Zwischen Yogamatte und Kommandostand

Kopf des Tages
  • Monisha Kaltenborn (40) wird Teamchefin in der Formel 1.
    foto: apa

    Monisha Kaltenborn (40) wird Teamchefin in der Formel 1.

Dass in der Formel 1 mit Frauen abseits von, nun ja, schmückenden Aufgaben und untergeordneten Rollen eher nicht gerechnet wird, weiß Monisha Kaltenborn seit Übernahme der Rechtsabteilung des Sauber-Teams zur Jahrtausendwende. Ein volles Jahr, erinnert sich die Wienerin, habe sie ein Teamchef-Kollege von Peter Sauber für dessen Übersetzerin gehalten.

Kaltenborn nennt keinen Namen, ist der Geschonte aber 2013 noch im Geschäft, steht ihm die dann 41-jährige Juristin auf Augenhöhe gegenüber. In einem Interview mit der Schweizer Zeitung Der Sonntag hat Peter Sauber (69) nämlich seinen Rückzug als Teamchef mit Saisonende angekündigt und Kaltenborn, die der in Hinwil bei Zürich ansässigen Sauber-Gruppe schon seit 2010 als CEO vorsteht, als Nachfolgerin designiert. Geboren wurde Kaltenborn als Monisha Narang in Dehradung im nordindischen Bundesstaat Uttarakhand. Als sie acht Jahre alt war, übersiedelte die Familie von den Hängen des Himalaya an jene des Wienerwaldes, weil ein Onkel für die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien arbeitete. Nicht aus Not heraus, sondern um den Kindern eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Monisha, die eigentlich Astronautin werden wollte, absolvierte ein Jusstudium und erwarb den Master an der London School of Economics. Und über die Liechtensteiner Fritz Kaiser Gruppe, einst eine Miteigentümerin von Sauber, stieß sie zur Formel 1.

Nach ihrem Aufstieg zum Sauber-CEO engagierte sich Kaltenborn auch in der von der ehemaligen Rallye-Vizeweltmeisterin Michèle Mouton geleiteten Women & Motorsport Commission des Autoweltverbandes (Fia). Am 10. Oktober 2010 vertrat die zweifache Mutter beim Grand Prix von Japan in Suzuka Peter Sauber erstmals am Kommandostand des Schweizer F1-Teams, das seit seinem Debüt im Jahr 1993 in 255 Versuchen kein einziges Rennen gewinnen konnte. Am 25. März und in Malaysia gelang dem Mexikaner Sergio Perez ein erster zweiter Platz für Sauber."Unterschätzt zu werden ist manchmal auch ein Vorteil", sagt Monisha Kaltenborn, die mit ihrem deutschen Mann Jens und den Kindern im schweizerischen Küsnacht, 20 Autominuten von der Sauber-Fabrik entfernt, lebt. Die Mutter kommt oft aus Wien, um auf die Kinder aufzupassen, wenn die Chefin in Begleitung ihrer Yogamatte in der Formel-1-Weltgeschichte unterwegs ist. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 12.4.2012)

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3 Postings
Böse Mutter

Schön, dass eine Frau eine bedeutende Rolle im Männerdominierten F1-Zirkus spielt. Somit scheint mir ein Kopf-des-Tages als sehr gerechtfertigt.
Schade, dass erwähnt werden muss, dass ihre Mutter oft aus dem weiten Wien anreist, um sich um die Kinder zu kümmern. Wenn jetzt ein männlicher Kollege diesen Job antreten würde, würde dies ebenfalls hervorgehoben? Würde es in der Zeitung eine Zeile wert sein, dass sich dieser nicht immer um die Kinder kümmern kann? Nein, weil da ist ja noch die liebevolle Frau zuhause. Und wenn nicht, dann doch wenigstens ein Kindermädchen, das diese "Frauenarbeit" höchst gerne erledigt. Aber hallo, eine Frau darf in einer Männerdomäne mitmischen und kann sich der Kinderarbeit nicht annehmen. Böse Mutter!?

"des Schweizer F1-Teams, das seit seinem Debüt im Jahr 1993 in 255 Versuchen kein einziges Rennen gewinnen konnte."

http://bleacherreport.com/articles/... nniversary

Damals war das Team in Besitz von BMW - in der Phase gab es auch etliche zweite Plätze.

Mercedes wird ja auch nicht der Fahrer-WM-Titel 2009 zugerechnet, sondern BrawnGP.

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