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Schleswig-Holstein - Die größte internationale Untersuchung bei Kindern und Jugendlichen mit akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) zeigt, dass einige der als besonders kritisch beurteilten Patienten auch ohne Blutstammzelltransplantation gute Heilungschancen haben. Das renommierte „New England Journal of Medicine" hat die Ergebnisse der Studie in der aktuellen Ausgabe (12. April 2012) veröffentlicht. An der Untersuchung waren Wissenschaftler aus 14 Studiengruppen in Europa, Japan und den USA beteiligt. Gefördert wurde das Projekt unter anderem durch die Deutsche Krebshilfe.
Die weltweit größte Studie dieser Art wurde von Martin Schrappe, Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie des Universitätsklinikum Schleswig Holstein (UKSH) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), koordiniert. Sie konzentriert sich auf die besonders kritische Gruppe von Leukämieerkrankten, deren Prognose bislang als grundsätzlich ungünstig eingeschätzt wurde. In der Studie kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass eine Blutstammzelltransplantation (meist Knochenmarktransplantation) nicht notwendigerweise die beste Behandlungsoption für ALL-Erkrankte ist, die auf eine intensive vier- bis sechswöchige Anfangstherapie nicht angesprochen haben.
Analysiert wurden die Daten von 44.017 Patientinnen und Patienten mit ALL im Alter bis 17 Jahre, deren Leukämie zwischen 1985 und 2000 diagnostiziert wurde. 1.041 davon sprachen nicht auf die Anfangstherapie an und bildeten die Zielgruppe der Studie.
Überlebenschancen schwanken
Die aufwändige Analyse der Studiendaten aus Europa, Japan und den USA offenbart, wie unterschiedlich die Heilungsperspektiven der ALL-Patienten bisher sind: Die Überlebenschancen schwanken in Abhängigkeit bestimmter Charakteristika zwischen 15 und etwa 70 Prozent. Ganz neu war die Erkenntnis, dass etwa ein Viertel aller Erkrankten mit „anfänglichem Therapieversagen" eine zehnjährige Überlebensrate von 72 Prozent allein mit Chemotherapie erreichen kann.
Das war deutlich günstiger, als wenn die Blutstammzelltransplantation zum Einsatz kam. Diese Patienten waren jünger als sechs Jahre und hatten keine prognostisch ungünstigen, zusätzlichen genetischen Marker. Sie zählen zu den 85 Prozent jener Kinder mit einer so genannten B-Zelllinien-ALL, deren Krebs in den noch unreifen weißen Blutkörperchen beginnt.
Anfängliches Therapieversagen
„Es passiert sehr selten, nur in etwa zwei bis drei Prozent aller Fälle, dass Kinder mit ALL nicht auf die Anfangstherapie ansprechen. Bisher bedeutete dies, dass die Prognose für den weiteren Verlauf der Krankheit schlecht war und die langfristigen Überlebenschancen des Patienten nur bei etwa 30 Prozent lagen - also im Durchschnitt fast dreimal schlechter als bei anderen Kindern mit ALL. Deshalb haben diese Patienten bislang nach Möglichkeit immer eine Blutstammzelltransplantation erhalten", sagt Martin Schrappe. „Die Studienergebnisse zeigen uns nun, dass eine Transplantation nicht - wie bisher angenommen - immer die beste Behandlungsmöglichkeit für diese Patientengruppe ist."
Die Studienergebnisse belegen außerdem, dass die Transplantation von blutbildenden Stammzellen für andere ALL-Betroffene, die nicht auf die Ersttherapie ansprechen, weiterhin die beste Behandlungsform ist. Darunter sind vor allem jene Patienten, deren Leukämie ihren Ursprung in einer anderen Gruppe der weißen Blutkörperchen, den so genannten T-Zellen, hat. Aber auch für ältere Kinder, oder solche, die zusätzlich besondere genetische Merkmale aufweisen, bleibt die Stammzellentherapie die beste Option. (red, 12.4.2012)
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