Das heiße Pflaster von Bahrain

Gudrun Harrer, 11. April 2012, 17:52
  • Im Vorjahr hat Bahrain den GP zunächst verlegt und dann abgesagt. Nun wird erneut zum Protest gegen die Formel 1 aufgerufen.
    foto: ap/jamali

    Im Vorjahr hat Bahrain den GP zunächst verlegt und dann abgesagt. Nun wird erneut zum Protest gegen die Formel 1 aufgerufen.

Der Schein der Normalität wird Bahrain also doch nicht abgenommen. Ein gutes Jahr nach Niederschlagung der Protestbewegung wachsen die Bedenken, ob der Formel-1-Grand-Prix wirklich wieder dort hingehört

Manama/Wien - Eine Absage des Rennens am 22. April in Bahrain wäre ein schwerer Schlag für das Königshaus - und ein gewisser PR-Erfolg für die Protestbewegung, die das Land seit einem guten Jahr in Atem hält. Zwar geht es den Absagebefürwortern wohl eher um "Sicherheitsbedenken" und nicht um ein Zeichen gegen die Unterdrückung der bahrainischen Opposition. Aber der Versuch der bahrainischen Behörden, den Anschein der Normalität aufrechtzuerhalten, wäre damit gescheitert, wobei sie gerade zuletzt - auch mit dem Blick aufs Rennen - versucht haben, den Dialog mit den gemäßigten oppositionellen Kräften wieder zu eröffnen.

Bahrain ist ein Sonderfall des Arabischen Frühlings. Kurz nach den Umstürzen in Tunesien und Ägypten begannen auch in Manama Demonstrationen gegen die Obrigkeit: das sunnitische Königshaus, das eine schiitische Bevölkerungsmehrheit beherrscht. Diese Konstellation stellte die bahrainische Protestbewegung, die von Schiiten getragen wird, von Beginn an in ein konfessionelles und regionalpolitisches Licht, anders als in den ersten Ländern des Arabischen Frühlings.

Gläserne Decke für Schiiten

Die bahrainischen Schiiten beklagen wirtschaftliche, soziale und politische Marginalisierung. So gibt es zwar ein kleines gewähltes Parlament, in dem aber eine schiitische Mehrheit stets mit diversen Tricksereien verhindert wurde. Die von den Behörden betriebene "Sunnifizierung" Bahrains äußert sich etwa darin, dass Bürgern aus sunnitischen arabischen Staaten die bahrainische Staatsbürgerschaft fast nachgeschmissen wird.

Dabei ist die konfessionelle Frage aber auch wieder nur ein Aspekt des Kalten Kriegs am Golf, zwischen Iran und Saudi-Arabien. Die Stellvertreterkonflikte in der Region mehren sich, und so wurden auch die bahrainischen Unruhen von den arabischen Golfstaaten als reine iranische Machination, als Einmischung von außen eingestuft, was sogar den Verteidigungspakt der Golfkooperationsstaaten schlagend machte: Mitte März 2011 marschierten saudiarabische Truppen in Bahrain ein, um die dortige Armee zu entlasten, die Tabula rasa machte.

Zwar ließ das Königshaus in der Folge der Niederschlagung der Proteste eine unabhängige Untersuchung zu, die systematische Menschenrechtsverletzungen von Sicherheitskräften an Zivilisten feststellte. Substanzielle Schritte zur Versöhnung wurden danach jedoch nicht gesetzt. In raschen Prozessen wurden harte Strafen gegen Oppositionelle verhängt. Eine große Demonstration Anfang März wurde immerhin zugelassen - wobei ebenfalls die Nähe zum geplanten Formel-1-Event mitgeholfen haben mag.

Einladung zum Extremismus

Die Polarisierung zwischen Schiiten und Sunniten lässt in Bahrain den Extremismus auf beiden Seiten gedeihen, was die Anschlagsgefahr erhöht. Derzeit formieren sich radikale sunnitische Gruppen, die gegen einen Versöhnungsprozess mit den "Verrätern" agitieren. Die arabischen Schiiten am Golf stehen unter Generalverdacht, Agenten für den Iran zu sein. Und Teheran schürt seinerseits heftig und versucht, die bahrainischen Schiiten zu instrumentalisieren, von denen jedoch nur die wenigsten mit dem iranischen System sympathisieren.

Aber die regionale Färbung ihres Aufstands hat die bahrainische Opposition viel Sympathie gekostet - umso mehr würde sie es begrüßen, wenn jetzt die Formel 1 ausbleibt und nicht "auf dem Blut unserer Märtyrer fährt". Entsprechend angestrengt versucht das Königshaus eine Absage zu verhindern. Ein Adressat seiner Bemühungen, zu vermitteln, dass alles zum Besten stehe, sind auch die USA, die in Manama das Hauptquartier ihrer Fünften Flotte haben - und bis auf weiteres einen großen Waffenverkauf an Bahrain eingefroren haben. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 12.4.2012)

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23 Postings

Nein. Nein. Und nochmals Nein. Dort gehoert kein GP hin. Das waere einfach eine Niedertracht.

und was hat die f1

mit den sogenannten menschenrechten zu tun? in der f1 fahren autos in kreis, bei den menschenrechten kalauern "politiker" mit der jeweils politischen version. hier werden virtuell aepfel und birnen zu "aepbir" zusammengeworfen und dann hat der EU wohlstandsbuerger so richtig die steilvoelage zur empoerung obwohl sich das ganze auf der arabischen halbinsel abspielt und nicht in der EU > die EU ist nicht Arabien !!!

F1 sollte etwas mit Sport zu tun haben und, wenn man kann, sollte man nicht etwas unternehmen , das sagt " Ihr seid ok, Ihr macht es richtig". Wenn man kann. Ohne jetzt dann gleich Vergleiche zu ziehen. Das wuerde den in Bahrein umgelegten, eingesperrten und anders maltraetierten naemlich nicht helfen.

Bezüglich Menschenrechten und Formel 1: Die F1 schert sich in der Regel nicht um Menschenrechte!

aktuell 2012:
USA: Guantanamobay Kuba/Todesstrafe, Irak Krieg etc.
Japan: Todesstrafe
Singapur: Todesstrafe
China: Todesstrafe, keine Demokratie etc.
Malaysia: Repressives Strafrecht: bsp: Homosexualität strafbar
Indien: extreme Arm/Reich Verteilung, ethnische Spannungen, Todesstrafe etc.
Vereinigte Arabische Emirate/ Abu Dhabi: keine Demokratie, Todesstrafe etc..

Man fuhr auch damals in den 80er Jahren beispielsweise in Südafrika trotz Apartheid...

F: "bernie, bernie, die formel 1 wurde nicht geschaffen, nur um den super-reichen zu dienen. jeder sollte das recht haben, sich an diesen rennen zu erfreuen."
B: "genau, dann machen wir eben einen grand prix mit verringerten preisen."
F: "ja!" (lacht)
- pause -
C: "der mangel an demut, vor den menschen, der hier offen gezeigt wird, erschüttert mich."
B: "nun ich danke ihnen, herr chalifa bin salman al chalifa, aber ich glaube, die dinge liegen ein bisschen anders, als sie und ich das erwartet haben."
C: "ja es ist alles noch viel schlimmer."
B: "aber nun warten sie's doch erst ab. wir haben das rennen noch nicht mal gesehen!"
F: "nein bernie. lassen sie ihn ausreden. ich möchte jeden standpunkt hören."

Schon aus Solidarität mit den Niedergeschlagenen sollte dort gestartet werden, das Regime muss ein Interesse daran haben dass nicht gestartet wird weil jeder Unterdrücker darauf angewiesen ist sein Land abgeschottet zu halten

Geschäft ist Geschäft

F1 ist ein Riesengeschäft. Bernie E. kann fahren lassen wie, wo, was und wann er will. Wenn wir alle Diktaturen boykotieren wollten, na servas: kaufe nichts aus China, kaufe kein Öl aus Bahrain....Einen F1 GP in Österreich werde ich wahrscheinlich nicht mehr erleben. Bei uns wird ja nur mehr mit stinkenden 2-Taktern Gokart gefahren.

Diese Veranstaltung könnte abe auch positiv genutzt werden....

man stelle sich vor, 3 Minuten vor dem Start, viele Mio. Zuschauer vor dem Fernseher. Dann plötzlich stürmen tausende Demonstranten die Rennstrecke mit Plakaten für Demokratie in Bahrain. Da hätte dann das Militär ein richtiges Problem und die internationale Bildregie liefert weltweit Bilder von friedlichen Demonstranten, welche Demokratie fordern. Wär doch auch eine Geschichte. Das Rennen selbst wird dann abgesagt.

Déjà vu

Ein Jahr vergangen wie nichts. Und ohne etwas... http://groebchen.wordpress.com/2011/02/2... -im-kreis/

Deutschland absagen!

die haben nicht einmal einen vom Volk gewählten Präsidenten und gibt sich trotzdem als Demokratie aus.
Auf alle Fälle Bahrein, China, Singapur, Abu Dabi absagen.

Es ist eine Frechheit

wenn nur wegen ein bißchen Unruhe kein GP stattfindet - die Unruhe wie dort findet man fast überall

Welcher Idiotenverein investiert Geld in dieses kranke System

und belohnt die Machthaber auch noch für die niederschlagung von freier Meinung...

da warn jez e´so einige fehler dabei...

Bahrain ist nicht allein

Bahrain ist nicht der einzige autoritäre Staat, der von der Formel 1 beehrt wird - siehe Auflistung bei http://fernseherkaputt.blogspot.com/2011/03/f... eicht.html

f1 als sportart für diktaturfans also?

Naja was solls dann wird die Formal I mal wieder so ein richtiger "Knaller".

Es wäre eine Frechheit, wenn der Grand Prix stattfindet.

Bahrain ist eine Folterdiktatur

und hat Ärzte für das Verarzten verletzter Demonstranten zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt

Wenn die Formel 1 diese menschenrechtsbrechende Diktatur unterstützt, braucht sie sich nicht zu wundern, von der Demokratiebewegung als dem Regime zugehörig gewertet wird

Dem Bernie ist es wurscht der kassiert dafür Millionen!

Und dem Rest der Bleifußindianer auch.

Wem stört es wenn da auch ein bißchen die Chance auf einen wirklichen "Bombenerfolg" besteht ?

Was Sie schon immer über Red Bull wissen wollten

http://bit.ly/HAcect

typischer formatschas

So What??

is the issue with Bahrain??

interessant auch..

..WARUM es zu einem machtkampf kommen kann: der sohn des verstorben großanteilseigners (49%) hält 2% der aktien. somit diente er bis dato als puffer zu den 49% des dm. aber da sollte erfahrungsgemäß nicht viel passieren. oder doch? ;)

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