Schrott glänzt mit hohen Renditen

11. April 2012, 15:47
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Hohe Zinsen, hohe Risiken: Investoren stecken ihr Geld in Unternehmensanleihen mit schlechter Bonität, Junk Bonds, Ramsch- oder Schrottanleihen

Der Name der Anlageklasse ist Programm: Hochzinsanleihen versprechen hohe Renditen. Kein Wunder also, dass Investoren in Zeiten niedriger Zentralbankzinsen in diese Papiere investieren. "Hochzinsanleihen sind ein Riesentrend. 2012 hat es ein starkes Revival des Anlegerinteresses gegeben," sagt Ed Moisson, Leiter des Research in Großbritannien bei Lipper. Alleine in den ersten zwei Monaten sind laut Lipper-Daten in Europa 12,8 Milliarden Euro an Hochzins-Anleihenfonds verkauft worden (siehe Grafik).

Hohe Zinsen, hohe Risiken

Hinter den hohen Zinsen stehen aber auch große Risiken. Die Beinamen der Anlageklasse - Junk Bonds, Ramsch- oder Schrottanleihen - kommen nicht von ungefähr. Die Ratings der investierten Bonds liegt unter dem Level BBB. Das sind Unternehmen, die im Fall einer Konjunkturdelle leichter in finanzielle Turbulenzen kommen, deshalb reagieren die Anleihen auch deutlich stärker auf schwächeres Wirtschaftswachstum.

"Korrekturen von zehn, 20 Prozent kann es geben. Doch langfristig waren Hochzinspapiere auf Sicht der letzten zehn Jahre die erfolgreichste Assetklasse," betont Martin Bohn, Leiter des Anleihenfondsmanagement der Bawag PSK Invest. Sie haben deutlich stärker als Aktien und sichere Staatsanleihen abgeschnitten.

Dabei haben Anleger auch vom niedrigen Zinsumfeld profitiert. Senkt die Zentralbank die Zinsen, fallen auch die Anleihenzinsen der Unternehmen. Intervenieren die Notenbanken hilft das auch dem Risikoappetit der Investoren: „Die kürzlich erfolgte Unterstützung mit Liquidität durch die Europäische Zentralbank hat die Märkte für Hochzinsanleihen im ersten Quartal angekurbelt," sagt Ian Spreadbury, Fondsmanager des European High Yield Funds von Fidelity.

Wie hoch ist hoch?

Doch die Nachfrage von Investoren hat die Ramschanleihen zum Teil teuer gemacht. Die Zinsen, die Unternehmen in den USA auf ihre Junk Bonds zahlen müssen, sind ein Rekordtief von unter acht Prozent gefallen. Ein Drittel der 2012 begebenen Anleihen rentiert weniger als sechs Prozent. Auch in Europa sind die durchschnittlichen Renditen im letzten halben Jahr um knapp zwei Prozentpunkte gefallen. Laut aktuellen Daten von Markit liegt die durchschnittliche Rendite des iBoxx Hochzinsanleihen-Index aktuell bei 7,5 Prozent. Steigen jetzt die Unternehmenspleiten angesichts einer eingetrübten Konjunktur würde die Rendite zusammenschmelzen.

Gut bewertet

Aktuell liegen die Renditen für Unternehmensanleihen (ohne Finanztitel) im Schnitt unter den Dividendenrenditen der Aktien. Das könnte bedeuten, dass entweder die Dividenden gekürzt oder Anleihen verkauft werden, wie James Mackintosh von der Financial Times schreibt. Das wären keine guten Aussichten für Anleiheninvestoren. Fondsmanager Bohn aber hält Hochzinspapiere aktuell für gut bewertet. Die Märkte würden bereits steigende Ausfallsraten vorwegnehmen.

Dazu komme, dass Hochzinsanleihen ein "langfristiges Thema" sein werden, denn die geringe Liquidität der Hochzinsanleihen in Europa - ein Hemmschuh der Anlageklasse in der Vergangenheit - verbessere sich deutlich, sagt Bohn. Aktuell ist der Markt deutlich kleiner ist als in den USA. Global sind rund 1000 Milliarden Euro an Hochzinspapieren von Unternehmen begeben, über 80 Prozent davon in den USA. "Es gibt dort eine ganz andere Kultur, denn auch kleinere Unternehmen finanzieren sich über den Kapitalmarkt."

Strengere Regulierung

Dass die Hochzinsanleihen in Europa deutlich wachsen, wird indirekt von der strengeren Regulierung der Banken unterstützt. Die Geldinstitute müssen auf Anordnung des Basler Bankenausschusses und der Europäischen Bankenaufsicht mehr Kapital halten, das schränkt die Kreditvergabe ein. Das ist am vom Banken dominierten europäischen Kapitalmarkt bereits zu spüren. Im ersten Quartal 2012 etwa wurden in Europa mehr Unternehmensanleihen begeben als Bankkredite an Firmen, wie Zahlen von Dealogic zeigen. (Lukas Sustala, derStandard.at, 11.4.2012)

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    Die Nachfrage von Investoren hat die Ramschanleihen zum Teil teuer gemacht.

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    grafik: lipper
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