Häuser zum kleinen Kraftwerk sanieren

12. April 2012, 09:13
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Auch bei der Sanierung von Häusern ist die Anhebung zum Plusenergie-Standard möglich

Wien - Das Boutiquehotel Stadthalle in Wien hätte es fast geschafft. Aber nur fast - der höchste "Leuchtturm"-Status wurde knapp verfehlt. Aber das lag nicht am Projekt, im Gegenteil: Das Haus im Gründerzeitviertel hätte locker auf Plusenergie-Standard saniert werden können. Sprich: Das Haus hätte dann mehr Energie produziert, als darin verbraucht wird.

Allein: Die Fotovoltaik- und Solarwärmeanlagen konnten zwar wie vorgesehen installiert werden - aber die geplanten neuartigen Windräder am Dach wurden von der Stadt Wien bis heute nicht genehmigt. Ein Konzept der Stromgewinnung am Dach, das interessanterweise jetzt in der Seestadt beim Bau des neuen Technologiezentrums "Aspern IQ" wieder aufgetaucht ist. Eines Neubaus in Wien-Donaustadt, der mehr Energie produzieren, als verbrauchen soll.

Das Plusenergie-Gästehaus

Dass ein Plusenergie-Standard aber auch bei der Sanierung von Gebäuden möglich ist, hupfen indes andere Projekte in anderen Bundesländern vor: Wie etwa die Sanierung des Gästehauses Maier im steirischen Mautern. Ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das nun mehr als nur thermisch saniert wird. Neben der besseren Isolierung der Gebäudehülle und dem Einbau von Holz-Alu-Fenstern mit Dreischeibenverglasung wird auch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Der Wärmerückgewinnungsgrad beträgt 85 Prozent - dazu kommt eine Wärmepumpe mit Tiefensonden.

Die Ölheizung ist Vergangenheit: Der weitere Wärmebedarf für Heizung und Warmwasser wird von einer thermischen Solaranlage mit 23 Quadratmetern Kollektorfläche bereitgestellt. Was sonst noch an Energie benötigt wird, liefert eine Fotovoltaikanlage mit einer Modulfläche von 79 Quadratmetern. Wobei der Beleuchtungsstromverbrauch mit einem neuen LED-System um 78 Prozent reduziert wurde. Die Bilanz: Der Heizwärmebedarf des Hauses wurde um 87 Prozent reduziert. Die Einsparung des benötigten Stromes von außen: 100 Prozent. In Summe sind das 37,31 Tonnen CO2, die pro Jahr nicht mehr in die Umwelt geblasen werden.

"Leuchtturm"-Projekte

Zwei weitere Sanierungsprojekte, die den Plusenergie-Standard geschafft haben, sind die Hauptschule der Gemeinde Doren in Vorarlberg und die Sanierung eines Bürogebäudes in Graz durch die Bauland Immobilienhandels & Verwaltungs GmbH. Drei Plusenergie-Sanierungen, aber auch der Umbau des Boutiquehotels Stadthalle haben eines gemeinsam: Sie sind "Leuchtturm"-Projekte des Förderprogramms "Mustersanierung" des Klima- und Energiefonds.

Als dieses Programm vor vier Jahren gestartet wurde, sei man ihm noch mit deutlicher Skepsis begegnet, berichtet der Klima- und Energiefonds-Geschäftsführer Ingmar Höbarth im Standard-Gespräch. "Unser erklärtes Ziel war es aber, eine möglichst effiziente Sanierungstätigkeit anzuregen und mit unseren Leuchtturm-Projekten aufzuzeigen, was mit klugen und modernen Technologien heute schon alles möglich ist." Und damit werden Emissionen oder Einsparungen für Jahrzehnte festgelegt: "Denn wer jetzt saniert, greift das Gebäude die nächsten 30, 40 Jahre nicht mehr an", betont Höbarth.

37 Best-Practice-Projekte

Seit dem Start des Förderprogrammes im Jahr 2008 wurden insgesamt 13 Millionen Euro für die Förderung umweltrelevanter Sanierungsinvestitionen bereitgestellt. Bis jetzt gibt es 37 derartiger Best-Practice-Projekte in Österreich - neben den drei Plusenergie-Sanierungen gibt es auch vier Sanierungen zum Passivhaus. Ziel ist es, in allen diesen Projekten neben herkömmlicher Dämmung eine deutlich höhere Energieeinsparung und CO2-Reduktion zu erzielen.

Am Donnerstag startet die Ausschreibung für das Programm Mustersanierungen 2012. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 12.4.2012)

Nähere Informationen
mustersanierung.at

  • Auch das Boutiquehotel Stadthalle in Wien hätte den Sprung zum 
Plusenergie-Haus geschafft - wenn die geplanten Windräder auf dem Dach 
genehmigt worden wären. 
    foto: boutiquehotel stadthalle

    Auch das Boutiquehotel Stadthalle in Wien hätte den Sprung zum Plusenergie-Haus geschafft - wenn die geplanten Windräder auf dem Dach genehmigt worden wären. 

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