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London - Schwedische und britische Wissenschafter berichten im Fachjournal " The Lancet", dass eine Gen-Variante für den Rezeptor des Immunbotenstoffs Interleukin-6 (Il-6) vor Arteriosklerose schützt. Die Blockade des Rezeptors wird in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich in der Therapie der rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis, Gelenksrheuma) eingesetzt.
Der Hintergrund: "Die Betroffenen von entzündlichem Rheuma sterben fünf bis zehn Jahre früher", sagte bereits vor einiger Zeit Ludwig Erlacher, Chef der 2. Medizinischen Abteilung am SMZ-Süd in Wien. Schuld daran ist vor allem eine offenbar beschleunigte Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) bei diesen Menschen. Seit vielen Jahren werden auch ohne Symptome ablaufende "unterschwellige", chronische Entzündungsreaktionen im Körper mit mehr oxidativem Stress für die Entwicklung von Gefäßverkalkung & Co. verantwortlich gemacht. Umgekehrt: Antientzündliche Therapie dürfte das Risiko für Arteriosklerose und Herzinfarkt deutlich reduzieren. Der präventive Effekt der klassischen Cholesterinsenker - der "Statine" - ist wahrscheinlich zu einem erheblichen Teil auch auf deren zusätzlichen antiinflammatorischen Effekt zurückzuführen.
Neue Erkenntnisse
Jetzt haben zwei Wissenschaftergruppen in "The Lancet" Studien publiziert, welche das alles noch plausibler machen - und eine Verbindung zum Gelenksrheuma herstellen. Die Angehörigen des IL-6R-Konsortiums, einer Wissenschaftergruppe zur Erforschung des Rezeptors für den entzündungsfördernden Immunbotenstoff Interleukin-6, analysierten die Gen-Daten sowie die Bio-Marker für Entzündungsreaktionen von 125.222 Teilnehmern an medizinischen Studien.
Das Hauptresultat: 39 Prozent der Probanden wiesen im Gen für den Rezeptor eine bestimmte Variante (Asp358Ala) auf. Mit jeder Kopie dieses Gens erhöhte sich die Zahl der Rezeptoren und auch die Konzentration von Interleukin-6 im Blut. Auf der anderen Seite nahm mit jeder derartigen Gen-Kopie die Konzentration des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein im Blut um 7,5 Prozent und jene des Blutplättchen-Klebstoffs Fibrinogen um ein Prozent ab. Das wiederum reduzierte das Risiko für eine koronare Herzkrankheit um 3,4 Prozent (je Gen-Kopie).
Bestätigung
Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kam auch eine schwedisch-britische Studiengruppe, welche die Daten von 133.449 Personen aus Studien ebenfalls auf diese Gen-Varianten untersuchte. Sie zeigten, dass das Vorhandensein dieses Schutzfaktors (Asp358Ala-Variante der Erbanlage für den Interleukin-6-Rezeptor) in etwa einer Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Tocilizumab entspricht. Dieser monoklonale Antikörper blockiert den Interleukin-6-Rezeptor und ist eines der wirksamsten modernen Biotech-Medikamente gegen chronische Polyarthritis. Seine Zulassung geht auch auf die Arbeiten von Wiener Rheumatologen unter Josef Smolen (MedUni Wien/AKH und Krankenhaus Hietzing) zurück.
Die Autoren der zweiten Studie: "Die Blockade des Interleukin-6-Rezeptors könnte einen neuen therapeutischen Zugang zur Verhinderung der koronaren Herzkrankheit darstellen und spricht für die Durchführung größerer klinischer Studien." Monoklonale Antikörper dürften wegen ihrer Komplexheit und der Kosten allerdings kaum für einen breiten Einsatz auf diesem Gebiet geeignet sein. Vielmehr müssten wahrscheinlich einfachere und kostengünstigere synthetische Wirkstoffe entwickelt werden, die über das Interleukin-6 oder seine Rezeptoren wirken. (APA/red, derstandard.at, 11.4.2012)
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