von Kohlberger, die einem minutenlang fasziniert auf die fünf nicht ganz nahtlos aneinandergereihten Leinwände blicken lässt. Solche Arbeiten sind im Museum gut aufgehoben, dennoch hätte sich manche für die Ausstellung eine größere Auswahl erhofft. (APA, 12.4.2012)
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