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Im Dezember 2010 sorgte ein großes Holzhaus auf einer türkischen Insel im Marmarameer international für Schlagzeilen: Das stark verfallene ehemalige Waisenheim wurde nach einem Urteil des Europäischen Menschenrechts-Gerichtshofs (EGMR) vom türkischen Staat an das orthodoxe Patriarchat von Konstantinopel - geistliches Oberhaupt zahlreicher in der Türkei lebender gläubiger Griechen - zurückgegeben (derStandard.at berichtete). Die türkische Regierung hatte es 1997 beschlagnahmt, weil es leer stand und baufällig war. Das Patriarchat ging vor das europäische Gericht, das schließlich entschied, dass das Grundstück (und damit auch das Gebäude) zweifelsfrei der orthodoxen Kirche zustand.
"Dialog der Religionen"
Besitzer des Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert, das als "Europas größtes Holzhaus" gilt, ist nun eine "fromme Stiftung" des (christlichen) Ökumenischen Patriarchats. Und diese gab laut Kathpress nun bekannt, welche Nutzung der 1898 als Hotel errichtete geschichtsträchtige Bau künftig haben soll: Das Haus auf Büyükada, das seit 1964 leer steht, wird Sitz einer internationalen Umweltstiftung unter der Patronanz des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.
In zwei Jahren sollen die Restaurierungsarbeiten beendet sein, dann sollen dort regelmäßig Symposien "im Zeichen des Dialogs der Religionen über Fragen der Bewahrung der Schöpfung" stattfinden, wie es heißt. Außerdem werde die neue Stiftung eng mit wissenschaftlichen Einrichtungen in aller Welt zusammenarbeiten, die sich mit ökologischen Fragen beschäftigen.
Weitere Rückgaben
Nach der EGMR-Entscheidung von Ende 2010 hatte die türkische Regierung 2011 die rechtliche Grundlage für die Rückgabe von beschlagnahmten Immobilien an nichtmuslimische Minderheiten geschaffen. Die EU-Kommission hatte zuvor die Türkei wiederholt aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um die prekäre Lage der nichtmuslimischen Bevölkerungsgruppen zu verbessern.
Erst vor wenigen Tagen wurde das alte Galata-Gymnasium in Pera, einem bis Ende der 1920er-Jahre christlichen Bezirk von Istanbul, an eine "fromme Stiftung" des Ökumenischen Patriarchats zurückgegeben. Es war 1974 dem türkischen Finanzamt zugeschlagen worden. Die Stiftung der orthodoxen Schule Galata hatte unmittelbar nach dem Regierungserlass vom vergangenen August einen Antrag auf Rückgabe des Schulgebäudes gestellt. Weitere Anträge liegen bereits vor, das Ökumenische Patriarchat bemüht sich etwa auch um die Rückgabe von drei historischen Kirchen, die 1924 beschlagnahmt worden waren. (red, derStandard.at, 11.4.2012)
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