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Zu den Geißeln des modernen Lebens gehört die permanente Verfügbarkeit des Menschen.
+++Pro
Von Alois Pumhösel
Wofür hat man das Trum, wenn man es nicht benutzt? Das Schöne an Smartphones ist doch, dass es die Kommunikationsmöglichkeiten über die Anwesenden hinaus erweitert. Selbstverständlich hat die in persona vertretene Wirtshausrunde Vorrang. Bei einer Verabredung mehr Worte per SMS als mündlich von sich zu geben wäre nicht nur unfreundlich, sondern auch ineffizient.
Das Handy ist aber da. Nicht als Drohung - aber die Unterhaltung sollte gut sein. Der wortkarge Wirtshauskumpane, der eventuell nur Kollegenschaft braucht, um sein Bier nicht allein wegkippen zu müssen, verliert vielleicht gegen das Handy. Unermüdliche Quasselstrippen, die sprechen, um sich selbst reden zu hören, vielleicht auch.
Oder größere Runden, deren Themen in Bereiche abdriften, die eine sonst fade Facebook-Timeline plötzlich als intellektuellen Höhenflug erscheinen lassen. Besser ein ehrlicher Griff zum Handy, als des Anscheins wegen Interesse heucheln. An einem wirklich guten Abend bleibt das Handy ohnehin ungenutzt auf dem Tisch liegen.
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Kontra---
Von Karl Fluch
Zu den Geißeln des modernen Lebens gehört die permanente Verfügbarkeit des Menschen. Seit niemand mehr glaubt, ohne Mobiltelefon existieren zu können, wurde daraus die freiwillige Selbstgeißelung. Dieses Flagellantentum steht zwar in schönster katholischer Tradition - Stichwort: schuldig geboren -, sollte aber seit der Aufklärung als Humbug überführt sein.
Dennoch präsentieren wir unser angeblich smartes Phone wie Jäger das Geweih eines erlegten Hirschen. Zu den diesbezüglich zahlreichen Unarten zählt, das Mobiltelefon im Gasthaus auf den Tisch zu legen. Soll Wichtigkeit suggerieren. Doch anstatt die Mahlzeit als soziale Zusammenkunft zu ehren, liegt das Klumpert wie ein Keil zwischen den Menschen.
Sobald es furzt, wird kontrolliert, wessen Wind das war. Facebook-Freund Nummer 3428 ist plötzlich wichtiger als das Gegenüber aus Fleisch und Blut. Für solche Handy-am-Tisch-Dauerbefummler sollte man Smartphone-Darkrooms einrichten, dort können sie es sich so richtig besorgen, alles andere ist eine Zumutung. (Rondo, DER STANDARD, 13.04.2012)
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Von unserer Zungenfertigkeit sollen auch die anderen etwas haben - Oder: Man und frau waren jung, knackig und ungestüm
Das Viecherl reagiert von Natur aus positiv auf "Lecker- Bissen" - Oder: "Oida, reiß des Blech auf!"
"I love you and your body." Oder: Auch nach Jahren mutet der papierene Staubfänger noch beinahe jungfräulich an
Am Ende eines gemütlichen Kaffeehaustages kann sich die Übersicht leicht eintrüben - Oder: Dies wäre eine Infragestellung der Integrität des sinnierenden Stadtmönchs
Die Suche in Taschentiefen oder Zimmerfluchten ersparen oder Understatement mit einem einzigen Klingelton
So ein charakterstarker Sattelschutz gibt uns den allerschönsten Schliff im Meer des seriösen Gleichklangs - Oder: der Schoner steht dem Wesen des Radfahrens entgegen
Die dumme Augustine trug sie und wurde umjubelt, aber der Modetrend gilt als Gegenteil von Freiheit
Maunchmoi is scho vü gscheida, ma bleibt bei dem wos ma dalernt hot oder Hochsprache ist Facebook-Sprache
Die gedruckte Zeitung darf nicht sterben - oder: Wenn gedruckte Gedanken zu Wischdiensten abkommandiert werden, sterben sie einen feuchten Tod
Einen Goldfisch damit nach Hause transportieren oder Liebe geht durch den Magen
Ein Zeichen einer erwarteten Gemütlichkeit oder so graziös wie Bambi auf dem zugefrorenen Teich
Ein gerade unübertreffliches Glücksrezept oder logistischer Stress durch neumodisches Brauchtum?
Weshalb das viel gepriesene "Runner's High" in der Stadt mitunter auf sich warten lässt und das duch-die-Stadt-joggen eine Sightseeing-Tour ersparen kann
"Damit sich nicht wieder irgendein Armleuchter in den Luster hängt" oder "Fröhlichkeit ganz ohne Alkohol ist immer etwas gezwungen"
Seine Entscheidung - "eine oda auße?" - jederzeit staufrei revidieren oder es ist nicht der Mensch, der den Rhythmus vorgibt
Her mit der heißen Ware, oder sind erotische Geschenke einfach nur peinlich?
"Welcher Superstar wird dich heiraten?" oder Danke, wir wollten es echt nicht so genau wissen
Wer die Lure aus dem Stockwerksautomaten am Platz genießt, versäumt nichts Spannendes - oder die Sitten im Büro sind immer nur so rau wie das Leben auf der Straße
"Das WC ist nicht Rückzugsraum, sondern reine Bedürfnisanstalt" oder: "Undenkbar, dieses Elend den Blicken einer weiblichen Laufkundschaft preiszugeben"
Heißer Tee, Suppe oder auch Punsch oder die Eismischerzunft soll endlich auf den Klimawandel reagieren
Rockgott versus Gott der Allmächtige - zumindest wenn es um die Frage nach hell oder dunkel geht
"Mindestens haltbar bis ..." - "Best before" ist schlicht irreführend übersetzt oder ein farbenprächtiger Abdruck einer Fontäne an der Toilettenwand
Weshalb der Alltag der KollegInnen schon interessant ist und portionierte Grußbekanntschaften einem weißen Wal das Leben schwer machen
In der Leichtigkeit muss man das Üppige wählen oder der Schaum, ein Traum
"Dennoch präsentieren wir unser angeblich smartes Phone wie Jäger das Geweih eines erlegten Hirschen. Zu den diesbezüglich zahlreichen Unarten zählt, das Mobiltelefon im Gasthaus auf den Tisch zu legen. Soll Wichtigkeit suggerieren."
Stimmt.
1990 war das so.
Da drückt es und bei manchen schmaler geschnittenen Hosenmodellen besteht sogar die Gefahr, dass es herausrutscht.
Solange das Handy nur friedlich am Tisch liegt und nicht dauernd darauf herumgetapscht wird, ist mir dessen Anwesenheit herzlich egal. :-)
Pro:
Nicht wegen sozialer Kommunikation - aber weil man schnell aus dem Internet Fakten holen kann, über die sonst stundenlang diskutiert würde, weil jeder eine andere Meinung hat.
Kontra:
Weil man schnell aus dem Internet Fakten holen kann, über die man sonst stundenlang diskutieren könnte, weil jeder eine andere Meinung hat.
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