Smartphone am Wirtshaustisch

12. April 2012, 17:09
  • Zu den Geißeln des modernen Lebens gehört die permanente Verfügbarkeit des Menschen.
    foto: standard

    Zu den Geißeln des modernen Lebens gehört die permanente Verfügbarkeit des Menschen.

Pro: "Bitte interessant sein" von Alois Pumhösel - Kontra: "Verführerisches Klumpert" von Karl Fluch

+++Pro
Von Alois Pumhösel

Wofür hat man das Trum, wenn man es nicht benutzt? Das Schöne an Smartphones ist doch, dass es die Kommunikationsmöglichkeiten über die Anwesenden hinaus erweitert. Selbstverständlich hat die in persona vertretene Wirtshausrunde Vorrang. Bei einer Verabredung mehr Worte per SMS als mündlich von sich zu geben wäre nicht nur unfreundlich, sondern auch ineffizient.

Das Handy ist aber da. Nicht als Drohung - aber die Unterhaltung sollte gut sein. Der wortkarge Wirtshauskumpane, der eventuell nur Kollegenschaft braucht, um sein Bier nicht allein wegkippen zu müssen, verliert vielleicht gegen das Handy. Unermüdliche Quasselstrippen, die sprechen, um sich selbst reden zu hören, vielleicht auch.

Oder größere Runden, deren Themen in Bereiche abdriften, die eine sonst fade Facebook-Timeline plötzlich als intellektuellen Höhenflug erscheinen lassen. Besser ein ehrlicher Griff zum Handy, als des Anscheins wegen Interesse heucheln. An einem wirklich guten Abend bleibt das Handy ohnehin ungenutzt auf dem Tisch liegen.

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Kontra---
Von Karl Fluch

Zu den Geißeln des modernen Lebens gehört die permanente Verfügbarkeit des Menschen. Seit niemand mehr glaubt, ohne Mobiltelefon existieren zu können, wurde daraus die freiwillige Selbstgeißelung. Dieses Flagellantentum steht zwar in schönster katholischer Tradition - Stichwort: schuldig geboren -, sollte aber seit der Aufklärung als Humbug überführt sein.

Dennoch präsentieren wir unser angeblich smartes Phone wie Jäger das Geweih eines erlegten Hirschen. Zu den diesbezüglich zahlreichen Unarten zählt, das Mobiltelefon im Gasthaus auf den Tisch zu legen. Soll Wichtigkeit suggerieren. Doch anstatt die Mahlzeit als soziale Zusammenkunft zu ehren, liegt das Klumpert wie ein Keil zwischen den Menschen.

Sobald es furzt, wird kontrolliert, wessen Wind das war. Facebook-Freund Nummer 3428 ist plötzlich wichtiger als das Gegenüber aus Fleisch und Blut. Für solche Handy-am-Tisch-Dauerbefummler sollte man Smartphone-Darkrooms einrichten, dort können sie es sich so richtig besorgen, alles andere ist eine Zumutung. (Rondo, DER STANDARD, 13.04.2012)

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auf jeden Fall hat der Kontrabreitrag Stammtischniveau

der Pro ist aber auch nicht viel besser.

Bei diesen Typen, die ihr Smartphone auf den Tisch legen, kaum dass sie dort angekommen sind, hab ich irgendwie immer das Gefühl, sie hätten gerade ihren Sack aus dem Hosentürl geholt und mir vor die Nase geknallt.

Komisch.

Was Sie da wohl über mich sagen würden, wenn ich Schlüsselbund, Geldbörsl und Handy auf den Tisch leg? Und zwar, weil's beim Sitzen halt drückt?

Ich würde Ihnen empfehlen, sich eine Umhängetasche, Rucksack oder ähnliches zuzulegen :)

Eine ganze Tasche nur für Schlüsselbund, Geldbörsl und Handy? Auch wieder etwas überzogen. ;)

Naja, wenn Sie so eine Tasche erst einmal haben, finden sich ganz viele Dinge, die Sie auch noch hinein stecken können.
Ich spreche aus Erfahrung: bin immer mit dem halben Haushalt unterwegs :D

Handy-am-Tisch-Dauerbefummler

köstlich!

Wofür ich mein Smartphone verwende:

"Dennoch präsentieren wir unser angeblich smartes Phone wie Jäger das Geweih eines erlegten Hirschen. Zu den diesbezüglich zahlreichen Unarten zählt, das Mobiltelefon im Gasthaus auf den Tisch zu legen. Soll Wichtigkeit suggerieren."

Stimmt.
1990 war das so.

Die meisten legen das Telefon aber auf den Tisch, da sie es nicht in der Jacke an der Garderobe lassen wollen und es in den Hosentasche im Sitzen stört.

Wie wär's mit angemessen nutzen:
Smartphone nur für Wikipedia und Google anfassen; hingegen SMS, mail, chat, facebook etc. ignorieren.

"An einem wirklich guten Abend bleibt das Handy ohnehin ungenutzt auf dem Tisch liegen."

Mit dem Satz ist eigentlich alles relevante gesagt.

in der Hosentasche.

Da drückt es und bei manchen schmaler geschnittenen Hosenmodellen besteht sogar die Gefahr, dass es herausrutscht.

Solange das Handy nur friedlich am Tisch liegt und nicht dauernd darauf herumgetapscht wird, ist mir dessen Anwesenheit herzlich egal. :-)

dort drücken die smartphone-riesen beim sitzen!

zumindest ich mag das nicht...

immer diese Handy-Typen...

echt zach..

Pro: Das Ding drückt in der Hose und ist unangenehm.

Pro:
Nicht wegen sozialer Kommunikation - aber weil man schnell aus dem Internet Fakten holen kann, über die sonst stundenlang diskutiert würde, weil jeder eine andere Meinung hat.

Kontra:
Weil man schnell aus dem Internet Fakten holen kann, über die man sonst stundenlang diskutieren könnte, weil jeder eine andere Meinung hat.

genau so isses!

Der Tod jeder Wirtshausdiskussion (und -rauferei).

nein, das smartphone

ist der feind der menschen die glauben alles besser zu wissen und meist sind es auch diejenigen, die smartphones am meisten hassen.

Auch How I Met Your Mother gesehen? ;-)

Nein...

...hab ich was versäumt?

Nein. Eine Folge wie die andere, reinste Zeitverschwendung.

Boa

der Nick des Jahres!! Ich verneige mich in Freiheit und Toleranz :.)

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