Sonys Vertreibung aus dem TV-Paradies

Martin Kölling, 12. April 2012, 17:17

Auf dem Weg zurück in die Gewinnzone verpasst sich Sony eine Radikalkur. Das bisher lukrative TV-Geschäft zählt nicht mehr zum Kernbereich

Der neue Kurs von Sonys Chef Kazuo Hirai kommt einer Revolution gleich. Jahrzehntelang war Sony berühmt für seine Fernseher. Noch heute sind TVs mit fast einem Sechstel des Konzernumsatzes Sonys wichtigstes Produkt. Doch in der neuen Geschäftsstrategie, die Hirai am Donnerstag in Tokio vorstellte, gehören Fernseher nicht mehr zu den drei Kernbereichen, auf die sich das Unternehmen konzentrieren will.

Stattdessen will Hirai bei Handys Weltmarktführer werden und radikal sparen, um das Unternehmen aus der tiefsten Krise seiner Geschichte zu befreien. "Sony war immer eine Firma mit Unternehmergeist, daran wird sich nichts ändern", sagte Hirai.

Die Herausforderung ist riesig. Seit acht Jahren macht die TV-Sparte Verluste und zieht die einstige Ikone der Japan AG immer tiefer in den Abgrund. Der Verlust im Ende März abgelaufenen Bilanzjahr fiel mit 4,9 Mrd. Euro doppelt so hoch aus wie veranschlagt. Dementsprechend hart greift Hirai durch. Die Produktion für kleine Displays und Sonys Anteil an einem riesigen Werk für Flüssigkristallbildschirme (LCDs) mit Samsung sind schon verkauft. Der Rückzug aus Sharps LCD-Werk ist eingeläutet. Displays für TVs sollen nur noch eingekauft werden. Und nun wird auch noch das Chemiegeschäft auf den Hackblock gelegt, das teilweise Produkte für die LCD-Produktion liefert und 10.000 Arbeitsplätze gleich mit.

Radikalsanierung um 700 Millionen

700 Millionen Euro will sich Hirai die Radikalsanierung 2012 kosten lassen. Dafür verspricht er, Sony heuer wieder in die Gewinnzone und bis 2014 zu altem Glanz zurückzuführen. Der Umsatz soll von 60 Mrd. Euro im Vorjahr auf 80 Mrd. Euro und die Gewinnmarge auf fünf Prozent steigen.

Das Wachstum soll regional aus Schwellenländern wie China und Indien kommen. Außerdem setzt Sony auf drei Bereiche, in denen der Konzern noch zu den Weltmarktführern zählt: digitale Bildtechnik inklusive Foto- und Videokameras, Bildsensoren und Objektiven, Videospiele und die Playstation sowie mobile Geräte.

Deren Stärke will der Konzern auch in anderen Bereichen zum Wachsen nutzen, etwa der Medizintechnik. Bis 2014 will Sony in diesem Geschäftsfeld bereits eine halbe Milliarde Euro Umsatz erzielen. Der Konzern sucht daher auch Kaufobjekte und bewirbt sich darum, beim schlingernden Kamerahersteller Olympus einzusteigen, dem Weltmarktführer bei Endoskopen.

Handys aus Dornröschenschlaf wecken

Besonderes hat Sony allerdings bei Handys vor. Sony Ericsson soll aus dem Dornröschenschlaf geweckt und Weltmarktführer werden. Dazu will Hirai die bisher getrennte Entwicklung von Handys, Tablet-PCs und Vaio-Computern zusammenlegen und das Entwicklungstempo beschleunigen. " Unser Ziel ist, dass Sony ein Unternehmen wird, das Produkte und Dienste schafft, die die Neugierde der Kunden in aller Welt stimuliert und ihnen eine emotionale Erfahrung liefert", sagt Hirai.

Hirais Ziele sind allerdings gewagt. Bei Kameras geraten die Gewinnmargen durch den wachsenden Wettbewerb unter Druck. Bei Videospielen machen Smartphones und neue Anbieter der Playstation Konkurrenz. Und mit Handys oder Tablets ist kaum noch Geld zu verdienen, wenn man nicht gerade Apple oder Samsung heißt. (Martin Kölling aus Tokio, DER STANDARD; 13.4.2012)

Man geht also auf Konkurrenz mit Nokia und Apple.
Sorry aber da kann man einen dressierten Affen auch die Entscheidungen treffen lassen. Schlechter geht's nicht.
Steve Jobs sagte mal in einem Interview, er habe als er wieder zu Apple zurückkehrte deshalb Erfolg gehabt, weil er nicht mehr mit Microsoft konkurrierte, sondern sich auf die Apple-stärken "all-in-one" konzentrierte, die Microsoft nicht angeboten hat. Das wäre einem Riesen wie Sony zu empfehlen.
Was ich dem Artikel an Plänen lese klingt leider nicht vielversprechend.

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