Nashörner bringen Gewinn wie im Drogenhandel

23. Juli 2012, 11:32
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Die Tiere werden für asiatische Medizin und Aberglauben geschlachtet

Kapstadt/Berlin - Nashörner (Rhinocerotidae) trampeln seit 65 Millionen Jahren über die Erde. Viele Arten der tonnenschweren Riesen sind bereits ausgestorben oder in ihrer Existenz bedroht. Gut organisierte Wildererbanden, die für abgesägte Hörner als Heil- oder Potenzmittel hohe Schwarzmarktpreise erzielen, gefährden das Rhinozeros.

Im südlichen Afrika, wo 90 Prozent aller afrikanischen Nashörner leben, haben sich die Bestände dank vieler Artenschutzmaßnahmen in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich erholt. Die Zahl soll sich fast verdoppelt haben. Die verschiedenen Fachorganisationen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Heute leben in Afrika nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF 14.500 weiße (Breitmaulnashorn) und 3.700 schwarze Nashörner (Spitzmaulnashorn). Die internationale Nashorn-Stiftung spricht von über 20.000 weißen und fast 5.000 schwarzen Nashörnern. Die südafrikanischen Behörden gehen von etwa 18.800 Breitmaul- und 2.200 Spitzmaulnashörnern in ihrem Land aus.

In Asien gibt es nach Einschätzung der Experten etwa 3.000 Rhinozerosse, davon sind die meisten indische Panzernashörner. Nur noch 275 Sumatra-Nashörner und etwa 50 Java-Nashörner leben auf den beiden südostasiatischen Inseln, die den Tieren ihren Namen geben. Im Herbst berichtete WWF, dass in Vietnam nach dem Fund eines gewilderten Java-Nashorns das Tier dort als ausgestorben gelten muss.

Ihr auffälligstes Merkmal wird vielen Tieren zum Verhängnis: das Horn. Die je nach Art ein oder zwei Hörner sind durchschnittlich zehn Kilogramm schwer. Sie bestehen aus der Hornsubstanz Keratin und haben keinen Knochenkern. Seit 1976 verbietet das internationale Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES zwar den Handel mit Produkten geschützter Tiere. Die weiterhin große Nachfrage auf dem Schwarzmarkt ermöglicht internationalen Banden aber Gewinnspannen wie im Drogenhandel. Für ein Kilogramm Rhinozeros-Horn werden nach Schätzungen bis zu 50.000 Euro kassiert.

Vor allem in Asien sind die zu Pulver zermahlenen Hörner ebenso wie Tigerhoden, Leopardenknochen oder Produkte von 1.500 weiteren Tierarten als Medikament in der traditionellen chinesischen Medizin begehrt. Dem Heilmittel "Rinoceri cornu" wird eine fiebersenkende Wirkung zugesprochen. Es wird bei Krämpfen, Blutungen, infektiösen Erkrankungen und Bewusstseinstrübung eingesetzt.

Der Aberglaube über die potenzfördernde Wirkung des harten Horns hält sich, obwohl es dafür von der Wissenschaft keinerlei Beleg gibt. Nashorn gilt in Vietnam nicht nur als Glücksbringer, sondern auch als Wundermittel gegen Krebs - obwohl auch Experten der Traditionellen Asiatischen Medizin dieser These deutlich widersprechen. (APA)

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