Spanien schränkt Bargeld­verkehr deutlich ein

Jan Marot
11. April 2012, 17:36

Im Kampf gegen Steuerhinterziehung verbietet die konservative Regierung Barzahlungen ab 2500 Euro

Granada - Das althergebrachte Credo "Nur Bares ist Wahres" hat für die höchst Bargeld affinen Iberer schon bald ausgedient. Spaniens konservativer Ministerpräsident Mariano Rajoy kündigte am Mittwochvormittag im Parlament an, Barzahlungen ab 2500 Euro, an denen mindestens ein Unternehmer oder Selbstständiger beteiligt ist, zu verbieten.

Gemeinsam mit einer Offensive gegen die Steuerhinterziehung, von der man sich in Madrid über acht Milliarden Euro erhofft, soll die Maßnahme am Freitag vom Ministerrat abgesegnet werden. Wer gegen das Verbot verstößt, dem winken Strafen, die sich auf ein Viertel der bezahlten Summe belaufen. Gleichzeitig wird der Kampf dem Betrug bei Arbeitslosenbezügen und Beiträgen an die Sozialversicherung forciert.

Spanien, das jüngst mit stark steigenden Anleihenzinsen erneut in den Fokus der Euro-Schuldenkrise rückte, folgt damit vergleichbaren Einschränkungen, die einzelne EU-Partner schon umgesetzt haben.

Ende 2011 hat Italiens Ministerpräsident Mario Monti eine noch rigorosere Einschränkung des Bargeldverkehrs verordnet und die Obergrenze für Zahlungen von 2500 auf 1000 Euro gesenkt. In Frankreich gelten hingegen 3000 Euro als Limit.

Amnestie und Amnesie

Nicht nur dem Bargeldverkehr schiebt Spanien einen Riegel vor, parallel dazu wird eine Steueramnestie umgesetzt, die im Idealfall 2,5 Mrd. Euro in die Staatskasse spülen soll (der Standard berichtete). Rajoy konterte seinen Kritikern, dass die OSZE Staaten in wirtschaftlicher Schieflage zu derartigen Amnestien rät. Zudem werde die Maßnahme in Spanien ohnehin " nur heuer gültig sein". Schwarzgeld soll so für den Fiskus sichtbar und die Schwarzarbeit eingedämmt werden. Immerhin summiert die spanische Schattenwirtschaft rund 23 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Als Nebeneffekt dürften auch Banken und Kreditkartenanbietern über Transaktionsgebühren Mehreinnahmen winken.

Rajoy warf zudem der sozialistischen Opposition vor, "an selektiver Amnesie zu leiden". Immerhin hätte die Vorgängerregierung unter Ex-Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero akkordierte Haushaltsziele deutlich verfehlt und trage die Verantwortung für die von seinem Kabinett gesetzten Einschnitte - wie zuletzt in den Bereichen Bildung und Gesundheit über zusätzliche zehn Milliarden Euro.

Spanien muss heuer sein Defizit von 8,51 Prozent (2011) auf 5,3 Prozent des BIP senken und 2013 die Zielmarke von drei Prozent erreichen. Ausgabenseitige Kürzungen von mehr als 27 Milliarden Euro und Steuererhöhungen konnten an den Märkten noch nicht überzeugen. Und den Spaniern droht, wie Miguel Ferre, Staatssekretär für Wirtschaft, einräumt, weiteres Ungemach: "Sollte die Steueramnestie scheitern, werden wir die Mehrwertsteuer erhöhen müssen." (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 12.4.2012)

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24 Postings
jaja

steuerhinterziehung... soso..

für wie blöd will man uns noch verkaufen?

Das ist eine Hilfestellung für die Banken

- bei einem Bargeldverbot gibt es auch keinen Bankrun mehr.

Jaja, jetzt gehts ans Bargeld!

Denn wenn alle nur noch mit Pastikkärtchen bezahlen, wird der ganze Geldverkehr noch einmal einfach überwachbar. Ist nicht nur Spanien, ist EU-weit im Kommen
Noch bessere Kontrolle ist das Ziel. Slave new World.

Zeit wirds, dass das Bargeld endlich zurückgedrängt wird. Ich könnte mich jedes mal anspeiben wenn ich daran denk, dass ich in den USA sogar beim kleinsten Würschtelstandl mit CC bezahlen konnte und hier das selbst in größeren Betrieben noch nicht möglich ist.

Und die Entscheidung entweder alle 5 Minuten zu einem Bankomaten zu laufen oder auf einmal gleich ein paar Hunderter abzuheben ist auch eine Entscheidung zwischen Not und Elend.

dann bleib doch

in deiner schoenen CC Welt, Big Brother is waiting

Witzbold

war gerade im Supermarkt, habe 2 Fl Bier gekuft, € 1,10 bezahlt. Wenn ich das mit Bankomat mach, kostet die Vw mehr, als das ganze Geschaeftt.

Würden allerdings beim Bierkauf ähnliche Prinzipien gelten wie beim Fleischkauf, dann wäre Plastikgeld im Handumdrehen viel sinnvoller, so gesehen.

????????

das ist mir jetzt zu dunkel

Das Argument war der niedrige (Bier)preis -- in Italien gäbs aber auch genug hochpreisiges (und hochwertiges) Bier, analog etwa zum Fleisch.

Aber mein Einwand war wirklich nicht sooo wichtig, keine Sorge.

:) aber

nicht im Supermarkt. Gestehe aber, am voellig falschen Fusz erwischt worden zu sein

Diese Schweine wollen uns enteignen.

Es darf nicht so weit kommen dass sie uns zwingen unser Bargeld gegen absolut wertlose Daten auf einer Festplatte abzugeben.

wichtige Frage

Hat die Finanzlobby den Kampf gegen die Freiheit der Bürger gewonnen, wenn das Bargeld abgeschafft wird?
Wenn alles nur noch mit Kredit- bzw. Bankomat-Karte bezahlt werden kann, wären Bank-runs Geschichte. Die Banken könnten mit uns machen, was sie wollen. Wenn jemand nicht mitspielt, kann man mit dem Sperren der Karte, eine Person unter Druck setzen.

ich fürchte....

....Sie haben die Intention hinter dem Vorgehen genau erfasst
:(

das Bargeld wird nie ganz abgeschafft, denn

dann können Grasseroide Kreaturen z.B. keinen Bargeldkoffer mehr nach/von der Schweiz transportieren, und diesen an z.B. Schwiegermutteroide Figuren übergeben und umgekehrt.

Wo ist der vorige Bericht und dessen Postings hin verschwunden?

Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!

Auch in Italien kein Bargeld mehr bei Beträgen über 1.000 Euro. Schweden erwägt ebenso die Abschaffung von Bargeld. Während die Masse tief schläft, werden die letzten Freiheiten im Eiltempo einkassiert.

Wird bald ein schönes Pärchen abgeben, der rein elektronische Geldfluss und die Vorratsdatenspeicherung. Menschen, die man gemeinhin gerne als "Verschwörungstheoretiker" bezeichnet, haben die schrittweise Bargelddezimierung ja nicht erst seit gestern vorausgesagt. Aber es geht ja um den Kampf gegen Steuerhinterziehung und "Sicherheit" für alle.... Welch tugendhafte Edelmänner!

nur weiter so, irgendwann wird sich der zorn der entmündigten entladen. alles nur eine frage der zeit.

und wie überwacht man das Verbot?

Schwarzarbeit findet ja definitionsgemäß schon im Verborgenen statt. Ob man jetzt ein Gesetz bricht oder in Zukunft zwei ist doch auch schon egal.

Man sollte Bargeld überhaupt verbieten bzw. erst gar nicht ausgeben und auf 10€ oder maximal 20€-Scheine und die kleinen Münzen limitieren. Jeglicher Bargeldbesitz in egal welcher Währung über ein paar Hundert Euro sollte registrierungspflichtig sein. Sonst gehen die Regierungen immer den leichten Ausweg und erhöhen die Massensteuern wie Mehrwertsteuer und Lohnsteuer und die Unselbstständigen sind weiterhin die einzigen 100%-Steuerzahler, weil sie gar nicht anders können.

Wie lange dauert es wohl noch...

...bis Bargeld komplett abgeschafft wird, da zu "unsicher" (oder sonst was) ?

ja

und vor allem nicht kontrollierbar. Ein weiterer Mosaikstein ...

so wird der bankrun verhindert

und den bürgern weitere freiheiten entzogen.

banken könne so noch mehr giralbetrugsgeld in umlauf bringen.

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